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Run auf die Grippeimpfungen beim Landarzt in Gersheim

Run auf die Grippeimpfungen beim Landarzt in Gersheim : 450 Patienten stehen auf der Warteliste

Arztpraxis in Gersheim kommt mit der Grippeschutzimpfung kaum noch nach. Und es gibt Infektsprechstunden.

Die Kassenärztliche Vereinigung Saarland (KVS) teilt mit, dass trotz erneuter Corona-Beschränkungen die saarländischen Arztpraxen geöffnet und sicher sind. Niemand solle auf einen notwendigen Arztbesuch verzichten. 75 Prozent der Praxen hätten ihre organisatorischen Vorsichtsmaßnahmen gegenüber dem Frühjahr 2020 noch weiter ausgebaut. Dies sei das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der KV Saarland unter ihren Mitgliedern. Wir haben uns in einer typischen Landarztpraxis angesehen, was das bedeutet.

Dr. German Becker und seine Kollegen bezeichnen ihre Praxis in der Ortmitte von Gersheim als typische Flächenpraxis mit einem enormen Einzugegebiet über elf Ortsteile der Gemeinde und bis in das französische Grenzgebiet hinein. Um das abdecken zu können, habe man vor der Pandemie in Schichten durchgehend gearbeitet und Sprechstunden von 7 Uhr am Morgen bis in den frühen Abend angeboten. Durch Corona habe sich das ganz wesentlich verändert. So habe man jetzt über Mittag zwei Stunden geschlossen. In dieser Zeit werde die komplette Praxis desinfiziert.

Für Infektpatienten habe man besondere Sprechstunden-Zeiten vorgesehen: „Menschen mit Erkältungssymptomen sollen uns bitte anrufen und mit festem Termin innerhalb dreier angebotener Zeitfenster kommen. Wir bearbeiten diese Fälle zeitlich und räumlich getrennt, um Ansteckungen zu vermeiden“, sagt Becker und bemängelt eine fehlende Disziplin, sich an diese Empfehlung zu halten. „Auch hier gibt es Leute, die das nicht ernst nehmen, wobei wir ganz klar sehen, dass man Covid-19 ernst nehmen muss. In den letzten zehn Tagen hatten wir in unserer Praxis neun positive Fälle und im Patientenkreis sehen wir völlig unauffällige Zufallsbefunde ebenso wie Patienten, die auf der Intensivstation um ihr Leben kämpfen“, sagt Becker.

Große Sorgen machen ihm chronisch kranke Menschen und Krebspatienten, die ihre Untersuchungsintervalle nicht einhalten. Die müsse man geradezu überreden, in die Praxis zu kommen. „Da haben wir im Frühjahr auch zwei Infarkpatienten verloren, die ebenfalls zu spät kamen und daran letztlich gestorben sind. Aber wir sehen auch Bagatellverletzungen, die sich entzünden, weil man die Erstbehandlung nicht in Angriff nimmt“, so Becker.

Insgesamt seien aktuell zehn Prozent weniger Patienten da als im Vorjahr, darunter aber gerade die, die eine Behandlung am dringensten brauchen würden. Der Mediziner appelliert an diese Gruppe, den Weg in die Praxis nicht zu scheuen.

Das unterstreicht auch die Kassenärztliche Vereinigung: Dr. Joachim Meiser vom KVS-Vorstand: „Aufgrund der ähnlichen Symptome einer Grippe beziehungsweise Erkältung und einer SARS-CoV-2-Infektion stehen die saarländischen Arztpraxen vor besonderen Herausforderungen. Wesentliche Elemente zum Schutz der Bevölkerung sind Infektsprechstunden.“ In Gersheim und in vielen anderen Praxen werde so verfahren. „So kommen ,normale’ Patienten, die beispielsweise wegen Kontrolluntersuchungen die Arztpraxen aufsuchen, gar nicht erst in Kontakt mit Infektpatienten. Dabei sind die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte auch auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Alle Patienten mit Infekten sollten sich telefonisch voranmelden und Termine vereinbaren, damit eine Vorabklärung des Beratungsanlasses und Zuordnung zur jeweiligen Sprechstunde möglich ist. So können Arztpraxen und Patienten gemeinsam dazu beitragen, dass die saarländische Bevölkerung auch in der kalten Jahreszeit weiter gut durch die Corona-Pandemie kommt.“

Die Grippe-Saison stehe gerade am Anfang, sagt German Becker. Derzeit habe er enorme Nachfrage nach Impfungen, die er allerdings nicht befriedigen könne. 450 Patienten stünden auf der Warteliste für eine Grippeschutzimpfung. Er habe aber die Risikogruppen favorisiert und durchgeimpft.