Parteijubiläum : Die Anfangsjahre in Einöd waren nicht einfach

Vor 100 Jahren gründeten die Sozialdemokraten im heutigen Stadtteil ihren Ortsverein. Jetzt wurde kräftig gefeiert.

Mit einem Festakt feierte der SPD-Ortsverein Einöd-Ingweiler/Schwarzenacker sein 100-jähriges Bestehen in einem großen Festzelt auf dem Dorfplatz. Vorsitzender Pascal Conigliaro freute sich über viele Gäste und Besucher, darunter Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger und Ortsvorsteher Karl Schuberth sowie Eric Gouverneur und Wilfried Bohn, die ebenso die Glückwünsche überbrachten, wie Vertreter von Vereinen und Institutionen aus dem Gemeindebezirk.

Ehrenvorsitzender Otto Stock durchleuchtete in seinem Vortrag die Geschichte des Vereins. Es sei vor über 100 Jahren ein beschwerlicher Weg gewesen, die Sozialdemokratie in Einöd zu etablieren. Aus dem Ortsarchiv wisse man, dass im Jahr 1884 der „Gemeinderat zu Einöd von der Obrigkeit aufgefordert war, zum Vollzug des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie einen zweiten Nachtwächter einzustellen“. Ein zweiter Nachtwächter wurde damals nicht beschäftigt. Die Bürger von Einöd hielt man also von Seiten ihrer kommunalen Vertretung als resistent für sozialdemokratische Gedanken. Bis sich die SPD in Einöd fest etablierte, sollten noch einige Jahren vergehen. Nachdem es bei den Reichtagswahlen 1907 für den sozialdemokratischen Bewerber gerade einmal 16 Stimmen gab, waren es fünf Jahre später schon 42. Am 19. Januar 1919 gewannen die Sozialdemokraten an der Saar bei den einzig freien Wahlen zu einem deutschen Parlament, an denen sie bis 1945 teilnehmen durften, schon 36,6 Prozent der Stimmen. Das Ergebnis dieser Wahl zur Nationalversammlung ermutigte die Sozialdemokraten, ihre Organisation auf- und auszubauen. Die Gründung der Ortsgruppe folgte am 31. März 1919. Als erster Vorsitzender wurde Lehrer Heinrich Eichler gewählt, sein Stellvertreter war Herrmann Hussong. Mit der Machtübernahme der Nazis endete 1935 vorläufig auch die Politikarbeit. Anfang Januar 1935 wurde der Ortsvereins aufgelöst.
Bereits 1946 ein Jahr nach Kriegsende konnte sich die Ortsgruppe der nun genannten SPS in Einöd mit Erlaubnis der Militärregierung wieder neu formieren. 1952 bildete sich eine Gruppe von Deutschen Sozialdemokraten, DSP genannt, zunächst illegal, die sich für den politischen Anschluss der Saar an Deutschland einsetzte. Nach dem Nein zum Saarstatut bei der Wahl am 25. Oktober 1955 folgte der Zusammenschluss von SPS und DSP zur SPD Einöd. 1960 stellte die SPD mit Lehrer Hans Ehrmanntraut aus dem Ortsteil Schwarzenacker den Bürgermeister der Gemeinde.

 Bis 1969 leitete Hermann Brabänder den Ortsverein. In seine Zeit fiel dann auch 1968 die Eingehung einer Koalition mit der Freien Wählergemeinschaft Einöd. Damit war es möglich, mit Theo Greiner wiederum den Bürgermeister der Gemeinde Einöd zu stellen. Greiner war bis zur Auflösung der damals selbstständigen Gemeinde Einöd und ihrem Anschluss an die Stadt Homburg 1974 in dieser Funktion tätig. „Leider ging mit diesem Anschluss auch die kommunalpolitische Selbstbestimmung von Einöd verloren“, bedauerte Stock. Als Vertretung bekam Einöd einen Ortsrat mit wesentlich weniger Rechten als zuvor. Nachdem zunächst ein CDU-Vertreter zum Ortsvorsteher gewählt wurde, schaffte Theo Greiner 1979 ein fulminantes Wahlergebnis. Nach seinem Tod 1987 folgte mit Otto Gravius ein „exzellenter Vertreter als Ortsvorsteher, der mit Leidenschaft und Zähigkeit die Interessen seines Einöds über die Eigeninteressen stellte“. Im September 2000 verstarb Gravius, und Fritz Kaufmann übernahm bis 2004 das Amt. „Mit dessen Nachfolger Karl Schuberth haben wir einen neuen Sozialdemokraten auserwählt, der die Einöder sozialdemokratische Tradtion bis heute weiter wahrt“, erklärte Otto Stock.

In den vergangenen 15 Jahren, so der heutige Vorsitzende Pascal Conigliaro, sei in diesem Homburger Stadtteil viel entstanden – Kindertagesstätten, Schule, freiwillige Ganztagsschule, Dorfplatz und Bürgerhaus, um nur einige Projekte zu nennen, für die sich auch die SPD in Einöd einsetzte. „Unser langjähriges Projekt Umgehungsstraße werden wir weiter angehen.“ Dies gelte unter anderem auch für die Bahn-Reaktivierung Homburg-Zweibrücken.

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