Vielfältige Erdknollen : „Linda“ siegte knapp vor „Allians“

Der Obst- und Gartenbauverein Gersheim richtete im Kulturhaus ein Kartoffel-Testessen aus.

Sie tragen klangvolle Namen wie Linda, Annabelle, Melody oder Sissi. Gesund und nahrhaft sind sie alle, und was ihre Verwendung in der Küche angeht, sind keine Grenzen gesetzt. Vor einigen Tagen trafen sich im mit viel Liebe zum Detail dekorierten Kulturhaus im Gersheim wieder Menschen, um Kartoffeln zu testen. Das Interesse ist auch im mittlerweile vierzehnten Jahr der Veranstaltung ungebrochen. Über 70 Gäste aus dem ganzen Umkreis waren gekommen, um zu fühlen, sehen, riechen, schmecken und probieren. Die größte Gruppe mit 17 Gästen kam vom Obst- und Gartenbauverein Oberwürzbach, ein erst im letzten Jahr gegründeter Verein, der bereits eine beachtliche Zahl von 130 Mitgliedern nennen kann. „Weltweit gibt es mehr als 4000 Kartoffelsorten“, erklärte der Vorsitzende des ausrichtenden Obst- und Gartenbauvereins Gersheim, Norbert Bruckart, bei seiner Begrüßung. „Deutschland ist in der EU der größte Kartoffelproduzent und steht weltweit an sechster Stelle.“

Im Saarland ist die große Beliebtheit der „Grumbeere“ schon legendär.“ Das zeigt sich auch an den saarländischen „Nationalgerichten“ wie „Dibbelabbes“ oder „Gefillte“. Aber welche Kartoffelsorte schmeckt am Besten, welche lässt sich für welches Mahl verwenden? An diesem Abend hatten die Gäste über sieben Sorten ihr Urteil abzugeben. Kein leichtes Unterfangen, schließlich sind die Geschmäcker verschieden und Kartoffel ist lange nicht gleich Kartoffel. Ein Beurteilungsbogen mit Eigenschaftsmerkmalen wie Knollenform, Augentiefe, Schalenbeschaffenheit, Fleischfarbe und Geschmack lag an jedem Platz bereit und machte die schwierige Aufgabe der Blindverkostung etwas leichter. Eine frisch gekochte Kartoffel nach der anderen kam dampfend und anonym aus der Küche des Kulturhauses auf den Teller. Sind sie gut zu pellen? Wie ist die Farbe, wie die Konsistenz? Und wie schmecken sie? Selbst die gleiche Kartoffelsorte vom gleichen Landwirt kann, wenn sie auf verschiedenen Böden angebaut wurde, unterschiedlich schmecken. „Die Geschmäcker sind verschieden“, ist wohl der am häufigsten zu hörende Satz des Abends. Wo die Einen Bestnoten verteilen, schneidet die gleiche Knolle beim Gegenüber deutlich schlechter ab. Die eine schält sich fast von selbst, bei der anderen muss man doch ganz schön „fuddeln“ und die Augen herauspuhlen.

Die Testesser nehmen ihre Sache ernst. Da wird begutachtet, geschnuppert und jeder Bissen im Mund hin und her geführt, bevor man sein kritisches Urteil in Form einer Note von 1 bis 10 auf den Bewertungsbogen einträgt. Klaus Belzer und Tanja Fath sind aus Kirrberg gekommen. Während Belzer bereits zum sechsten Mal dabei ist, ist es für die junge Frau eine Premiere. Sie ist clever und legt sich von jeder Sorte ein Stückchen auf dem Teller zurück. „Dann kann ich später besser vergleichen und das Ergebnis nachvollziehen“ sagt sie schmunzelnd.

Kreisvorsitzender Frank John, der durch den Abend führte, berichtete zu der Kartoffel im Allgemeinen, aber auch zu den vorgestellten Sorten des Abends viel Wissenswertes und Interessantes. Die Protagonisten selbst kamen natürlich aus der Region und waren von den Kartoffelbauern Franz Weber und Alexander Vogelgesang kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Bevor die Bewertungsbögen ausgewertet und Ergebnisse verkündet wurden, konnten sich die Teilnehmer beim Buffet davon überzeugen, wie vielfältig auch die Zubereitungsmöglichkeiten von Kartoffeln sind. Da gab es unter anderem herzhafte Waffeln und Quiche aber auch köstlich süße Torten, Plätzchen und Kuchen, alle unter Verwendung von Kartoffeln. Die ausgelegten Rezepte waren schnell vergriffen. Am Ende des Abends wurde „Linda“ mit insgesamt 2591 Punkten knapp vor „Allians“ mit 2548 Punkten und „Melody“ mit 2431 Punkten zur leckersten Kartoffel des Abends gekürt.

Weitere Infos gibt es beim Vorsitzenden Norbert Bruckart, Tel. (06843) 15 39, oder (0171) 378 37 89, E-Mail: norbertbruckart@bruckart.de.

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