Landrat des Saarpfalz-Kreises Kleiner Kreis statt großer Empfang

Homburg/Bexbach · Landrat Theophil Gallo wird an diesem Montag 65. Doch nach feiern ist ihm eigentlich wegen der Katastrophe in der Ukraine nicht zumute.

 Der Landrat des Saarpfalz-Kreises, Theophil Gallo, blickt auf 65 Lebensjahre zurück.

Der Landrat des Saarpfalz-Kreises, Theophil Gallo, blickt auf 65 Lebensjahre zurück.

Foto: Sandra Brettar/Saarpfalz-Kreis

Anfang Mai konnte Theophil Gallo auf 40 Jahre im Öffentlichen Dienst zurückblicken. Nunmehr steht ein weiteres Jubiläum ins Haus, das er unspektakulär und unaufgeregt begehen möchte. An diesem Montag, 30. Mai, wird der Bexbacher 65 Jahre alt. Es soll ein normaler Tag sein, mit den üblichen Routine-Terminen und mit den ebenfalls üblichen, aber ungeplanten Ereignissen, die das Tagesgeschäft eben mit sich bringt.

„Ich bin dankbar, diesen 65. Geburtstag bei guter Verfassung erleben zu dürfen, sieht man einmal von einigen völlig überflüssigen Kilos ab. Mit Blick auf das, was in der Welt geschieht und was unsere Freundinnen und Freunde in der Ukraine gerade erleben müssen, ist mir nicht sehr nach Feiern zumute. Natürlich freue ich mich, wenn der eine oder andere gute Bekannte oder auch jemand aus der Mitarbeiterschaft zur persönlichen Gratulation vorbeikommt. Ansonsten aber muss es reichen, sich am Abend mit der Familie und im engsten Kreis zu treffen, einen offiziellen Empfang oder etwas Ähnliches soll es nicht geben.“ Und am folgenden Tag geht es auch schon auf eine Dienstreise nach Berlin. „Es ist für mich an dem Tag auch etwas Besonders zu wissen, dass mit der Familie auch alle fünf weiteren Geschwister sich mit mir freuen dürfen.“

Gallo ist seit 1983 verheiratet, Vater zweier erwachsener Kinder und mittlerweile auch stolzer Großvater zweier Enkelinnen. Er kam als sechstes Kind einer Bergmannsfamilie in der Siedlung Grube St. Barbara in Bexbach zur Welt, sie musste 1978 dem Neubau des Kraftwerks weichen. Nach vier Jahren in der Volksschule Bexbach kam 1967 der Wechsel zum damaligen Staatlichen Knabenrealgymnasium in Homburg (heute Saarpfalz-Gymnasium). Nur wenige Wochen nach der Einschulung verstarb seine Mutter, ein Dreivierteljahr vor dem Abitur der Vater des damals 19-Jährigen. Es folgten zwei Jahre Bundeswehr, die er mit dem Status eines Reserveoffiziers verließ, sodann die Ausbildung zum Stadtassistenten bei der Stadtverwaltung in Bexbach und im Anschluss das achtsemestrige Studium der Rechtswissenschaften an der Uni in Saarbrücken. Neben den beiden juristischen Staatsexamina erwarb er 1988 das Hochschuldiplom eines Lizentiaten des Rechts und wurde 1994 aufgrund einer juristischen Dissertation zum Landauer Assisenprozess von 1833 zum Dr. iur. promoviert. Er war 26 Jahre Mitarbeiter bei Juris in Saarbrücken, am Ende auch Geschäftsführer des Instituts für Rechtsinformatik an der Uni in Saarbrücken und parallel 13 Jahre als Rechtsanwalt aktiv. Zum Spektrum der Tätigkeiten gehörten 16 Jahre als Betriebsrat, davon acht Jahre als Vorsitzender.

Politisch gehört er seit 1996 der SPD an, er führte 15 Jahre den Ortsverein Bexbach, gehörte ebenfalls 15 Jahre dem Stadtrat in Bexbach an und war parallel dazu zehn Jahre Mitglied im Kreistag. Er wurde nach der Wahl im Mai 2014 und einem Jahr als 1. Kreisbeigeordneter am 26. Juni 2015 zum Landrat des Saarpfalz-Kreises ernannt. Seit 2018 ist er Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Saar.

Sein Engagement für grenzüberschreitende Partnerschaften, für die Idee des Weimarer Dreiecks und für ein einiges und friedliches Europa in Verbindung mit einem besonderen Engagement auch für die Ukraine wird mittlerweile überregional, wenn nicht sogar europaweit wahrgenommen und anerkannt. Mitte Mai war er offizieller Vertreter des deutschen Landkreistags bei der Konferenz des europäischen Dachverbands der übergemeindlichen Gebietskörperschaften in Europa (CEPLI) in Krakau, an der Vertreter acht europäischer Länder teilnahmen. Gallo wird Anfang Juni bereits zum dritten Mal bei der Hauptversammlung der polnischen Landkreise als einziger deutscher Vertreter reden, in Mikolajki wird er dabei zum zweiten Mal den deutschen Landkreistag offiziell vertreten. Gallo ist Vizepräsident des kommunalen Spitzenverbands der Großregion.