Bauprojekt: „Alle an einen Tisch“ am Warburgring

Bauprojekt : „Alle an einen Tisch“ am Warburgring

Die geplante Bebauung am Warburgring schlägt weiter Wellen. Die Anwohner suchen nun das Gespräch mit Stadtverwaltung und Wohnungsbaugesellschaft.

 „Wir müssen reden“ – das ist ja so einer dieser tendenziell heiklen Sätze. Doch genau auf die vermittelnde Kraft des Dialogs setzt die Bürgerinitiative, die sich zum Bauprojekt Warburgring gebildet hat, erklärt Frank Kirchhoff, Professor für Molekulare Physiologie am Universitätsklinikum in Homburg und selbst seit 2010 Anwohner am Warburgring. Er ist einer der Initiatoren der inzwischen an die 100 Unterstützer zählenden Bürgerbewegung, die sich gegen eine „Mega-Bebauung“ am Warburgring wehrt (wir berichteten).

Auf einer rund 13 500 Quadratmeter großen Brachfläche am Warburgring sollen Mehrparteienhäuser entstehen, Mietwohnungen mit 40 bis 100 Quadratmeter Fläche. Angesprochen werden soll damit  eine breite Zielgruppe von Studenten über Senioren bis zu Familien (wir berichteten).  Uneinigkeit herrscht allerdings nach wie vor über das, was vertretbar und verträglich für das Umfeld ist. Schließlich soll sich die Wohn- und Verkehrssituation nicht verschlechtern. Nach einer Bürgerversammlung habe die Wohnungsgesellschaft Saarland (Woge) nun die ursprünglichen Pläne verändert – in dem jüngsten Plan von Mitte Juli sind unter anderem jetzt 114 statt der ursprünglich geplanten 135 Wohneinheiten vorgesehen, so Kirchhoff, der allerdings kritisch anmerkt, dass dieser Plan immer noch „vertraulich behandelt“ werde und nur einigen Personen zugänglich sei. Nach wie vor machen ihm und seinen Mitstreitern die Höhe (von eineinhalb bis viereinhalb Geschosse) und Dichte (114 Wohnungen, 171 Parkplätze, zum Teil in einer Tiefgarage) der geplanten Bebauung Sorgen – und das damit verbundene Verkehrsaufkommen.  Gerade auch im Hinblick auf den  Kindergarten, der im nächsten Jahr gebaut werden soll. Zudem seien weitere Fragen nicht geklärt, zum Beispiel, was bei Starkregen passiere, da die jetzt brachliegende Fläche ja dann versiegelt und zum großen Teil unterkellert sei. Was die Rechtslage angehe, habe sich die Initiative Rat bei einem Rechtsbeistand geholt.

Den Gang vors Gericht sieht Frank Kirchhoff jedoch nicht als Mittel der Wahl:  „Wir suchen das Gespräch mit der Woge“, betonte er gestern auf unsere Anfrage. Dabei gehe es keineswegs darum, die von der Woge vorgelegten Baupläne in Bausch und Bogen abzulehnen, wie  er erklärte. Vielmehr wolle man eine verträgliche Bebauung, die nicht mit einer „Überforderung der Wohn- und Verkehrssituation am Warburgring“ einhergehe.

Deshalb wolle man alle beteiligten Parteien  an einen Tisch bringen:  „Vertreter des Stadtrates, der Stadt, der Anwohner und der Woge Saar könnten so in direkterer Formen Bedenken, Argumente und Rechtslagen austauschen“, so schreibt Kirchhoff in einem offenen Brief der Anwohner  an OB Schneidewind und den Stadtrat – verbunden mit der Bitte, die Stadt möge doch das Ersuchen um ein gemeinsames Gespräch unterstützen.

Bei der Homburger Stadtverwaltung nimmt man die Bedenken der Anwohner durchaus ernst. Bei aller Sympathie auch für die Anregungen von ökologischem Niedrigenergie-Konzepten bis zu Mehrgenerationen-Wohnen sieht man aber auch die Grenzen des Machbaren: „Es wäre anders, wenn wir für das Gebiet einen ganz neuen Bebauungsplan aufstellen würden“, erklärte Stadt-Pressesprecher Jürgen Kruthoff.

 Aber geltendes Baurecht zu verändern, sei erheblich schwieriger. Einem Austausch wolle man sich aber keineswegs verschließen: „OB Rüdiger Schneidewind wird sich gern um einen gemeinsamen Gesprächstermin zwischen den Anwohnern, der Woge und unserem Bauamt bemühen. Er wird auch gern selbst an solch einem Gespräch teilnehmen“, erklärte Kruthoff. Auch der OB sehe es so, dass alle Beteiligten mit  Dialogbereitschaft an die Sache herangehen sollten. Und weiter: „Dies war auch der Wunsch des Stadtrates. Eine erste Gesprächsrunde hat ja im Rathaus auch schon stattgefunden. Derzeit gibt es noch keinen Bauantrag und auch keinen Antrag auf Einleitung eines Änderungsverfahrens“. Da es einen Bebauungsplan gibt, müsste dieser zunächst geändert werden, wenn eine andere Bebauung erfolgen soll als die, die das aktuelle Baurecht vorsieht. Die Entscheidung dazu liegt beim Stadtrat. „Da dieses Thema am Donnerstag nicht auf der Tagesordnung im Stadtrat steht, besteht derzeit auch kein Anlass zu denken, es sei schon etwas festgelegt worden“, ergänzte Kruthoff.

Von Seiten der Woge war gestern für eine Stellungnahme niemand zu erreichen, man wolle sich zunächst  in der Geschäftsführung darüber beraten, wie konkret vorzugehen sei, teilte Pressesprecher Ludwin Vogel von der Strukturholding Saar,  der geschäftlich außer Haus war, per E-Mail mit. Es bleibt also die Möglichkeit, einen Kompromiss zu schließen und – wenn möglich – die Interessen aller Beteiligten von Wohnraum schaffen über Rentabilität bis Wohnqualität unter einen Hut zu bringen.