1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Gersheim

Malgruppe PiTToResCo stellt in Gersheim aus

Rathausgalerie Gersheim : „Farbenspiele“ hinter noch verschlossenen Türen

Eine Ausstellung der Rohrbacher Malgruppe PiTToResCo hängt auf den Gängen des derzeit nicht zugänglichen Rathauses in Gersheim.

„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele,“ mit diesem Satz des bekannten spanischen Malers, Grafikers und Bildhauers Pablo Picasso beendete die St. Ingberter Kunsthistorikerin Brigitte Quack die Vernissage in der Galerie des Gersheimer Rathauses. Nachdem Bürgermeister Michael Clivot sich über die vielfältige und farbenreiche Zusammenstellung der 59 Bilder in den Fluren des Verwaltungsgebäudes gefreut hatte, eröffnete Quack vor einigen Wochen mit ihrer Laudatio die Ausstellung „Farbenspiele“ der Malgruppe PiTToResCo.

Darin vereinen sich sieben Frauen, die sich seit 16 Jahren einmal wöchentlich in Rohrbach treffen, um sich getreu ihrem Namen, der aus dem italienischen übersetzt so viel heißt wie malerisch, mit großer Vielfalt ihrem Hobby zu widmen. Eine der Gründerinnen ist die Hasselerin Ursula Kessler, unter deren sieben Werken sich auch drei Collagen befinden. Darin setzt sie unter anderem sehr kontrastreich frei schwingende Schriftzeichen und Farbtupfer gegen geometrische Bild-Elemente. Sie lässt sich in ihrer experimentellen Arbeitsweise nicht auf einen bestimmten Malstil festlegen, ist in verschiedenen künstlerischen Techniken zuhause und zeigt vor allem prächtige Farben.

Swana Mozgovoy aus Dudweiler besticht durch Naturimpressionen, in der sie ihre Gemälde in vielen Farbschichten aufbaut und vielfach den Komplementärkontrast zwischen blau und orange aufblitzen lässt, in ihrer Hommage an die Farbe, wunderbare Strahlkraft erzeugt. Spontan geht Liesel Brüll-Eggenberger ans Werk. In ihren abstrakten Werken in Mischtechniken mit Acryl, Kreide und Tusche auf Leinwand und Papier gestaltet die Kirkelerin mit ihren Schaffensergebnissen Teile der Flure und das Treppenhaus in Gersheim. Im gestischen Schwung ist der dynamische Malakt stets präsent, wirkt als Bewegungsspur im Bild.

Hiltrud Schmidt-Paßmann aus St. Ingbert verbindet sensible, feinfühlig kalkulierte Linien mit dramatischer Farbgestaltung und dynamisiert sie in ihren Werken. Sie bleibt jedoch stets im Vagen, deutet lediglich an und lässt dem Betrachter freien Raum für Interpretationen. Die abstrahierten Gemälde der Gersheimerin Gudrun Anna, die die Ausstellung in ihrer Heimat initiiert hat, zeigen sich farbenfroh und unterstreichen ihre Experimentierfreudigkeit. Die Künstlerin integriert gerne unterschiedliche Materialien, beispielsweise Marmormehl, um die Bilderwelt zu strukturieren und Oberflächen haptischer und damit präsenter zu gestalten.

Bei den herrlichen Blumenbildern von Sigrid Lambrecht stand die Natur Pate. In herrlichen Farben schwelgen die ungewöhnlichen Perspektiven der St. Ingberterin. Mal sind es florale Formen und ganz klar als solche zu erkennen, mal sind sie nur vage angedeutet und integriert in bunt bewegtes Ganzes. Expressiv gestaltet Gisela Heintz aus St. Ingbert ihre Gemälde. Sie erinnert im Ausdruck und durch die Verwendung greller Farben an die Malerei der „neuen Wilde“ der 1980er Jahre. Damals traten Künstler in Deutschland und Österreich mit einer subjektiven, unbekümmerten und lebensbejahenden Malerei an die Öffentlichkeit. Bei genauerer Betrachtung springen kleine Spiegelsteinchen ins Auge, die darauf lenken, dass Heintz die Mosaikkunst beherrscht, in der sie auch Kurse bei verschiedenen Volkshoch- und Grundschulen in St. Ingbert und Mandelbachtal leitet. Sie geht eher analytisch ans Werk, zerlegt Bilder in farbige rhythmisierende Farbflächen und -tupfer, setzt sich auf eigene individuelle Weise mit den bildnerischen Problemen auseinander.

Dahinter stehen wie bei allen Gruppenmitgliedern die Grundfragen der Malerei, die um Komposition, Gestaltung, Raum und Farbe kreisen. Alle sieben Künstlerinnen haben dazu ihre eigenen Antworten gefunden und sichtlich große Freude beim weiteren Suchen nach alternativen Möglichkeiten. Sie wollen ihre Empfindungen bildnerisch ausdrücken. Denn gerade die persönliche, zeichnerische und malerische Interpretation der Umsetzung des Gesehenen ist es, was die zeitgenössische Malerei auszeichnet. Das ist es, was nur ein Künstler und kein noch so guter Fotoapparat leisten kann.

Die Ausstellung „Farbenspiele“ der Malgruppe PiTTorResCo im Gersheimer Rathaus sollte bis zum 30. April gezeigt werden. Wann das Rathaus wieder öffnet und ob die Ausstellung verlängert wird, ist noch unklar. Infos gibt es bei Gudrun Anna, Tel. (06843) 82 21.