Promotionsfeier am Uniklinikum: 28 Doktoren starten ins Berufsleben

Promotionsfeier am Uniklinikum : 28 Doktoren starten ins Berufsleben

Zweimal im Jahr werden am Uniklinikum Doktorhüte verliehen. Im Sommer ist das Fest besonders beliebt, denn danach geht’s in Urlaub.

 Es ist immer schön, wenn man vor den Sommerferien noch ein Diplom bekommt. Dann spürt man die Erleichterung doppelt. Das galt  nicht nur für die zahlreich durch Homburger spazierenden Schülerinnen und Schüler, die am Freitag   nach der Zeugnisausgabe in die Ferien starteten, sondern auch für die zahlenmäßig deutlich geringer vertretenen Doktoren am Uniklinikum – es waren diesmal insgesamt 28, von denen aber nur 18 zur Verleihung der Doktorhüte in den großen Anatomie-Hörsaal gekommen waren.

Was daran liegt, dass viele  Absolventen schon während der Promotionszeit arbeiten und womöglich schon gar nicht mehr in Homburg wohnen. Übrigens sind  nicht alle Promovierten Mediziner, sondern auch Naturwissenschaftler, die den Titel Dr. rer. nat führen, wie Dekan Professor Michael Menger betonte, der wie immer locker und unter viel Beifall durch den Nachmittag führte.

Das erste Wort hatten die Fachschaftsvertreter aus der Medizin, die ihre beliebtesten Dozenten wählten. Den Ehrenpreis der Lehre erhielt Dr. Kurt Becker aus der Vorklinik (Anatomisches Institut), der  sich über die Ehrung sichtlich freute. Danach gab es den Alumni-Promotionspreis und den mit 10 000 Euro dotierten Funk-Preis vom Verein Herzkrankes Kind.

Nach den Preisverleihungen wurden die anwesenden 18 frisch Promovierten nach vorne gerufen, die  mit der pessimistischen Einschätzung von Professor Menger konfrontiert wurden: „Sie werden jetzt alle hart arbeiten müssen. Der schönste Teil Ihres Lebens ist vorbei.“

So recht glauben wollte das natürlich niemand an diesem Juni-Tag, zumal Menger hinzufügte: „Wir glauben, dass wir mit Ihnen richtig gute Ärzte ausgebildet haben. Sie sollen alle einen guten Job kriegen und viel Geld verdienen.“

Das mit dem Geld meinte er nicht uneigennützig, denn „dann können Sie das Geld, das Sie nicht brauchen, an unser Uniklinikum spenden, damit wir auch weiterhin gute Leute auszeichnen können.“

Der wichtigste Teil des Nachmittags folgte dann: die Verteilung der Doktorhüte und die Glückwünsche an die Doktoren, die den Augenblick zu würdigen wussten. Worüber sich alles einig waren, brachte Teresa Lisa Holländer auf den Punkt: „Man arbeitet jahrelang, hat alle Ergebnisse zusammengetragen und muss dann anfangen zu schreiben.“ Fünf Monate habe sie nichts anderes gemacht als geschrieben, „bis spät abends.“ Professor Menger gab zu, das Gefühl zu kennen: „Man sitzt stundenlang am ersten Satz und hat nach zehn Stunden immer noch nichts auf dem Papier stehen.“ Alle frisch gebackenen Doktoren gaben zu, dass es immer mal wieder Phasen gegeben habe, „an denen man keine Lust mehr hatte und alles hinwerfen wollte“. Die Promotion sei, bei aller wissenschaftlichen Leistung, vor allem auch eine Prüfung in Sachen zähes  Durchhalten.

Zwei promovierte junge Frauen kamen aus Luxemburg, sie hatten sich bewusst für Homburg und nicht für die Medizinische Fakultät in Nancy entschieden, obwohl ihnen beide Möglichkeiten offen gestanden hätten. Beide arbeiten bereits: die eine in Merzig, die andere in Trier.

Erfreulicherweise bleibt tatsächlich fast ein Drittel der jungen Doktoren im Saarland, in Praxen, Krankenhäusern oder am Uniklinikum selbst. Was fürs Saarland erfreulich ist, schließlich kostet ein  Medizinstudium viel Geld, und das Hauptziel der Landesregierung  war von Anfang an,   medizinischen Nachwuchs für den Eigenbedarf im Land auszubilden.

Was bis aufs Jahr 1947 zurückgeht, also bis in die Zeit der französischen Besatzung. Schon damals hatte die französische Verwaltung die Notwendigkeit erkannt, dass das Saarland sich mit Ärzten selbst versorgen müsse, denn die Fakultät in  Nancy konnte es personell nicht stemmen, das Saarland mitzuversorgen.

Einige Doktoren  aus Homburg gehen auch diesmal wieder in  die Schweiz, was der Dekan, der selbst aus der Nähe von Freiburg und damit aus der Nachbarschaft der Schweiz stammt, gerne ironisch kommentiert: „Sie lieben bestimmt  die Berge und fahren gerne Ski.“ Aber wer wollte Dekan Menger, der auch durchaus selbstironisch agiert, ein paar Frotzeleien  übel nehmen?

Und wieder andere Doktoren, die einst von der ZVS eher unfreiwillig nach Homburg geschickt worden waren, treten nach ihrer mehrjährigen Arbeit am Uniklinikum wieder  den Weg in die schwäbische oder norddeutsche Heimat an.

Am Ende waren sich alle einig: Eine Promotion bedeutet nicht nur, dass man wissenschaftlich arbeiten kann, sondern zeugt auch davon, dass man sich bei Rückschlägen nicht entmutigen lässt.  Gestern wussten alle, dass sich die Arbeit gelohnt hatte. > Bericht folgt

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