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Sensenmähkurs im Wittersheimer Haus Lochfeld

Ein altes Handwerk lebt hier wieder auf : Wie es scharf wird? Das muss man erst einmal lernen

Ein Sensen-Mähkurs fand im Wittersheimer Haus Lochfeld statt. Interessierte Damen und Herren nahmen jede Menge Wissen mit nach Hause.

Entspannt sitzt Gerhard Niklas auf seinem Dengelstock, bearbeitet mit gleichmäßig-rhythmischen Schlägen des Dengelhammers die Sense, die auf seinen Knien liegt. Das verfolgen mit Argusaugen 15 Menschen, die sich angemeldet haben, mit dem Mann aus Kirkel-Neuhäusel den Sensen-Praxiskurs zu absolvieren. Veranstaltet wurde er vom Zweckverband „Saar-Blies-Gau/Auf der Lohe“ und dem Saarpfalz-Kreis in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverein Mandelbachtal. „Zwischendrin ist die Sense, und die wird dünn geklopft. Das nennt man kaltes Treiben und bedarf der Vorsicht, damit man nicht an einer Stelle zuviel macht.“ Das hört sich fachmännisch an. Und Niklas weiß, wovon er im Kulturlandschaftszentrum Haus Lochfeld spricht.

Schon seit vielen Jahren ist der inzwischen pensionierte Lehrer im Bund für Umwelt und Naturschutz, dem Naturschutzbund, in seinem Heimatort Kirkel aktiv. Begonnen hat das Sensenmähen, als Ende der 1980er Jahre eine Wiese in Limbach vom Nabu gepflegt wurde. Daraus entstand der erste Sensenkurs. Waren es anfangs zwischen 40 und 50 teilnehmende Personen, zumeist Ältere, kamen mit der Zeit auch viele Jüngere dazu. Der frühere Kleinviehhalter gibt seither sein Wissen weiter, war auch schon einige Male im Haus Lochfeld. Dabei gab er auch Tipps zu Pflegemaßnahmen weiter. Sein großer Wunsch ist es, dass sich viele Menschen für die Artenvielfalt einsetzen und beispielsweise eine Blumenwiese stehen lassen. Auch kleine Flächen seien schon viel wert, so Niklas.

In Wittersheim mit dabei ist auch die Gersheimerin Susanne Weidler. „Ich besitze ein großes Grundstück, bin berufstätig, kann mich somit nur abends um das Gelände kümmern – dann, wenn keine Rasenmäher mehr laufen dürfen“, beschreibt sie gegenüber unserer Zeitung ihre Motivation zum Mitmachen. Gabriele Vangne aus Ormesheim brachte eine verrostete Sense mit, die sie im Keller gefunden hatte. „Das ist ein uraltes Stück, zu dem auch noch eine handgeschmiedete Sichel aus bestem Spezialstahl gehört“, weiß sie zu erzählen. Beide Frauen erleben in rund 90 Minuten, wie der Leiter des Kurses eine Fülle von Tipps, Kniffen und Hilfestellungen zum richtigen Gebrauch der Sense und zum leichten Mähen gibt. Er erläutert und zeigt, wie eine Sense oder Sichel durch Dengeln und Wetzen so geschärft wird, dass mit ihr – etwas Übung vorausgesetzt – einfach, umweltfreundlich und billig eine Wiese gemäht werden kann.

Mit dem Hammer wird das Sensenblatt Schlag für Schlag dünn wie eine Rasierklinge geklopft. „Teng, teng, teng“ – das sei in früheren Zeiten im Dorf ein vertrautes Geräusch gewesen. Es untermalt auch den Lochfeld-Kurs, zu dem viele Teilnehmer ihr eigenes Gerät mitgebracht haben. Gemeinsam mit Niklas gehen sie im Praxisblock auch daran, die Wiese am Hang zu bearbeiten, Halm um Halm zu kürzen. So werden sie mit einer der ältesten Kulturtechniken der Menschheit vertraut gemacht. „Sensenmähen geht genauso schnell wie das Fadenmähen“, so Niklas. Dabei brauche man aber nicht den Krach und den Gestank auszuhalten, müsse keinen Hörschutz tragen. Einzig die Schärfe einer Sense dürfe nicht unterschätzt werden. Vorsicht sei allemal geboten. „Ich komme gut voran und habe viel gelernt. Sensen hat auch etwas Meditatives, macht den Kopf frei“, lautet das Resümee von Susanne Weidler.

Auch Gerhard Niklas zieht ein positives Fazit, spricht von Teilnehmern, die brennend daran interessiert gewesen seien, dass ihre eigene Sense funktioniert. Gerade Anfängerfehler wurden angesprochen. Auch machte Gerhard Niklas die Damen und Herren darauf aufmerksam zu beachten, dass der Hammer beim Dengeln immer im richtigen Winkel, nämlich schräg statt flach von oben auf die Sense aufschlage.

Interessenten können sich gern an Gerhard Niklas wenden. Er wohnt in Kirkel-Neuhäusel in der Kaiserstraße 18a, und ist erreichbar unter der  Telefonnummer (0 68 49) 2 49.