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Absinto Orkestra spielt in Wörschweiler

Ein feuriges Konzert : Ein feuriges Konzert zum Abschluss

Die Reihe „Kultur im Museum“ ging zu Ende mit der Mainzer Band Absinto Orkestra, die sich in den alten Mauern der Wörschweiler Abteil zur Höchstform hochspielten, sehr zur Freude des Publikums.

Dass die Musik vom Balkan ordentlich Pfeffer und Temperament enthält, wurde in der Klosterruine Wörschweiler ein weiteres Mal bestätigt. Dort spielte die fünfköpfige Mainzer Formation Absinto Orkestra ein feuriges Konzert.

Die Band wurde vor 19 Jahren von den beiden Gitarristen und Sänger Stefan Ölke und Jo Schappert gegründet, die zuvor schon als Duo zusammen spielten. „Ein Freund hatte ein Theaterstück mit Balkan-Bezug geschrieben und mich gefragt, ob ich nicht eine Band dafür zusammenstellen wollte“, erzählte Ölke in der Pause des Konzerts.

Nach dem Stück sei die Combo direkt für weitere Auftritte gefragt worden - das sei sogar noch vor der großen Balkanmusik-Welle gewesen, die der Frankfurter DJ Shantel in den Nullerjahren auslöste. Ölke selbst, der ursprünglich aus der Ecke der deutschen Liedermacher stammte, sei durch die Filme von Emil Kusturica zu dieser Art Musik gekommen - „das hat mich tief berührt“, meinte er. Aber auch vom Gypsy-Jazz Django Reinhardts sei er schon begeistert gewesen.

All diese Einflüsse waren beim Absinto Orkestra zu hören. Einmal begeisterten die witzigen Texte einiger auf Deutsch gesungenen Lieder, dann wieder standen die beiden Hauptsolisten Jolly Reinig (Violine) und François Heun (Sopransaxofon) im Vordergrund und lieferten sich wilde Solo-Schlachten. Zusammengehalten wurde die Truppe vom Mann am Kontrabass mit dem schönen Namen Pavel Klimashevski, der die Fußballfans an goldene Zeiten des FC Homburg erinnerte.

Es fiel gar nicht auf, dass kein Schlagwerk verwendet wurde - das ersetzten die drei Saitenspieler mit ihren Schlaggeräuschen, wobei Ölke manchmal auch zur Mandoline griff. Schön auch, dass etwa 130 Besucher den Weg den Berg hoch zur Klosterruine gefunden hatten, was besonders Norbert Zimmer vom Homburger Kulturamt freute.

„Die Reihe Kultur im Museum ist dieses Jahr generell sehr gut angenommen worden. Nur ein Konzert im Juni musste wegen Corona ausfallen, ansonsten hatten wir vor allem mit dem Wetter sehr viel Glück.“ Man überlege daher, ob man die Reihe im nächsten Jahr noch ausbaut. Das Konzert des Absinto Orkestra war für dieses Jahr die letzte Veranstaltung von Kultur im Museum.

Keine schlechte Wahl, denn der mitreißende Auftritt wird noch lange im Gedächtnis bleiben. Neben den eigenen Songs präsentierte das Quintett auch welche des Gypsy-Jazzgitarristen Lulu Reinhardt oder traditionelle Musik vom Balkan wie das mazedonische „Jovano Jovanke“ oder das auf Roma gesungene „Rumelaj“. Ölke baute mit seinen witzigen Ansagen immer wieder guten Kontakt zum Publikum auf. „Beim nächsten Lied machen die Leute meistens so Geräusche am Schluss. Des könnt ihr ruhig auch machen, uns stört’s ned!“

Bei der Ansage des psychedelischen Stücks „Absint Techno“ meinte er augenzwinkernd: „Psychoaktive Substanzen würden euch jetzt den Zugang zu dem Song erleichtern.“ Tatsächlich, teilweise erinnerte die Mischung aus orientalischen Rhythmen und Harmonien sowie ausgedehnten Improvisationen an die Klänge, die die Krautrock-Band Embryo in den Siebzigern von ihrer Indienreise mitgebracht hatte.

Überraschend kündigte Ölke zwischendurch an, die wahre Mission der Band seien traurige Liebeslieder: „Das tut mir ein bisschen leid für euch.“ Doch auch der Song über die unerwiderte Liebe („Nur für dich war meine Glut entfacht, doch im Stillen hast du mich nur ausgelacht“) oder der anschließende Schlager „Nur nicht aus Liebe weinen“ erschallten mit viel Fahrt und Mitklatsch-Faktor von der Bühne. Dabei ging Geiger Reinig sogar mitten ins Publikum und spielte mit Augenaufschlag die schmelzenden Töne aus kurzer Entfernung ins Herz der Zuhörer.

Das Mienenspiel beider Solisten sorgte ohnehin häufig für ein Schmunzeln, so auffordernd und eindringlich gestaltete es sich. Da man sich ja unter freiem Himmel befand und Abstand bewahren konnte, kam es, wie es nicht anders kommen konnte: Da wurde sogar getanzt auf dem Klosterberg in diesen durch Corona eingeschränkten Zeiten.