Alles neu macht der Sommer

Im Sommer wird das 140 Millionen Euro teure Gebäude der Inneren Medizin auf dem Gelände des Uniklinikums bezogen. Damit haben die nervigen Patiententransporte ein Ende. Auch an die Studenten wird gedacht, sie bekommen neue Räume.

Das Universitätsklinikum des Saarlandes baut einerseits für 140 Millionen Euro ein nagelneues Gebäude für die Innere Medizin, hat andererseits aber ständig Geldsorgen. Wie passt das zusammen? "Weil wir jedes Jahr weniger Geld für die gleichen Leistungen bekommen, haben wir ein Einnahmeproblem", sagt Ulrich Kerle, der kaufmännische Leiter des Klinikums. Doch das habe nichts mit der Finanzierung des Neubaus zu tun, die mit Mitteln des Landes und über Kredite gesichert sei.

Bisher ist es so, dass Universitätskliniken für die zahlreichen besonderen Leistungen, die sie - im Gegensatz zu kleineren Krankenhäusern - Tag und Nacht vorhalten, keine angemessene Vergütung bekommen, sagt Professor Ingo Steudel, der ärztliche Direktor des Uniklinikums, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Denn die Krankenkassen erstatten den Kliniken nur so viel ambulante Behandlungen, wie "für Zwecke der Forschung und Lehre erforderlich sind". Doch liegt ein Notfall, eine seltene Erkrankung oder eine schwere Schwangerschaftskomplikation vor, dann wird sofort ins Uniklinikum überwiesen, "dafür halten wir auch mehr Personal vor als andere Kliniken , doch das wird finanziell bisher nicht ausreichend honoriert," erklärt Ulrich Kerle (siehe Grafik ).Er macht kein Hehl daraus, dass er "viele kleine Krankenhäuser" für nicht mehr zeitgemäß hält.

"Die kleinen Häuser können gar nicht dieselben Leistungen anbieten wie ein Haus der Maximalversorgung. Es kann nun mal nicht jeder alles anbieten. Und vor allem nicht gleich gut." Natürlich sei es für einen Landtagsabgeordneten schwierig, die Schließung eines Krankenhauses in seinem Wahlkreis durchzusetzen, "aber man darf sich im Gesundheitswesen nicht verzetteln."

Schon jetzt sei es so, dass die 33 deutschen Universitätskliniken pro Jahr 1,7 Millionen Patienten stationär aufnehmen. "Das ist etwa jeder zehnte Patient", erklärt Professor Steudel, "das zeigt, dass diejenigen, die wirklich krank sind, nun mal ins Uniklinikum kommen".

In diesem Zusammenhang wurde auch die Kooperation mit dem Evangelischen Krankenhaus in Zweibrücken erwähnt. Mit dem Kreiskrankenhaus St. Ingbert werde ein ähnliches Modell derzeit nicht in Erwägung gezogen, so Steudel und Kerle. Der Grad der Zusammenarbeit hänge auch immer mit einzelnen Personen zusammen, sagt Kerle: "Die einen wollen es, die anderen nicht."

Doch erst einmal bereitet sich das Klinikum auf das größte Ereignis für dieses Jahr vor: Das Gebäude der Inneren Medizin wird im Spätsommer bezogen (wir berichteten). Für Professor Steudel wäre es der Wunschtermin, "wenn am 1. August die ersten Zimmer belegt würden." Damit hätten auch endlich die "oft durchaus berechtigten Klagen" der Patienten über langes Warten auf den Transport ein Ende.

Denn in der Vergangenheit gab es immer wieder Ärger, weil die Verlegung von Patienten von einem Klinikbereich in einen anderen oft Stunden dauerte. Das galt besonders an Tagen, an denen viel Betrieb herrschte und der Fahrdienst kaum nachkam. Die Beschwerden gelangten dann bis an die Klinikspitze, "das hat uns hier schon belastet", sagt Professor Steudel, "ich bin sehr froh, wenn endlich alles unter einem Dach vereint ist." Die beiden Klinikleiter, die zuerst ins Gebäude einziehen werden, sind Professor Michael Böhm mit der Inneren Medizin III (Kardiologie) und Professor Michael Pfreundschuh mit der Inneren Medizin I (Therapie von Tumor-Erkrankungen). Auch an die Studenten hat man gedacht, sie bekommen im Erdgeschoss Seminarräume, Bibliotheken und Labore.

Das ist fürs Saarland wichtig, dessen medizinische Versorgung von den Homburger Absolventen abhängt. Rund 9600 Studenten schließen jährlich in Deutschland ihr Medizinstudium ab, das heißt, es kommt ungefähr ein Absolvent auf eine Million Einwohner (siehe Grafik ). Alleine das Saarland mit seiner knappen Million Einwohner verzeichnet 170 promovierte Mediziner pro Jahr - und da sind die Staatsexamina noch nicht eingerechnet. Also geradezu paradiesische Verhältnisse.

Meinung:

Der Landarzt im Saarland

Von SZ-Redakteurin Christine Maack

Kürzlich hingen überall Werbeplakate der Kassenärztlichen Vereinigungen, um für medizinischen Nachwuchs zu werben. In Homburg grinste wochenlang am Ortseingang ein junger Mann in einem Kapuzenshirt von einer Wand - mit dem Spruch: "Deutschland guckt den Landarzt. Ich werde einer." Der angebliche Landarzt hatte auf dem Foto die Augen zugekniffen und sah aus, als hätte die Agentur ihren Praktikanten vor die Linse gezerrt. Jedenfalls behaupteten das einige Homburger Medizinstudenten. Bald wird es 70 Jahre, dass die Franzosen die Medizinische Fakultät im Saarland begründeten. Das war weitsichtig, denn bis in die Dörfer sind wir hier gut medizinisch versorgt, dank Homburg . Von den 170 promovierten Absolventen pro Jahr bleiben nicht alle im Saarland , klar. Aber immer noch genügend, um eine gute landesweite Versorgung zu gewährleisten. Deshalb hätte ein saarländischer Medizinstudent gesagt: "Ich bleiwe dehemm". Und er hätte dabei bestimmt nicht verschämt die Augen zugemacht.

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