Leichtigkeit des Seins beim Bossanova

Reinheim. "Héctor hat für sie extra neue Saiten aufgezogen", flachste Raymond Meisters am Sonntagmittag über seinen Mitmusiker. Héctor Zamora, der populäre Altmeister in Sachen lateinamerikanischer Musik, nahm bei der dritten Matinee im Europäischen Kulturpark Bliesbrück-Reinheim den Gag sofort auf und griff lachend noch tiefer in die Gitarrensaiten als ohnehin schon

Reinheim. "Héctor hat für sie extra neue Saiten aufgezogen", flachste Raymond Meisters am Sonntagmittag über seinen Mitmusiker. Héctor Zamora, der populäre Altmeister in Sachen lateinamerikanischer Musik, nahm bei der dritten Matinee im Europäischen Kulturpark Bliesbrück-Reinheim den Gag sofort auf und griff lachend noch tiefer in die Gitarrensaiten als ohnehin schon.Schließlich galt es, das Publikum, das sowohl das Zelt an der römischen Villa, als auch davor bevölkert hatte, mitzunehmen. Mitzunehmen auf eine musikalische Reise in ferne Länder mit einem ganz speziellen Charme. Zamora (Gitarre, Gesang) und Meisters (Akkordeon, Saxofon) schafften dies auf Anhieb und hielten dies fast zwei Stunden problemlos durch. Die Rahmenbedingungen an diesem Sonntag hatten es ihnen auch ein wenig erleichtert: Kein wechselhaftes Wetter mehr wie am Vortag, angenehme Temperaturen und kaum Wolken.Und dann natürlich wie immer die besondere südliche Atmosphäre im Park. Man konnte sich mitreißen lassen und musste gar nichts dafür tun, außer offen zu sein. Offen für individuelle Interpretationen mehr als ausdrucksvoller Musikstile vom Bossanova bis zur Valse Musette. Das Dúo Aquarella, so der Name der Kombination aus Zamora und Meister, widmete sich jedoch nicht nur den Ländern Lateinamerikas. Auch den Bogen über die Grenze nach Frankreich schlugen sie durch zahlreiche Musetten. "Sommerlebenslust pur" zeigte sich bei den Besuchern aber am meisten bei Titeln, die in Peru, Brasilien, Mexiko oder Kuba zu Hause sind. Eine hinsichtlich des Alters gemischte Besucherstruktur wippte meist gleich mit, erkannte zahlreiche Melodien und hatte dabei keine Scheu mitzusummen. Insbesondere bei Zamoras instrumentalen Titeln kam so mancher ins Träumen. Fast hatte man bei den Tangos aus Argentinien oder den Liedern aus Venezuela den Eindruck, dass der ein oder andere sich nur mit Mühe auf den Sitzbänken halten konnte.Zurück nach Mexiko, in die Heimat Héctor Zamoras. "Maria Helena" fiel vor allem durch das ganz besondere Fingerpicking des Altmeisters auf, welches, "garniert mit zarten Akkordeoneinflüssen von Raymond Meister an samtweichen Gesang" von Zamora, besonders gut ankam. Und wieder zurück nach Venezuela, wo so mancher Titel, gekonnt flott vorgetragen vom Duo, umgehend mitgeklatscht wurde und den Applaus weiter steigerte. "El Cóndor Pasa" instrumental präsentiert und traumhaft vorgetragen: Die Leichtigkeit des Seins war dank Südamerika-Feelings an diesem Sonntagmittag in der heißen Sonne der saarländischen Toscana spürbar. "Guantanamera", der Ohrwurm kubanischer Musik, ließ zum Abschluss die Stimmen der beiden Sänger durch den Park hallen, ehe "Tequila" die Matinee beendete.Nicht ohne Zugaben, die einen Besucher so sehr mitrissen, dass er vor der Bühne voller Begeisterung allein tanzte.

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