Kulturpark fest in Römerhand

Wer am Wochenende in der Regionen einem Römer über den Weg gelaufen ist und nicht wusste, woher die Gestalt kam, hat nun die Antwort: Im Europäischen Kulturpark in Reinheim-Bliesbruck fand das große antike Spektakel statt, bei dem auch die Kelten ein gehöriges Wörtchen mitzureden hatten.

Trotz Wetterkapriolen fanden viele Besucher am Wochenende den Weg in den Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Sowohl Kelten-, als auch Römergruppen gaben sich dort ein Stelldichein. Alltagsleben der Soldaten, der Menschen, aber auch Vorführungen handwerklicher, künstlerischer und militaristischer Art wechselten sich ab, spiegelten Abläufe, wie sie sich wohl auch in unseren Breiten zwischen dem vierten vor- bis zum ersten nachchristlichen Jahrhundert abgespielt haben könnten. Nannte es sich auf deutscher Seite antikes Spektakel und fand zum dritten Mal statt, firmierte es auf französischem Boden unter dem bekannten Titel Vita Romana. "Sag mir, wie die Menschen Feuer machen", fragte Bruder Lui den kleinen Mogli im Dschungelbuch.
Feuersteine und Zunderfels

Gladiatorenkämpfe, Wagenrennen und Einblicke in das Lagerleben der römische Legionäre bot das Antiken-Spektakel am Wochenende im Kulturpark. Fotos: Leserreporter Reimund Lux (2)/Wolfgang Degott

Nahe der Taverne zeigte Hermann Klinkhammer von der Lego XXI Rapax wie unter dem Oberbegriff Feuersteine der Zunderfels oder Rohrkolbenzunder teilweise schneller Flammen bringenden Zunder verursachten als ein Streichholz und bot dazu sogar einen Workshop an. Zur Gruppe, die sich einer Legion, die am Niederrhein zwischen Xanten und Bonn beheimatet war und wohl im ersten Jahrhundert nach vielen Verlusten in Rumänien aufgelöst worden war, gehörten auch zwei Reiter. Sie zeigten, wie Angriffe abgewehrt werden können. Einige Meter weiter lagen in friedlicher Eintracht die Lager der vor fünf Jahren gegründeten Gruppe Custos Armorum Germania Superior und der Legio Prima Germanica, der römische Legion zum Anfassen, die erstmals bei einer Veranstaltung in Reinheim dabei war. Während die erste, besehend aus Siegmund und Patrick Klotsche, Vater und Sohn aus Wallhalben, eine römisch-germanische Waffenkammer aus dem Zeitraum Republik bis späte Antike zeigte, offenbarte die Zweite römisches Militär zur Zeit Jesu Geburt. Gemeinsam kosteten sie eine römische Speise, bestehend aus Speck, Zwiebeln, Knoblauch, Pfeffer und Salz. "Das nennt sich Puls und war die Mahlzeit eines jeden Legionärs", wusste Stephan Boß zu berichten. Nachzulesen ist das Rezept im berühmten römischen Kochbuch des Marcus Gavius Apicius. "Wir freuen uns, dass die neue Konzeption ankommt", so Stefan Munz von der Kulturparksverwaltung. Auch gehörten viele Gruppen, wie die keltische Treveromagos, die keltisches Handwerk und Kochkünste zeigten oder die Luiti Namolos, bei dem römischen Alltagsleben sichtbar wurde, seit Jahren zu den Stammgruppen. Er wies darauf hin, dass früher mit der Vita Romana und Keltenfest zwei verschiedene Veranstaltungen stattgefunden hatten. Jetzt biete die Kombination bessere Möglichkeiten im weitläufigen Parkgelände. Im Keltendorf, das auch das ganze Jahr über zu sehen ist, belebten Schmieden, eine keltische Küche, die Häuschen. Aber auch beim Weben, drechseln, spinnen, färben, Metall gießen konnten die Besucher zusehen oder auch selbst ausprobieren. Daneben waren Bogenbau, Lederverarbeitung und Glasperlenherstellung in der Angebotspalette. Zum Mitmachen animierte die archäologische Schatzkiste, das Perlenketten binden, Wildschweinschießen oder die keltische Körperbemalung. Im Museum konnte sogar eine keltische Pfostenschlitzmauer mitgebaut werden. Römisch dominant war das Animationsgelände im Schatten der Bliesbrucker Thermenanlage. Wie schon seit vielen Jahren zogen die Wagenrennen oder auch die Gladiatorenkämpfe viele Besucher in ihren Bann.