Leserbrief zum Thema Abschiebungspraxis

Leserbrief zum Thema Abschiebungspraxis

Gelungene Integration interessiert niemanden

Zu "Abschiebung demotiviert Helfer" vom 31. Dezember:

Nachdem Frau Merkel mit einem "Wir schaffen das" aus humanitären Erwägungen die Türen geöffnet und annähernd eine Million Menschen in unser Land kamen, wird jetzt vermehrt abgeschoben. Auch ich beklage in Gersheim in einzelnen Fällen die Abschiebepraxis. Insofern ist dies also kein Einzelfall. Nach meiner Wahrnehmung interessiert es schlichtweg niemanden, ob bereits eine gelungene Integration stattgefunden hat. Die Ehrenamtlichen haben in die Integrationsarbeit mit vielfältigen Angeboten viel Herzblut investiert. Die Politik hat es uns dabei nie einfach gemacht. Als ich vor ein paar Tagen bei der Koordinationsstelle für Flüchtlingshilfe im Sozialministerium anrief, um mich in einem aktuellen Fall nach der derzeit geltenden Rechtslage zu erkundigen, ein weiterer Schlag gegen das ehrenamtliche Engagement. Die nette Dame am Telefon teilte mir sinngemäß mit, dass sie zu Rechtsfragen keine Auskünfte mehr erteilen dürfe, da es immer wieder zu widersprüchlichen Aussagen komme. Es scheint, dass selbst diejenigen, die es wissen müssten, mit der offenbar kurzlebigen Gesetzeslage beziehungsweise scheinbar willkürlichen Handhabung überfordert sind. Auf Anfragen bei vier Behördenstellen bekam ich vier verschiedene Auskünfte. Erst bei meinem fünften Versuch bekam ich eine verbindliche Auskunft, diesmal von einem kompetenten Rechtsanwalt. Auch zum Familiennachzug gäbe es etwas zu sagen. Die Eltern eines Minderjährigen mussten vier weitere Minderjährige bei Verwandten im Irak zurück lassen, weil den Kindern kein Visum erteilt wurde. Wäre nur ein Elternteil eingereist, wäre das nur kurzfristige Einreisevisum eines der beiden verfallen. Deutlicher kann man die Absicht, den Familiennachzug zu erschweren, nicht machen.

Heinz-Leo Laturell, Gersheim