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Siegfridlinde ist ein Baum mit Historue in Niedergailbach

Siegfridlinde in Niedergailbach : Dieser geschichtsträchtige Baum zieht die Blicke auf sich

Serie „Naturdenkmäler in unserer Region“. Heute: eine außergewöhnliche Linde in Niedergailbach, die vielleicht noch zum Denkmal ernannt wird.

Inspiriert durch unsere Serie über die Naturdenkmäler in unserer Region hat sich unser Lese und Heimathistoriker Otmar Gros an die Redaktion gewandt. Er hat auf einen Baum in seinem Heimatort hingewiesen, der zwar kein Naturdenkmal ist, den er aber dennoch für ein zeitgeschichtliches Denkmal hält. Denn im Ort steht eine Linde, die eine ganz besondere Geschichte hat.

In einer kleinen Seitengasse der Bischof-Weis-Straße nahe dem Ortskern findet man den Baum. Er wurde am 13. Januar 1935, am Tag der ersten Saarabstimmung, gepflanzt und ist damit in diesem Jahr 85 geworden. Für eine Denkmalplakette reicht das nicht, diese besonders geschützten Bäume sind meist weit über 100 Jahre alt. Dennoch hat Gros recherchiert und ein altes Foto gefunden, dass die Niedergailbacher Musikkapelle vor einem Wirtshaus zeigt. Das Bild sei gemacht worden, nachdem man zur Baumpflanzung ein Platzkonzert gespielt habe. Ein Onkel von Bürgermeister Siegfried Wack habe den Baum gepflanzt und habe kurioserweise auch Siegfried Wack geheißen. Diesem Siggi Wack habe der Baum kein Glück gebracht. Es sei im Ort überliefert, dass er als erster Einwohner der Ortschaft im Jahr 1935 bei der Marine ums Leben gekommen ist. „Er wurde in der Nordsee vermisst, man hat ihn nie wieder gesehen“, sagt Gros und hat auch von diesem jungen Mann ein Foto.

„Mit dem Bruder Arthur Wack war ich selbst noch im Chor. Er nannte den Baum immer Siegfriedlinde“, erzählt Groß, der in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Baum wohnt und auch berichten kann, dass die wenige Meter entfernt stehende ebenso prächtige zweite Linde am Ende der Sackgasse ein Ableger der Siegfriedlinde sei, wobei sich der Name nicht unbedingt vom Vornamen des Pflanzenden ableiten müsse. 1935 sei eine sehr aufgeladene Zeit gewesen. Auch die sagenumwobenen Nibelungen könnten Taufpate gewesen sein. Jedenfalls erinnere der Baum noch heute an die Volksabstimmung und den Anschluss des Saargebietes an das Deutsche Reich.

In Niedergailbach, wo die Grenzerfahrung besonders intensiv ist, setzte man mit dem Baum ein Denkmal. Heute ist davon nichts zu sehen, der Baum steht in einem Vorgarten, kein Schild erinnert an den Anlass. „Der Besitzer hat zum 70. ein Gläschen Sekt unter dem Geäst getrunken. Aber auch nur, um dem Baum zu gratulieren“, erzählt Gros.