Infrastruktur in Gersheim Schnelles Internet für viele Gersheimer

Gersheim · Die Gemeinde hat einen entsprechenden Vertrag mit dem Unternehmen Deutsche Glasfaser abgeschlossen. 40 Prozent der Haushalte müssen Zwei-Jahresverträge abschließen, damit der „Deal“ zustandekommt.

 Bürgermeister Michael Clivot (rechts) und Pascal Münz, Manager Kommunale Kooperation der Deutsche Glasfaser Wholesale GmbH, beim Vertragsabschluss.

Bürgermeister Michael Clivot (rechts) und Pascal Münz, Manager Kommunale Kooperation der Deutsche Glasfaser Wholesale GmbH, beim Vertragsabschluss.

Foto: Degott/Gemeinde

Schnelles Internet ist für Menschen und Betriebe zu einem wesentlichen Standortfaktor geworden. Um die notwendigen Glasfaser-Infrastrukturen zu verlegen sind sehr hohe Investitionen erforderlich, die die Kommunen selbst nicht tragen können. Nach langen Gesprächen zwischen Bürgermeister Clivot und der Deutschen Glasfaser, beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Gersheim einstimmig, den Kooperationsvertrag der Gemeinde mit dem Unternehmen anzunehmen. Dieser wurde nun offiziell im Rathaus unterzeichnet. Die Deutsche Glasfaser bietet in der Gemeinde eine eigenwirtschaftliche Erschließung mit Glasfaser bis ins Haus an. Ohne Kosten für die Gemeinde und die Bürger.

Die Deutsche Glasfaser und das bereits in der Gemeinde tätige Unternehmen Inexio sind 2020 zur Deutschen Glasfaser Wholesale fusioniert. Anvisiert hat das Unternehmen den Ausbau in den Ortsteilen Gersheim, Walsheim, Reinheim, Niedergailbach, Bliesdalheim, Rubenheim, Herbitzheim, Medelsheim und Peppenkum sowie das Gewerbegebiet in Gersheim.

Nachdem in den letzten Jahren die Firma Inexio aus Saarlouis in den Ortsteilen Walsheim, Reinheim, Niedergailbach, Bliesdalheim, Herbitzheim und Rubenheim sowie die Deutsche Telekom in den Ortsteilen Gersheim und Medelsheim und momentan Seyweiler entsprechende FTTC-Angebote (Fibre-To-The-Curb, Glasfaser bis zum Technikgehäuse, danach Kupferleitung bis ins Gebäude mit bis zu 50 Mbit/s, mit Vectoring mit bis zu 100 Mbit/s je nach Entfernung vom Kabelverzweiger KVZ) ausgebaut hat, ist es aus Sicht der Gemeindeverwaltung an der Zeit, die nächste Stufe des Ausbaus anzugehen um die digitale Infrastruktur in der Gemeinde zukunftsfähig zu machen.

Nicht zuletzt die Pandemie habe Schwächen in der Breitbandversorgung aufgezeigt, aber vor allem der immer größer werdende Bandbreitenbedarf der nächsten Jahre wird mittelfristig nicht mehr durch die aktuelle Infrastruktur abgedeckt werden können. Auch die deutlich größere Anfälligkeit des Kupfernetzes und auch die neue Strategie der Deutschen Telekom, selbst in Neubaugebieten keine Kupferleitungen mehr zu verbauen mache deutlich, dass auch die Gemeinde Gersheim diese Entwicklung nicht verschlafen darf.

Aus diesen Gründen hat sich die Gemeindeverwaltung um einen Ausbau mit FTTH (Fibre-To-The Home, Glasfaser bis ins Gebäude mit bis zu 1 Gbit/s, perspektivisch sogar mehr) bemüht und ist diesbezüglich schon seit über einem Jahr im Gespräch mit dem Breitbandbüro des eGo Saar sowie der Deutschen Glasfaser. Die Glasfaserinvestoren EQT und OMERS gründeten 2020 als Eigentümer die Unternehmensgruppe Deutsche Glasfaser durch einen Zusammenschluss der Netzanbieter Inexio und Deutsche Glasfaser. Mit einem verfügbaren Gesamtinvestitionsvolumen von sieben Milliarden Euro sollen so mittelfristig 6 Millionen Glasfaseranschlüsse deutschlandweit ausgebaut werden. Deutsche Glasfaser ist als FTTH-Anbieter mit den meisten Vertragskunden marktführend in Deutschland und durch den Zusammenschluss letztendlich Betreiber der vorhandenen Inexio Infrastruktur in der Gemeinde.

Die Vorteile des vorliegenden Ausbauangebots liegen aus Sicht der Gemeindeverwaltung nicht zuletzt darin, dass die Maßnahme sowohl für die Gemeinde als auch für die Hausanschlüsse der Hauseigentümerinnen und -eigentümer kostenneutral bleibt. Außerdem erfolgt der Ausbau nach dem Open-Access-Modell. Dabei baut ein Netzbetreiber ein Glasfasernetz in einer Kommune auf und gewährt anderen Diensteanbietern den Zugang zu diesem Netz. Dies geschieht in der Regel nach Ablauf einer gewissen „exklusiven Nutzungsdauer“ durch das Unternehmen, das das Netz aufgebaut hat. Im Falle der Deutschen Glasfaser (DGF) sind es 24 Monate, innerhalb der man als Neukunde an die DGF gebunden ist. Nach Ablauf dieser Zeitspanne können andere Anbieter einen Vertrag mit dem Betreiber des Netzes abschließen, einen gemeinsamen Netz-Übergang schaffen und infolgedessen in dieser Kommune ihre Dienste vertreiben und zur Verfügung stellen. Gerade beim aktuellen FTTC Verfahren war dies ein häufiger Kritikpunkt, da dort eine „exklusiven Nutzungsdauer“ durch das ausbauende Unternehmen bestehen bleibt.

Ausgenommen sind momentan noch Seyweiler und Utweiler. Bei Seyweiler liegt das vorrangig an der Anwesenheit von Kabel Deutschland sowie an einer für Seyweiler ungünstigen Trassenführung und in Utweiler an der Wirtschaftlichkeit. Für Seyweiler wird demnächst zumindest dadurch Abhilfe geschaffen, dass die Deutsche Telekom den FTTC-Ausbau vorantreibt. Für die gesamte Parr und somit auch für Utweiler kann ab dem Frühling 2022 eine stabile LTE 1800-Verbindung mit bis zu 150 MBit/s durch den neuen Mobilfunkmast zwischen Medelsheim und Peppenkum gewährleistet werden. Für beide Ortsteile ist die Gemeindeverwaltung jedoch bereits mit dem Breitbandbüro des eGo Saar bzw. mit der Staatskanzlei für einen geförderten Ausbau im Rahmen der „Graue Flecken“ Initiative der Bundesregierung bis 2023 im Gespräch. Ziel der Gemeindeverwaltung ist jedoch der FFTH-Ausbau in allen elf Ortsteilen.

Der Ausbau in den jeweiligen Ortsteilen der Gemeinde erfolgt allerdings nur dann, wenn 40 Prozent der Haushalte sich bereit erklären, einen kostenfreien Hausanschluss und einen Zweijahresvertrag mit der Deutschen Glasfaser abzuschließen. Um die Bereitschaft zu ermitteln, wird eine Vorvermarktung stattfinden, ähnlich dem Inexio-Ausbau vor sechs Jahren.

 Glasfaser-Leitungen sollen auch in den meisten Ortsteilen Gersheims fürleistungsfähigere Internet-Verbindungen sorgen.

Glasfaser-Leitungen sollen auch in den meisten Ortsteilen Gersheims fürleistungsfähigere Internet-Verbindungen sorgen.

Foto: dpa/Matthias Rietschel

„Damit schaffen wir sehr gute Voraussetzungen für unsere Gemeinde und machen unsere digitale Infrastruktur zukunftssicher. Jetzt sind wir aber alle gefragt, damit das Vorhaben auch umgesetzt werden kann. Der Bandbreitenbedarf wird in den nächsten Jahren erheblich steigen, und nicht zuletzt erhöht ein Glasfaser Hausanschluss den Immobilienwert um bis zu zehn Prozent. Da dieser Anschluss nur jetzt kostenfrei wäre, bietet sich Hauseigentümern eine einmalige Gelegenheit, die womöglich nicht so schnell wiederkommt“, erklärte Bürgermeister Michael Clivot, der bis 2024 eine Internetversorgung mit mindestens 50 MBit/s in allen Ortsteilen, unabhängig über welche Technologie in Aussicht gestellt hatte.

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