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„Aber das hier bleibt. Das lohnt sich!“

 Noch ist die Mauer am Homburger Mannlich-Gymnasium so, wie man sie kennt. Doch in den Köpfen von Dezirae Wojciehowski, Johanna Gauer, Michelle Verenice Stein, Bilal Imeri und Philipp Bachnick (von links) hat die „Wall of Change“ schon erste Formen angenommen. Foto: Thorsten Wolf
Noch ist die Mauer am Homburger Mannlich-Gymnasium so, wie man sie kennt. Doch in den Köpfen von Dezirae Wojciehowski, Johanna Gauer, Michelle Verenice Stein, Bilal Imeri und Philipp Bachnick (von links) hat die „Wall of Change“ schon erste Formen angenommen. Foto: Thorsten Wolf FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Schülerinnen und Schüler am Mannlich-Gymnasium engagieren sich in einem außergewöhnlichen Kunstprojekt unter dem Titel „Wall of Change“. Thorsten Wolf


Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen - zumindest mal nicht in Homburg. Aber: Einer schon stehenden geht es in den kommenden Wochen künstlerisch an den Stein. Im Fokus steht die Rückwand der alten Schulturnhalle des Mannlich-Gymnasiums. Das wuchtige Gemäuer am Einfahrtskreisel zur Talstraße soll ein neues Gesicht bekommen. "Wall of Change" nennt sich das Kunstprojekt, realisiert von Schülerinnen und Schülern der Schule selbst, in Zusammenarbeit mit der Freien Kunstschule Artefix und mit dem Kreisjugendamt, dass Ganze dabei Teil des Projekts "Kultur+ im Saarpfalz-Kreis".

Was soll nun entstehen? Die Pläne sind durchaus ambitioniert. Jede Schülerin, jeder Schuler soll in der Form eines Reliefs sein eigenes "Haus" gestalten, geformt von der Persönlichkeit und der eigenen Lebenswirklichkeit der einzelnen Jugendlichen. Angedacht ist das Ganze als Langzeitprojekt, die Wand des Mannlich-Gymnasiums wird wohl nicht die einzige Fläche bleiben, die in den kommenden Jahren eine inhaltliche und optische Veränderung erfahren soll.



"Das Projekt ,Wall of Change' soll die Entwicklung der Jugend aufzeigen. Unser Endziel ist ein Rundgang in Homburg und Umgebung, von einer Wand zur anderen, wo sich immer wieder die Jugendlichen einer Generation mit dem Thema Menschsein befassen. Denn man sieht über Jahre hinweg die Veränderung der Gesellschaft", erklärt Veronika Kiesel, die Leiterin von Artefix.

Impuls für diese, man kann fast schon sagen, Zeitkapsel war ein öffentlicher runder Tisch, an dem unterschiedliche Projekt an und durchdiskutiert wurden. Mit dabei auch Monika Mura, Projektleiterin von "Kultur+ im Saarpfalz-Kreis", und, überaus überraschend, auch Professor Michael Menger, der überaus kunstinteressiert Dekan der medizinischen Fakultät in Homburg. Er sei es auch gewesen, der die Idee "Wall of Change" auf den Weg brachte, "er war der Ideen-Geber", so Veronica Kiesel.

Ganz praktisch begleitet die Künstlerin Claudia Raudszus die "Wand der Veränderung". Sie war es auch, die sich gegen eine Verwirklichung mittels Graffiti und für eine Realisierung mit Wandreliefs aussprach. Dass aus all diesen Überlegungen, Planungen und Ideen dann nun auch bis Juli 2017 der erste Teil des Projekts "Wall of Change" entsteht, das liegt vor allem in der Verantwortung der beteiligten Schülerinnen und Schüler: Michelle Verenice Stein, Johanna Gauer, Dezirae Wojciehowski, Rosalin Demir, Arijin Türkes, Bilal Imeri und Philipp Bachnick.

"Das Projekt gefällt mir sehr gut, weil es seht langfristig ist", begründet Michelle ihren Antrieb, freiwillig und zusätzlich zur schulischen Belastung einer gymnasialen Klassenstufe 10 ihren Teil, ihr "Haus" zur "Wall of Change" beizusteuern. Ihre Persönlichkeit wolle sie da auch über ihre Interessen vermitteln. "Ich mache viel Sport, interessiere mich sehr für Mode, schaue gerne Filme und zeichne auch ganz gerne, auch Portraits." Dafür mache sie sich einige Gedanken, bei den gemeinsamen Terminen mit den anderen Schülern in den Räumen von Artefix falle es ihr dabei leichter, sich das Ganze vorzustellen, "wir machen das ja alle gemeinsam. Und es ist eine große, gemeinsame Überlegung, wie man sich selbst einbringen kann". Auch für Johanna Gauer ist die Nachhaltigkeit des Kunstprojektes ein wichtiger Impuls. "Wenn ich in zehn Jahren am Mannlich vorbeilaufe, dann kann ich sagen: 'An dieser Mauer hab ich mitgearbeitet, das ist mein Haus', das finde ich echt toll." Im Gegensatz dazu sei es im schulischen Kunstunterricht kaum möglich, wirklich etwas zu bewegen, "aber das hier bleibt, das lohnt sich." Dass sich die Schülerinnen und Schüler den Weg zu "ihrem Haus" als Teil der "Wall of Change" nicht einfach machen, das verdeutlichen die Überlegungen von Bilal. "Ich will mich an der Pop-Kultur der TV-Serie 'Dr. Who' orientieren, aber auch eigene Interessen verdeutlichen - vielleicht auch ein etwas zerstörteres Haus bauen, als Sinnbild für die Gesellschaft."

Zum Thema:

Mit der aktuellen geplanten Neugestaltung einer Mauer am Mannlich-Gymnasium als erster Teil der "Wall of Change" sollen von Jugendlichen jeweils einer Generation in Homburg langfristig zahlreiche öffentlich zugängliche Mauern gestalten, um, auf Jahre gesehen, eine Veränderung der Gesellschaft anschaulich zu machen. Kooperationspartner dieses Trafo-Projekts, getragen von der Kulturstiftung des Bundes, sind "Kultur+ im Saarpfalz-Kreis", das Jugendamt des Saarpfalz-Kreises und die freie Kunstschule Artefix.