A6-Anschluss mit vier Ohren

Homburg. Zur Stadtratssitzung am Mittwochabend (wir berichteten) hatte Homburgs Oberbürgermeister Karlheinz Schöner nicht nur Vertreter des Umweltministeriums und des Landesbetriebs für Straßenbau eingeladen, sondern auch die Verwaltungschefs der Nachbarkommunen

Homburg. Zur Stadtratssitzung am Mittwochabend (wir berichteten) hatte Homburgs Oberbürgermeister Karlheinz Schöner nicht nur Vertreter des Umweltministeriums und des Landesbetriebs für Straßenbau eingeladen, sondern auch die Verwaltungschefs der Nachbarkommunen. Bexbachs Bürgermeister Heinz Müller und sein Pendant aus Kirkel, Frank John, sollten mit am Tisch sitzen, wenn es um den Ausbau des bestehenden Autobahnanschlusses Homburg-Bexbach geht. Schöner: "Wir wollen größtmögliche Transparenz, die Nachbarn sollen sehen, dass Homburg nichts zu deren Lasten unternehmen will." Und die drei Verwaltungschefs sind sich auch einig darin, wie der umgebaute A6-Anschluss künftig aussehen soll. Sie wünschen sich - wie im Übrigen alle Ratsfraktionen - eine große Lösung, im Fachjargon Vier-Ohr-Anbindung. Das hat nichts mit einer Fortsetzung von Til Schweigers "Kein-Ohr-Hasen" oder "Zwei-Ohr-Küken" zu tun, sondern ist eine Autobahn-Anschlussstelle, die in alle Richtungen über vier Halbkreise angefahren werden kann, einem Kleeblatt gleich - ohne dass Ampel oder gar ein Linksabbiegeverkehr nötig wären. Allein die Planer in Saarbrücken sehen diese Notwendigkeit nicht, sie planen eine Drei-Ohr-Variante. Was bedeutet, dass der Verkehr in Richtung Bexbach über eine Ampel geleitet würde und auch Linksabbieger nicht aus dem Kreuzungsbereich verschwinden könnten. Die große Lösung würde, so der Referatsleiter im Umweltministerium, Werner Schmitt, den Umbau zeitlich verzögern und auch verteuern. Die Verwaltungschefs gaben ihm mit auf den Weg, die Planung noch einmal zu überdenken. OB Schöner: "Wenn die Erschließung des Zunderbaums abgeschlossen ist, befürchte ich, dass der zusätzliche Verkehr von der dann umgebauten Anschlussstelle nicht aufgefangen werden kann. Dann hätten wir nichts gewonnen."Ähnlich argumentierten die Fraktionssprecher. Hans Felden (SPD) sprach im Hinblick auf die künftige Entwicklung am Zunderbaum gar von einer Steuergeld-Verschwendung, falls die kleinere Variante geplant werde. Peter Müller (FDP) stimmte ihm zu. Der Zunderbaum sei eine von zwei verbliebenen großen Industrieflächen im Land. "Ich erwarte, dass die Landesregierung hier eine richtige Entscheidung trifft, die nur Vier-Ohr-Lösung heißen kann." Christian Gläser (CDU) sieht den Umbau des bestehenden Anschlusses in direktem Zusammenhang mit einer zusätzlichen A6-Ost-Anbindung. "Nach dem Ausbau des alten Anschlusses wird die Reiskircher Ortsdurchfahrt abgehängt. Wo sollen dann die ganzen Autos hin, wenn es keinen Ostanschluss gibt? Sie würden nur verlagert." Jörg Herrlinger forderte für die Grünen ebenfalls einen zügigen Ausbau des bestehenden Anschlusses "zum vollwertigen Vier-Ohren-Anschluss". Eine Verzögerung durch neue Varianten müsse vermieden werden. Barbara Spaniol (Linke) wünscht, dass die Bevölkerung in die Planung der Straßenprojekte einbezogen werde. "Es dürfen nicht die einen entlastet und andere neu belastet werden." Schließlich ist auch die FWG für die große Lösung. Axel Ulmcke wies in Sachen Ostanbindung vehement auf die Alternativvariante hin, den neuen Anschluss über die stillgelegte Bahntrasse zu führen. Mit Ausnahme der Grünen sehen das auch die anderen Fraktionen so. Meinung

Stadt muss auf der Hut sein

Von SZ-RedakteurPeter Neuheisel Seit Jahrzehnten wird in Homburg über die Umgehungsstraße für die B 423 gesprochen. Genauso lange hat sich nichts getan. Jetzt hat sie Planungsreife, sie ist im vorrangigen Bedarfsplan in Berlin, einer Umsetzung steht kaum noch etwas im Weg. Doch plötzlich wird in Land und Stadt über zwei weitere Großprojekte in Homburg gesprochen, über den Ausbau des bestehenden A 6-Anschlusses und gar eine neue Ostanbindung. Ersteres steht zwar seit geraumer Zeit auf der Wunschliste. Dass nun aber alles gleichzeitig diskutiert und von übergeordneten Stellen und trotz klammer Kassen in Bund und Land vorangetrieben wird, lässt aufhorchen - und macht stutzig.Sollte wirklich so viel Geld für Homburg bereit stehen? Gibt es keine anderen Städte in Deutschland mit Verkehrsproblemen? Oder wird hier drauflos geplant, und am Ende steht - nichts! Es wäre nicht das erste Mal. Die Stadt Homburg muss auf der Hut sein.