Gleisschubser-Prozess in Zweibrücken: Lokführer sagt aus

Kostenpflichtiger Inhalt: Prozess um versuchten Totschlag am Bahnsteig in Zweibrücken : Gleisschubser-Prozess: Lokführer sagt aus

Die junge, eher zierliche Frau ist in Handschellen in den Sitzungssaal 1 des Zweibrücker Landgerichts geführ worden. Sie setzte sich neben ihren Verteidiger auf die Anklagebank – und bekam sofort feuchte Augen, was sich während der gesamten Verhandlung nicht ändern sollte.

Ein erstes Zeichen für Reue?

Am Montag hat in der Zweiten Strafkammer der Prozess gegen die heute 19-Jährige mit dem Verlesen der Anklageschrift und der Zeugenaussage eines 48-jährigen Lokführers begonnen. Die damals noch 18-Jährige soll am 6. April 2019 eine (damals 19-jährige) Bekannte während einer tätlichen und lautstarken Auseinandersetzung ins Gleisbett des Zweibrücker Hauptbahnhof gestoßen haben – zu einem Zeitpunkt, als planmäßig ein Regionalzug aus Pirmasens auf den Bahnhof zurollte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr deshalb vor der Großen Jugendstrafkammer Körperverletzung und versuchten Totschlag vor – allerdings mit verminderter Schuldfähigkeit. Denn die junge Frau soll zum Tatzeitpunkt angetrunken gewesen sein.

Laut Anklageschrift waren sich die Angeklagte und ihre Bekannte zufällig am Gleis begegnet und in heftigen Streit geraten. Der vermeintliche Auslöser: Die Bekannte soll dem Freund der Angeklagten nach einer feucht-fröhlichen Feier eine E-Mail geschrieben haben, die Angeklagte hätte die Nacht mit anderen Männern verbracht. Der Freund habe dann Schluss gemacht. Das habe die junge Frau derart in Rage gebracht, dass sie ihrer Bekannten auf dem Bahnsteig gedroht haben soll, sie „umzubringen“. Schließlich habe sie die Frau an den Haaren gerissen und ins Gleisbett gestoßen. Nachdem das Opfer wieder auf den Bahnsteig ge­klettert war, wurde es von der Täterin mit Fußtritten traktiert.

Der Triebwagenführer, der am Tattag den einfahrenden Regionalzug gesteuert hatte und der einzige am Montag gehörte Zeuge war, bestätigte das Geschehen. Geistesgegenwärtig habe er den Zug mehr als üblich bei der Einfahrt in einen Bahnhof abgebremst und ein Warnsignal gegeben. Eine Notbremsung sei es aber nicht gewesen, antwortete er auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Michael Schubert. Die beiden Frauen hätten dann im Zug Richtung Saarbrücken weiter heftig gestritten, er habe sie zurechtweisen müssen. Ohne Erfolg. Schließlich soll ein Fahrgast telefonisch die Ordnungshüter alarmiert haben, woraufhin Beamte der Bundespolizei beide Frauen bei einem Halt in St. Ingbert aus dem Zug holten.

Seither sitzt die Angeklagte in Untersuchungshaft. Zum Tatvorwurf schwieg sie am Montag. Ihr Verteidiger kündigte allerdings eine Erklärung seiner Mandantin an, die er in der nächsten Verhandlung verlesen will. Der Prozess wird am Donnerstag, 9.30 Uhr, fortgesetzt.

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