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65 Jahre Kirche St. Josef in Jägersburg

Kirchenjubiläum in Jägersburg : Festliche Orgelklänge zum Kirchenfest

Die katholische Kirche St. Josef in Jägersburg wurde vor 65 Jahren neu gebaut, als Ersatz für die aus dem Jahr 1902 stammende Notkirche. 

Seit 65 Jahren haben die Jägersburger Katholiken eine eigene Kirche. Zu diesem Jubiläum konnte in diesen Corona-Zeiten leider keine große Veranstaltung durchgeführt werden. Dafür fand aber am Sonntagnachmittag eine Doppelveranstaltung in St. Josef statt: Zunächst hielt die Leiterin der katholischen Erwachsenenbildung im Saarpfalz-Kreis, Gertrud Fickinger, einen sehr interessanten Vortrag über die katholische Kirchengeschichte Jägersburgs und den Kirchenbau. Danach ließ der renommierte Organist Christian Brembeck eine Stunde lang die Mayer-Orgel erklingen.

Die studierte Theologin Fickinger verlas zu Beginn den Bettelbrief des einstigen Pfarrers Hermann Hillenbrand aus dem November 1952: „Grüße Gott, liebe Freunde Jägersburgs! Auf den ersten Blick werden Sie denken: Eine verdächtige Anrede! Was wird’s wohl wieder sein? Ein Bettelbrief? Ich will Sie nicht länger hinhalten mit der Feststellung: Jawohl, es ist ein Bettelbrief, aber einer, mit dem es eine besondere Bewandtnis hat.“

So geschickt leitete damals der Pfarrer den Wunsch nach einer Spende für den Kirchenbau ein, der letztlich erfolgreich war und zur Fertigstellung von St. Josef im Jahr 1955 führte. Fickinger ging nach dieser Einleitung weit zurück in die Geschichte, bis in die Steinzeit, in der das Gebiet von Jägersburg schon besiedelt gewesen sei. Über den Zuzug der Franken im 6. und 7. Jahrhundert ging es über das Dorf Hattweiler (neuntes Jahrhundert) bis zur kompletten Auslöschung der Siedlung im 30-jährigen Krieg. Im 19. Jahrhundert habe die wachsende Bevölkerung Jägersburgs nach Höchen zum Gottesdienst laufen müssen – eine Stunde Fußweg den Berg hoch – „für die Leute ein unbefriedigender Zustand“, so Fickinger. Der erste Kirchenbauverein gründete sich im Jahr 1890. 1902 wurde die erste Kirche gebaut – ganz bewusst als Notkirche, „da man so vermeiden wollte, nach Waldmohr eingepfarrt zu werden“. Zwei darauf folgende Sammlungen für eine „richtige“ Kirche wurden von Inflation und Zweitem Weltkrieg zunichte gemacht. Im Juni 1953 war es dann endlich so weit, der Spatenstich durch Bischof Isidor Markus Emanuel konnte erfolgen. Ein Jahr später wurde der Grundstein gelegt, im August 1955 wurde St. Josef eingeweiht.

Ergebnis der Pläne der Architekten Albert Boßlet und dessen Neffen Erwin van Aaken war eine Einraumkirche mit schmalen Säulen.

Die Referentin ging dann auf das größte Kunstwerk des Gotteshauses ein, das von August Deppe gestaltete Nordfenster. Im Zentrum des Geschehens steht Josef als Handwerker. Links ist die Vertreibung aus dem Paradies zu sehen. Das Gebilde daneben stelle aber keinen Förderturm dar, wie schon gemutmaßt wurde, sondern eine Jakobsleiter. Auch seien die beiden Figuren über Josef keine Engel, sondern stellten eine Verkündigungsszene dar. Nur bei den drei Figuren auf der rechten Seite war sich Fickinger unsicher. Sie vermutete, dass Deppe damit Jesus und zwei ihm Folgende gemeint hatte. Schade, dass dieses Detail bei so einem relativ modernen Kunstwerk (Deppe starb 2005) unklar ist – Fickinger wüsste gerne mehr darüber, sagte sie im Nachhinein, doch es gebe keine Unterlagen dazu.

Spannend auch, was die Referentin über das große Altarbild zu berichten wusste: Das Gemälde von Lukas Gastl, das Jesus und elf seiner Apostel zeigt, habe ursprünglich nur Silhouetten, keine Gesichter gezeigt. Diese Gestaltung sei aber unter den Gemeindemitgliedern sehr umstritten gewesen, sodass bei der großen Umgestaltung von 1984 Gesichter aufgemalt wurden.

Dem höchst informativen Vortrag lauschten etwa 20 Zuhörer, zum anschließenden Konzert gesellten sich noch mal so viele dazu. Brembeck lobte zu Beginn die 1963 in die Kirche gekommene Mayer-Orgel über alle Maßen: „Das ist ein ganz wunderbares, in sich stimmiges Instrument mit vielen einzelnen Farben, aber auch mit einem mächtigen Gesamtklang. Innerhalb einer Stunde ist es nicht möglich, sie erschöpfend vorzustellen.“ Er habe aber ein entsprechendes Programm zusammengestellt, um „einiges ihrer Schönheit preiszugeben“.

Da hatte er nicht zu viel versprochen. Die Barockmeister Bach und Händel erklangen da ebenso strahlend wie der Romantiker Robert Schumann und die modernen Komponisten Sigfrid Karg-Elert und Klaas Jan Mulder.

Organist Christian Brembeck an der Mayer-Orgel der Jägersburger Josefskirche. Foto: Sebastian Dingler

Brembeck lieferte einmal mehr den Beweis dafür ab, dass er zu den besten Organisten Deutschlands zählt. Mit Kirchenführung und Konzert wurden die Anwesenden kulturell bestens gefüttert. Nur hoffte man nach dem langen Nachmittag in der Kirche, dass sich Brembecks vor dem Konzert geäußerter Wunsch bald erfüllen möge: „Dass diese schreckliche Zeit bald vorbei ist, dass die Kirchen wieder beheizt werden und Sie alle zusammen sitzen können.“