AG Geschichte des Saarpfalz-Gymnasiums Homburg gedenkt Reichspogromnacht

Reichspogromnacht : Großer Schüler-Einsatz gegen das Vergessen

Jasmin Martin stellt zusammen mit ihrer Arbeitsgemeinschaft Geschichte des Saarpfalz-Gymnasiums im Rahmen des Projektes „Zeitung macht Schule“ die geplanten Aktivitäten beim Pogromgedenken vor.

Dieser Dienstag, 12. November, ist für Homburg ein ganz besonderer Tag. Um 15.30 Uhr findet vor dem Gebäude Marktplatz 14 die Einweihung eines Mahnmals zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus statt. Die Stadt setzt damit nach langem Hin und Her ein sichtbares Zeichen der Erinnerung an die vom nationalsozialistischen Terrorstaat (1933-45) verfolgten und ermordeten Bürger von Homburg. Im Anschluss daran findet um 16 Uhr in der Protestantischen Stadtkirche – wie in den Jahren zuvor – die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 statt.

Sie wird gemeinsam ausgerichtet von den christlichen Kirchen und dem Kinder- und Jugendbüro der Stadt Homburg.

Wie in den zurückliegenden Jahren wirkt auch wieder eine Vielzahl von Schülern des Saarpfalz-Gymnasiums mit. Die Arbeitsgemeinschaft Geschichte, die seit 20 Jahren von Eberhard Jung geleitet wird, ist mit Textbeiträgen beteiligt. Für die musikalische Begleitung sorgen laut Jung der aus rund 50 Schülern, Ehemaligen und Eltern bestehender Schulchor unter der Leitung von Musiklehrerin Tanja Stegentritt und das Ensemble Chorioso, in dem Stegentritt mitsingt.

Moderiert wird die Veranstaltung von Pfarrerin Petra Scheidhauer, die der Schule in den vergangenen Jahren immer durch ihre deutlichen Worte gegenüber Missständen wie Antisemitismus, Rechtsradikalismus und Menschenverachtung imponiert habe. Sie werde begleitet von drei Jugendlichen aus Bruchhof-Sanddorf, die bereits in den Vorjahren konfirmiert wurden und großen Wert auf Toleranz und Offenheit legten. „Von ihnen werden wir ein kurzes Statement zum Thema ‚Abgrenzung’ hören, außerdem werden sie einen Text von Laura de Weck zum Leben in Europa vortragen. Als Hauptredner wird Jörn Didas, der Geschäftsführer des Adolf-Bender-Zentrums, über die ‚Geschehnisse in der Reichspogromnacht im Saarland’ reden“, kündigt Jung an.

Es würden auch viele prominente Gäste anwesend sein. Ganz besonders gespannt sei man auf Izhak Hirsch, von welchem die Idee für das Denkmal stammt, auf das er so lange warten musste. Er will damit an seine Großeltern Mathilde und August Hirsch und andere Homburger erinnern, die im Dritten Reich aus ihrer Heimat deportiert und von den Nazis ermordet wurden. Bei seiner Anreise aus der Schweiz nach Homburg werde er sicherlich eine Achterbahn der Gefühle mitmachen. „Und es bleibt zu hoffen, dass er hier jetzt seinen inneren Frieden und eine gewisse Genugtuung finden wird“, so Jung.

Man freue sich aber auch auf das Wiedersehen mit Doris Deutsch, der Witwe des Auschwitz-Überlebenden Alex Deutsch (1913-2011), auf Werner Hillen, den Landesvorsitzenden des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK), und den Künstler Seiji Kimoto. Diese Drei seien seit Jahren gern gesehene Ehrengäste beim Pogromgedenken in Homburg. Jung: „Wir werden sie – ebenso wie Jörn Didas – eine Woche später, am 20. November, in Ottweiler wiedersehen, wenn unsere AG Geschichte im Historischen Sitzungssaal des Landratsamtes den diesjährigen Alex-Deutsch-Preis erhalten wird für ihr langjähriges Engagement gegen Antisemitismus, für Toleranz und ein friedliches Miteinander.“

Der japanisch-deutsche Künstler Seiji Kimoto sei 1937 in Osaka geboren und wohne heute in Wiebelskirchen in derselben Straße wie Doris Deutsch. Er sei ein sehr engagierter Bildhauer und Kalligraph sowie ein Experte in Bezug auf Holocaust-Mahnmale. Die AG Geschichte stehe seit rund einem Jahrzehnt in Kontakt mit ihm und schätze sein leidenschaftliches Auftreten gegen Hass, Gewalt und Ausbeutung. Er habe selbst eine stattliche Reihe von Denkmälern geschaffen, so zum Beispiel ein Mahnmal für Zwangsarbeiter in Neunkirchen, das Relief „Menschenmaterial“ an der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, eine Großplastik an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, die Gedenkinstallation „Unvergessen – Ungebrochen“ an der österreichisch-slowenischen Grenze.

„Daher sind wir sehr gespannt, wie er das Homburger Mahnmal beurteilen wird. Im Voraus konnten wir schon erfahren, dass diese drei Ehrengäste die Errichtung eines Homburger Mahnmals gegen das Vergessen nationalsozialistischer Schandtaten in hohem Maße begrüßen“, verrät Jung.

Nach vierjähriger Mitwirkung beim Pogromgedenken werde es für ihn – wie für Mitschülerin Cecilia Klein – das letzte Mal sein, mit der AG Geschichte und dem Chor an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Auch der Größte in der Arbeitsgemeinschaft, Johannes Göddel, werde zum letzten Mal dabei sein, „weil wir uns alle drei am Ende dieses Schuljahres mit dem Abitur vom Saarpfalz-Gymnasium verabschieden wollen“.

Jasmin Martin, die Autorin dieses Berichts, wirkt bei der AG Geschichte und im Schulchor des Saarpfalz-Gymnasiums mit, leitet außerdem die AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Foto: Eberhard Jung. Foto: Eberhard Jung
Johannes Göddel, das langjährigste Mitglied der AG Geschichte, ist wie Jasmin zum letzten Mal beim Pogromgedenken aktiv dabei. 2020 machen beide das Abitur. Foto: Eberhard Jung. Foto: Eberhard Jung
Helene Mäusle eröffnet mit dem Gedicht „Homburger Juden“ die Gedenkveranstaltung in der Protestantischen Stadtkirche. Foto: Eberhard Jung. Foto: Eberhard Jung
Simeon Seitz aus Erbach stellt den Zeitzeugen Willi Caster aus seinem Heimatort vor, der im Januar 2019 gestorben ist. Foto: Eberhard Jung. Foto: Eberhard Jung
Thomas Huade Liu hat chinesische Vorfahren, widmet sich mit großem Eifer der deutschen und chinesischen Geschichte und stellt Willi Casters Jugenderlebnisse unmittelbar nach der Reichspogromnacht in Saarbrücken vor. Foto: Eberhard Jung. Foto: Eberhard Jung
Das Buch „Alles hat seine Zeit“ von Maria Schäfer, einer Abiturientin des Saarpfalz-Gymnasiums, bietet die Textgrundlage zur Erinnerung an Willi Caster. Foto: Eberhard Jung/Dorothee Lindemann
Philipp Jakob Siebenpfeiffers Geburtstag jährt sich am 12. November 2019 zum 230. Mal (Porträt von Alina Keßler aus der AG Geschichte) – ein Grund, ihn beim Pogromgedenken mit zu berücksichtigen. Foto: Eberhard Jung. Foto: Eberhard Jung

Nach rassistisch und antisemitisch motivierten Verbrechen, wie etwa im Oktober in Halle (Saale), sei es äußerst wichtig, sich mit unserer Vergangenheit gründlich auseinanderzusetzen und zur Toleranz und Stärkung unserer Demokratie aufzurufen. „Das leisten wir aus der AG Geschichte mit unseren selbst verfassten Texten bei der Gedenkveranstaltung“, betont Eberhard Jung.

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