Wenn der Traum vom Fliegen wahr wird

Wenn der Traum vom Fliegen wahr wird

Kurz gehen die Kommandos per Funk zwischen der Seilwinde und dem Startplatz hin und her. Alles okay? Alles okay! Schon beginnt das lange Stahlseil den Gleitschirm-Flugschüler gen Himmel zu ziehen. Der muss kräftig mitlaufen.

Irgendwie ist es ein Geben und Nehmen zwischen Maschine und Mensch. Schnell füllt sich der Schirm mit Luft, der Pilot steigt in die Höhe. "Und immer weiterlaufen", ruft Fluglehrer Michael "Mike" Grau seinem Schüler zu. Das hat Sinn, denn nicht jeder Start führt gleich zu einem Aufstieg. Mitunter geht's noch mal kurz in Richtung Erde. Und dann ist es besser, wenn man noch im Tritt ist. Bei diesem Start, wie eigentlich bei den meisten, klappt alles, über Funk gibt Grau dem Gleitschirmpiloten Anweisungen.

Es ist ein herrlicher Spätsommer-Samstag in Herbitzheim. Dort hat der 1. Para-Ski-Club Saar auf einer Wiese eine seiner beiden Schleppstrecken: Auf der einen Seite eine motorisierte Seilwinde, auf der anderen der Startplatz für die Piloten. Und genau das wollen sie werden, die zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Ausbildungskurses, der im August den Terminplan des Vereins bestimmt: Gleitschirm-Piloten. Doch warum eigentlich? Diese Frage beantwortet Uwe Preukschat, der erste Vorsitzende des Vereins: "Für mich ist das die schönste Art des Fliegens, weil man das kleinstmögliche Fluggerät nutzt und nur mit der Kraft der Sonne, also der Thermik, unterwegs ist."

Euphorisch werde er, erzählt Preukschat, wenn er von dem erzähle, was das Gleitschirmfliegen für ihn ausmache. "Nach einer Landung, wenn der Start gestimmt hat und der Flug gut war, dann kriegt man das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht, die Welt ist rund, die Endorphine schwirren. Es gibt nichts Vergleichbares. Es ist ein sehr großes Glücksgefühl."

Das will an diesem Samstag auch Phil Theis erleben. Er ist mit 15 Jahren der jüngste Teilnehmer des Kurses - aber bei weitem nicht der unerfahrenste. "Seit ich sechs oder sieben Jahre alt bin, fliege ich bei meinem Vater im Tandem mit." Das merkt man, bei einem seiner Schulungsflüge macht er die anderen Flugschüler staunend: perfekter Start, eine große Höhe von 350 Meter und eine Punktlandung in unmittelbarer Nähe der Startpunkts - Phil hat's drauf.

Die Freiheit über den Wolken ist aber auch für Gleitschirm-Piloten eine mit Regeln. Vor dem lautlosen Vergnügen steht eine mehrstufige Ausbildung. Dabei erwerbe der Pilot zuerst den beschränkten Luftfahrerschein mit der Berechtigung, an der Winde zu starten. Danach folge eine Einweisung für den Flug im Bergland ohne Winde. Preukschat: "Dann ist man ausgebildeter Pilot. Es gibt dann noch die Möglichkeit des Erwerbs des unbeschränkten Luftfahrerscheins. Der erlaubt dann auch Streckenflüge über Land." Spricht's, wirft sich in seine Montur und macht das, was Gleitschirm-Piloten am liebsten machen: fliegen!

Infos zum Gleitschirmfliegen gibt es auf der Internetseite des Para-Ski-Clubs Saar unter www.paraski.de .