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Samhain im Kulturpark: Im Fackelzug zum Grabhügel gewandert

Samhain im Kulturpark : Im Fackelzug zum Grabhügel gewandert

Eine besondere Stimmung lag über dem Samhain, dem keltischen Neujahrsfest, das im Europäischen Kulturpark  gefeiert wurde.

„Wer hier hinkommt, will es und das merkt man. Ich war erstaunt, wie weit draußen der Kulturpark liegt“, meinte Helmut Fischer am Samstagabend. Wenn die Keltengruppe Riusiava aus der Nähe von Metzingen mit ihren Aktionen auf Tour geht, ist es nicht selbstverständlich, dass Besucher eine weite Anfahrt auf sich nehmen. Das erklärte Fischer beim Samhain, dem keltischen Neujahrsfest, das im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim stattfand, im Gespräch mit der SZ. Er spielt die Rolle des Kriegers „Phelan“. Doch der Mann von der Keltengruppe am Heidengraben hatte an diesem Abend noch eine andere Funktion. Er gilt auch als der „Met-Zauberer“. Für das leckere Getränk ist er recht bekannt. Der Haken: Das sprach sich schnell herum und so kam es, dass der Met schon vor Einbruch der Dunkelheit ausverkauft war.

Das kann aber auch an Helmut Fischers Geheimrezept gelegen haben. Es basiert auf Funden des Keltengrabes Hechdorf. Ein außergewöhnlicher Bestandteil ist die wilde Karotte sowie „einige geheime Zutaten“. „Ein Drama. Der Met ist alle“, meinte ein Erwachsener, der sich auf das Getränk gefreut hatte und dann auf etwas anderes ausweichen musste, voller Entsetzen.

Es herrschte ein mehr als eisiger Wind an diesem Abend. Dafür gab es bei Einbruch der Dunkelheit überall Schwedenfeuer. „Puh, ich rieche wie gegrillt“; meinte ein Kleinkind zu seiner Mutter. Dagegen sorgten die Lichter im Park für eine ganz besondere Atmosphäre. Andere nahmen am Abend an der Fackelwanderung teil, die am Fürstinnengrab startete und in Richtung Tor nahe der Landesgrenze ging. Dort nahm der Druide Ascan die Menschen in Empfang. Er beeindruckte alleine wegen des Zaubers, der Magie seiner Ausstrahlung sowie seiner Größe in seinem auffälligen, weißen Gewand. Und die in einer Reihe angeordneten Lichter hatten etwas von einer Landebahn, wie ein Junge ganz passend bemerkte.

Dem Anspruch, die Parkkulisse mystisch in Szene zu setzen, wurde man mehr als gerecht. Manche stärkten sich mit Lammgulasch. Das hatte zwar einen speziellen Eigengeruch und erinnerte vom Aussehen eher an Linsensuppe, schmeckte aber. Bereits am Nachmittag hatte man für die Kinder ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt. Wer wollte, konnte eine Rummel schnitzen und mit ihr an der Prämierung unter dem Titel „1. Reinheimer Rummel Contest“ teilnehmen. Andere gestalteten Fibeln aus Fimo, zogen Kerzen oder bastelten Lederbeutel. Auch das war möglich: Die Fackel völlig nach seinen eigenen Vorstellungen anzufertigen und sie dann gleich beim Fackelzug einzusetzen.

Später wurde auf einem der Grabhügel eine Strohpuppe verbrannt. Die Keltengruppe Riusiava hatte den ganzen Tag über am Fürstinnengraf ihr Lager aufgeschlagen. Dort gab es beispielsweise eine Waffenschau und Kampfvorführungen zu sehen. Handwerkskunst aus der Keltenzeit wie Webkunst und Drechseln war nicht nur für Kinder interessant. Andrea Häussler gab einen Blick in die Welt der Kelten und in die Bedeutung von Samhain. Eine Musikergruppe umrahmte den Abend mit traditionellem irischem Liedgut.