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Weinlese in Gersheim bei Kaiserwetter

Weinlese in Reinheim : Weinlese im Bliesgau bei Kaiserwetter

Das Ergebnis war auch eine Folge des weniger günstigen Wetters für die Reben: Geerntet wurde im Reinheimer Weinberg ein mittlerer Ertrag, aber von guter Qualität.

Stahlblau spannt sich der Himmel übers Bliestal. Herbstsonne verbreitet eine milde, angenehme Wärme. Dabei kommt man von ganz allein ins Schwitzen, wenn man im Hang hoch über den Reinheimer Ausgrabungen im Weinberg herumkraxelt. Zwei Dutzend Helfer sind hier unterwegs, um die reifen Trauben des Reinheimer Weinbergs zu ernten. Die Reinheimer Weinbaufreunde sind startklar für den kommenden Jahrgang.

Alexander Nagel, der vor fast 25 Jahren den Weinbau im Bliesgau wieder ins Leben rief, ist heute Vorsitzender der Weinbaufreunde. Ein kleiner Verein, der aber einen großen Wein hervorbringt und eine Menge für die Identität der Landschaft an der unteren Blies macht. Alljährlich werden seit gut zwei Jahrzehnten weiße und rote Trauben geerntet. Früher wurden sie getrennt ausgebaut, zu Weißwein und zu Rotwein. Dann kam die Entdeckung, dass eine Cuvée aus Weiß und Rot einen sensationell guten Rotling zutage fördert. Seither bauen die Weinbaufreunde ihre Trauben komplett zu Rotling aus. Dornfelder, Regent, Heunisch und Weißburgunder – das sind die Trauben, die im Wingert der Weinbaufreunde wachsen. Ohne chemische Düngung oder Herbizide. Zwischen den Reben blühen im Sommer die Orchideen. Sorgfältig gepflegte Rebmauern grenzen die einzelnen Etagen des Weinbergs ab. Ein Landschaftsbild, das seit Jahrhunderten die mild geschwungenen Hügel rund um Reinheim bestimmt. Bis vor rund hundert Jahren der Weinbau nach verheerenden Frösten aufgegeben wurde. Alexander Nagel ist zu verdanken, dass er wieder auflebt.

Die zu Ende gehende Weinbausaison dieses Jahres war durchwachsen. Die langen Regenperioden machten dem Weißwein zu schaffen. Pilze hatten gute Chancen, sich auf die Trauben zu setzen. Erstaunlich gut hat der Rote das Wetter weggesteckt. Nagel: „Dornfelder ist gut, Regent ist sogar sehr gut.“

Bei den weißen Traubenklötzen muss immer mal wieder ein Teil weggeschnitten werden, sogar einzelne Trauben werden ausgesondert. „Wenn die Trauben mal anfangen, Essig zu bilden, gehören sie nicht in die Lese. Die Essigbakterien würden sich explosionsartig vermehren und ganz schnell die ganze Ernte verderben“, fürchtet Nagel.

Anfangs bauten die Weinbau-
freunde ihre Weine selbst aus. Das klappte mal besser, mal schlechter. Die professionellen Einrichtungen eines Winzers fehlten, vieles musste improvisiert werden. Dann kam der Kontakt zu Moselwinzer Ralf Steffen zustande. Der hat mittlerweile selbst einen kleinen Weinberg zwischen Reinheim und Gersheim. Dort baut er Sauvignon blanc an, und seit kurzem auch Weißburgunder. Steffen kümmerte sich in den vergangenen Jahren auch um den Ertrag des Wingerts der Weinbaufreunde. Nagel: „Wir haben mit Steffen sehr gute Weine auf den Weg gebracht und sind immer hochzufrieden gewesen.“ Bloß, so recht passen die Kleinmengen aus Reinheim nicht in den Betriebsablauf des großen Steffenhofs. In diesem Jahr deshalb ein neuer Weg beim Ausbau des Weins. Persönliche Kontakte zu den Wein- und Kulturfreunden in Merzig ebneten den Weg zum neuen Winzer der Reinheimer Weinbaufreunde. Die Merziger Weinbaufreunde sind ähnlich strukturiert wie die Reinheimer, sie erzeugen alljährlich ähnliche Mengen. Sie lassen ihren Wein beim Perler Winzer Schmitt-Weber ausbauen. Dorthin wird nun auch der Wein aus Reinheim geliefert.

 Die Mannschaft der Weinbaufreunde, die oberhalb der Ausgrabungen mit der Lese der Trauben beschäftigt war.
Die Mannschaft der Weinbaufreunde, die oberhalb der Ausgrabungen mit der Lese der Trauben beschäftigt war. Foto: Peter Gaschott

Schmitt-Weber gehört zu den renommiertesten saarländischen Weingütern, und die Reinheimer Weinbaufreunde sind sicher, dass ihre Reben in Perl gut aufgehoben sind. Bei Schmitt-Weber jedenfalls war man vom Reinheimer Lesegut begeistert. Die 700 Kilogramm Trauben versprechen, ein guter Wein zu werden.