Zwischen Folklore und Highlight

In traditioneller Weise zieht bereits seit 1934 der Bruder-Konrad-Ritt durch die Gersheimer Dörfer. Mit dabei sind viele Reitersleute und weitere Teilnehmer aus dem Bliestal und der Umgebung. Auch ein Planwagen war in diesem Jahr wieder mit von der Partie.

"Ist es eine Folklore-Veranstaltung, ein Highlight, ein Event - oder ist es mehr?" Dies hinterfragte Pfarrer Daniel Schmitt aus Waal im Allgäu in der Diözese Augsburg. Beim Gottesdienst des Bruder-Konrad-Rittes in der Utweiler Ortsmitte gab er zu bedenken, dass es im Leben mehr gebe, als von Event zu Event zu hetzen, Prickelndes zu erleben, daraus den "Saft" für die Woche zu beziehen. Vielmehr gebe es etwas Tragendes, nämlich Gott, der die Welt still und verborgen lenke, das personale Du verkörpere. Auch reflektierte der Gottesmann auf den Kapuzinermönch Konrad von Parzahm, dem Namensgeber des Rittes, der als Pförtner über Jahrzehnte im Kloster Altötting wirkte. 134 Landmaschinen waren zuvor an der Statue des Heiligen Bruder Konrad zum Segnen durch Pfarrer Krystian Scheliga vorbei gezogen. Auch 34 Pferde waren mit ihren Reitern auf dem Weg von Medelsheim, über Peppenkum und Riesweiler in Gersheims kleinstes Dorf gekommen. Auch Kaplan Martin Seither zelebrierte beim Gottesdienst unter freiem Himmel, der vom Gersheimer Musikverein unter der Leitung von Björn Weinmann musikalisch begleitet wurde. Stunden zuvor herrschte im wenige Kilometer entfernten Medelsheim Betriebsamkeit. Der 84-jährige Hans Eiswirth hisste wie schon seit vielen Jahren vor seinem Haus die rot-weiße Fahne. Silke Brombach postierte sich mit ihrem zehnjährigen Wallach Yuma in der Einfahrt neben der Buswartehalle. Seit vier Jahren kommt sie an Pfingstmontag, logiert über das Fest im Utweiler Reppmeier-Hof. Begleitet wird die Dudweilerin von Ehemann Matthias. Er sitzt im Sattel des zehnjährigen Duke, einem schweren Warmblut der Rasse Moritzburger. In ihrer Nachbarschaft machen es sich Sabine und Günter Dreckmann mit ihrer Tochter Nina sowie Patrick Niklos und Christel Kopp in ihrem Anhänger gemütlich. "Ich bin schon seit 32 Jahren dabei", so Günter am Lenkrad seines 1989er Fendt. Er gehört zu den Traktorfreunden Heckendalheim. Hinter ihnen erstrahlt das Schild "Veteranenfreunde Bliestal". Es zeigt, dass auch Menschen der näheren Umgebung ihre Liebe zur Traditionsveranstaltung, die seit 1934 alljährlich tausende Menschen anzieht, nicht verloren haben. In der Sakristei der Pfarrkirche machen sich auch die Messdiener bereit.

Zum 50. Mal mit dabei

Unter ihnen der 14-jährige Moritz Sand, der zum fünften Mal auf dem Priesterwagen mit der Bruder-Klaus-Reliquie, gemeinsam mit seiner Schwester Josefine mitfährt. "Ich bin schon als kleiner Junge mit meinen kleinen Traktor mitgefahren", erinnert sich der Teenager. Schon seit 25 Jahren ist Manfred Berger dabei und freut sich heute noch wie beim ersten Mal, durch die festlich geschmückten Straßen, vorbei an den vielen feiernden Menschen zu fahren. Komplettiert wird die "Messdiener-Mannschaft" von Franziska Zäh. Auch eine Reinheimer Abordnung hat ein Jubiläum zu feiern. Die Brüder Christian und Reinhold Drieß machten sich zum 50. Mal auf den Weg und werden auch von ihren Frauen im Planwagen mit Sofa begleitet. "Es steht in unserem Ehevertrag, dass sie mit uns fahren", meint Christian mit einem Augenzwinkern. Fahrer Hans-Peter Welsch kutschiert sie. Am Ziel angekommen ist die Spitze des Zuges: das Kreuzreiterpaar Christine Maul auf ihrem zwölfjährigen Hannoveraner Luciano und Jakob Frenzel auf dem 19-jährigen Westfalen Pablo. "Das Kreuz hole ich mir jedes Jahr einen Tag vor dem Ritt in der Utweiler Kirche ab und bringe es anschließend wieder dorthin", informierte der gestandene Reitersmann, der wie seine Partnerin der Reitsportgemeinschaft Ormesheim angehört. Das Festzelt, bewirtschaftet vom Löschbezirk der Feuerwehr Peppenkum-Utweiler unter der Führung von Ralf Weinmann, ist voll besetzt, gute Stimmung herrscht dort den ganzen Tag über.