1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Homburg

Ärger um Containeraufstellung wegen Raumnot an Grundschulen in Homburg

Raumnot an Schulen in Homburg : Grundschulkinder lernen in Containern

In Bruchhof gibt es Ärger um den Standort eines Containers für die Grundschule. Im Stadtrat beschwichtigte man zunächst, allerdings wird sich das Thema Raumnot in den kommenden Jahren voraussichtlich noch verschärfen – nicht nur an dieser Schule.

Bei manchen Themen hatte die Verschiebung der Stadtratssitzung vom Juli in den September aus den bekannten Corona-Quarantäne-Gründen dafür gesorgt, dass sie sozusagen schon von der Zeit überholt worden waren. Extra-Redebedarf gab es dennoch. Zum Beispiel als es um Container ging, die an zwei Schulen, der Luitpoldschule und der Grundschule Bruchhof, aufgestellt werden müssen, weil es nicht genug Platz in den Gebäuden für die Kinder gibt. Eigentlich sollte der Rat über deren Aufstellung entscheiden. Da standen sie aber schon, was nachträglich abgesegnet werden sollte und auch wurde.

Container seien natürlich nie ideal, wenn die Schülerzahlen weiter so hoch blieben, müsse man sehen, wie man damit umgehe, sagte Bürgermeister Michael Forster (CDU) in der Sitzung. Die Zeit dränge auch deswegen, da ab 2026 ein Anspruch auf einen Ganztagsplatz bestehe. Daher müsse man alle Schulen nochmals auf ihren Raumbedarf hin überprüfen. Forster bezog sich damit auf die Einigung, die Bund und Länder erst kürzlich erzielt hatten. Diese besagt, dass es ab dem Schuljahr 2026/2027 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule geben wird.

Aktuell gibt es aber erst einmal Ärger um die beiden Container für die Grundschule Bruchhof. Konkret geht es um den Standort. Sie seien dort nämlich direkt auf dem Schulhof aufgestellt worden, wie Ortsvertrauensmann Manfred Rippel (SPD) in der Ratssitzung berichtete. Nun seien Eltern und Schulleitung richtig aufgebracht. Auch die Art und Weise, wie das vonstattenging, stehe in der Kritik:

Es habe zwar ein Vorgespräch zwischen Schulleitung, Elternvertretung und Bauamt gegeben, als klar gewesen sei, dass man nicht genug Platz habe. Jeder habe seine Wünsche geäußert. Das Bauamt wollte den Container auf den Schulhof stellen, für Eltern und Schule ging das gar nicht. Dann habe man erstmal nichts gehört, bis dann am Freitag vor Schulbeginn die Bauarbeiter auf dem Hof standen. Die Schulleiterin sei aus allen Wolken gefallen. Am Montag sei dann ein Krisengespräch anberaumt worden, auch die Beigeordnete Christine Becker und er als Ortsvertrauensmann seien vor Ort gewesen. Da aber da bereits alles, auch etwa der Kran, bestellt worden war, habe man das Prozedere nicht mehr stoppen können. Am Dienstag standen die Container – auf dem Schulhof.

Schulelternsprecherin Monique von Büren erläuterte in einem Gespräch mit unserer Zeitung, warum man darüber so empört ist: Zum einen seien die Kinder aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen in vier Gruppen aufgeteilt. Je eine Klassenstufe darf in einem bestimmten Bereich des Schulhofs spielen, damit sie sich nicht mit den anderen „mischen“. Sollte es nun so kommen, dass es im Rahmen einer Verschärfung der Coronamaßnahmen nur noch im Klassenverband Kontakte geben dürfe, dann reiche der Platz nicht aus, um alle Gruppen unterzubringen. Ganz zu schweigen davon, dass die Bauzäune stehen bleiben werden. Das sei alles sehr unschön.

Schule und Eltern hätten die Container gerne auf einer angrenzenden Wiese gesehen, dem „Bolzplatz“, denn dort, so von Büren, könne im Herbst und Winter ohnehin nicht gespielt werden. Dort sammle sich bei starkem Regen Wasser, alles sei vermatscht. Und wenn es schon nicht auf der Wiese funktioniere, dann sollten die Container zumindest um 180 Grad gedreht werden. So, wie sie jetzt ausgerichtet seien, scheine die Sonne direkt durch die Fenster. Außerdem könnten Passanten hineinschauen, die Kinder sitzen also auf dem Präsentierteller. Daher müsse man die Rollläden geschlossen halten.

Die Eltern hoffen nun darauf, dass der Platz für die Container tatsächlich nur provisorisch ist und sie vielleicht schon nach den Herbstferien dort nicht mehr so stehen werden.

Die Stadt bleibt auf Anfrage allerdings sehr vage: Man werde prüfen, ob „noch Alternativen zum Schulhof als Standort für die Container möglich sind“. Allerdings auch: Es werde wohl schwierig.

 Bürgermeister Michael Forster hatte in der Stadtratssitzung die Kritik erst einmal entgegengenommen. Und die Beigeordnete Christine Becker (SPD) hatte versprochen, dass man sich nun um die Pläne für einen Anbau bemühen werde. Auch weil ja 2026 das Recht auf einen Platz in der Ganztagsbetreuung bestehen werden – und bis dahin fehlten auch insgesamt betrachtet eine Menge FGTS-Plätze. „Wir müssen rasch handeln.“

Die Raumnot in Bruchhof wird bleiben. Der Mietvertrag für die Container sei für zwei Jahre abgeschlossen worden; schon jetzt zeichne sich ab, dass danach Raumbedarf bestehe, gesteht die Stadt. Wie hoch der sei, könne man momentan noch nicht genau sagen. Das mache die Planung im Bauamt nicht einfacher. Das Schul- und Sportamt sieht aber aufgrund der prognostizierten Zahlen doch, dass spätestens in den Schuljahren 2024/2025 und 2025/2026 jeweils eine weitere Klasse gebildet werden müsse.

Das Problem kennt auch Schulelternsprecherin Monique von Büren. Womöglich werde man 2024 hier sogar noch weitere Container benötigen, weil man eben mit hohen Einschulungszahlen rechne. Dazu komme der durch Corona und den Nachholbedarf festgelegte neue Klassenteiler von maximal 25 Kindern in Klasse eins und zusätzlich der Anspruch auf einen Ganztagsbetreuungsplatz über die FGTS. Hier gebe es bereits jetzt Wartelisten, jedes Jahr müsse man Eltern absagen. Im Moment sei schon die zweite Klassenstufe dreizügig, was daran liege, dass wegen der Lerndefizite durch die Schulschließungen etliche hätten zurückgestuft werden müssen. Die anderen zweizügig.

 Auf einer angrenzenden Wiese wäre nach Ansicht der Eltern und der Schule der bessere Platz für die Container.
Auf einer angrenzenden Wiese wäre nach Ansicht der Eltern und der Schule der bessere Platz für die Container. Foto: Monique von Büren

Eine schnelle Lösung scheint nicht in Sicht. Bei ihrer Antwort bleibt die Verwaltung unscharf: Ob An- oder Umbauten an dem Standort möglich seien und wenn ja wo und in welchem Umfang, „können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen“, teilte sie mit. Dass aber eine weitere Prüfung und gegebenenfalls Planung erforderlich sei, das zeigten die prognostizierten Zahlen.