Ältere Arbeitnehmer bald gesucht

Homburg. Die Menschen werden älter und gleichzeitig gibt's weniger Nachwuchs. Es ist diese Mischung, die sich hinter dem eher abstrakten Begriff demografischer Wandel verbirgt. Die Auswirkungen werden in vielen Bereichen zu spüren sein, auch in der Arbeitswelt

Homburg. Die Menschen werden älter und gleichzeitig gibt's weniger Nachwuchs. Es ist diese Mischung, die sich hinter dem eher abstrakten Begriff demografischer Wandel verbirgt. Die Auswirkungen werden in vielen Bereichen zu spüren sein, auch in der Arbeitswelt. Zurzeit werde der demografische Wandel allerdings eher als Fachkräftemangel speziell bei jüngeren Technikern und Ingenieuren wahrgenommen, heißt es in einem umfangreichen Bericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu diesem Thema. Weniger werde gesehen, was er wirklich ist, nämlich ein Älterwerden des Arbeitskräfteangebots insgesamt. Das mache sich ab 2020 zum Beispiel darin bemerkbar, dass der Anteil der über 50-Jährigen Erwerbspersonen weiter stark zunimmt. Doch was passiert in der Region, um dieser Veränderung zu begegnen? Diese Frage ist es, die Homburgs Wirtschaftsförderin Dagmar Pfeiffer und die städtische Frauenbeauftragte Ingrid Braun umtreibt. Sie gehören zum Demografienetzwerk Saarpfalz, das vor gut einem halben Jahr gegründet wurde auf Initiative von Cornelia Schneider, die sich um betriebliches Gesundheitsmanagement kümmert. "Das Thema ist in aller Munde", doch nur wenige beschäftigten sich damit, erläutern Pfeiffer und Braun beim Besuch in der Homburger SZ-Redaktion. Bislang gebe es hier "nur in wenigen Unternehmen Dinge, die anlaufen, um dem zu begegnen". Mit Hilfe des Netzwerks sollen nun Denkprozesse angeschoben werden - übrigens in allen gesellschaftlichen Bereichen. Zum Auftakt am 9. Juni geht es in einem Forum aber zunächst um "Demografie in der Arbeitswelt". "Ältere sind nicht mehr so belastbar und so schnell, kompensieren das aber mit Lebenserfahrung, Routine, Gelassenheit", erläutern die beiden Frauen. Es ist leicht einzusehen, dass gerade bei körperlich anstrengenden Berufen - vom Dachdecker bis zur Pflegekraft - im Alter physische Grenzen erreicht werden. Doch auch bei Bürotätigkeiten gilt: Unter anderem die Stressbelastung, der Umgang mit neuen Entwicklungen fordere Ältere sehr. Es gehe also um Gesundheit und darum, wie ein Betrieb organisiert werden könne, damit die Mitarbeiter fit bleiben. Da sei das Unternehmen genauso in der Verantwortung wie der Arbeitnehmer selbst. Altersgerechte Arbeitsgestaltung ist dabei beispielsweise ein Schlagwort. Ebenfalls ein Thema: Wie kann lebenslanges Lernen sinnvoll organisiert werden? Wie die betriebliche Situation mit insgesamt älter werdenden Arbeiternehmern gestaltet werden kann, ist nur eine Seite. Auf einem anderen Blatt steht, wie jüngeres Personal gewonnen wird. "Wenn es schwierig wird, junge Leute in eine Firma oder eine Verwaltung reinzubringen, dann brauche ich zusätzliche Dinge", etwa Hilfe bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Letztlich sei das Zusammenspiel von Jung und Alt wichtig. Lösungen beginnen zum Beispiel bei der Organisation, wie Erfahrungen an den Nachfolger weitergegeben werden. Oft gehe heute "das Wissen mit in Rente". Auch der Umgang mit generell älter werdenden Kunden, die bestimmte Ansprüche haben, muss organisiert werden. Ein Lösungsansatz seien hier zum Beispiel Tandem-Teams aus älteren und jüngeren Mitarbeitern. Meinung

Ein wichtiger Denkprozess

Von SZ-Redakteurin Ulrike Stumm Älter werden gehört nicht gerade zu den Top-Themen in der Beliebtheitsskala. Dennoch: Die Gesellschaft wird künftig mit mehr älteren Menschen umgehen und sich deswegen anders organisieren müssen. Das trifft auch die Betriebe, in denen vielleicht plötzlich nicht mehr vorzeitiger Ruhestand ein Thema ist, sondern Jobs, die ein Arbeitnehmer weit jenseits der 50 ohne Probleme erledigen kann. Selbst wenn das für viele noch fern scheint und ein Mangel an Arbeitskräften angesichts der Wirtschaftskrise derzeit schwer vorstellbar ist. Patentrezepte wird es nicht geben. Denn: Wie sich die Altersstruktur verändert, ist berechenbar, allerdings weiß keiner genau, welche Folgen der demografische Wandel letztlich wirklich mit sich bringt. Dazu ist das Thema zu komplex. Es ist also kein simpler Denkprozess, der nötig sein wird, wichtig ist er trotzdem. HintergrundDas Forum Demografie in der Arbeitswelt - Chancen für das eigene Unternehmen, beginnt am Mittwoch, 9. Juni, um 17 Uhr im Sitzungstrakt des Rathauses/Landratsamt, Am Forum in Homburg. Referenten sind Georg Weisweiler, Minister für Gesundheit und Verbraucherschutz, Cornelia Schneider von der GGW Homburg, der Autor Ulrich Althauser und Oliver Beck, Personalleiter des Michelinwerks in Homburg. Zur Begrüßung spricht Oberbürgermeister Karlheinz Schöner. Wer kommen möchte, sollte sich anmelden bei der Wirtschaftsförderung Saarpfalz, Saarpfalz-Park, Bexbach, Tel. (0 68 26) 5 20 20, Fax (0 68 26) 5 2 02 28, E-Mail: info@wfg-saarpfalz.de ust