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Historisches Soldatengrab in Medelsheim

Historisches Soldatengrab : Vor 150 Jahren verstarb der Gefreite Schulz

Am 7. August 1870, also vor fast genau 150 Jahren, verstarb in Medelsheim der Soldat Wilhelm Schulz. Er war als Gefreiter der leichten Eskadron des königlich preußischen Magdeburger Husarenregimentes 10 zwei Tage zuvor bei einem Aufklärungseinsatz schwer verletzt worden.

Mündlich überliefert ist, dass ihn bei einem Patrouillenritt in Medelsheim in der Gewanne „Eckingen“, etwa 600 Meter vor der deutsch-französischen Grenze, eine aus dem höher gelegenen Bereich „Baumbusch“ abgefeuerte feindliche Kugel in der Brust getroffen hatte. Danach wurde er ins Medelsheimer Gasthaus „Zeh Petersch“ gebracht, wo ein Feldlazarett eingerichtet war.

Einen Tag später wurde er ins Haus des Medelsheimer Glasers Simon Vongnechten, in dem sich das Quartier des Gefreiten befand, verlegt. Dort ist er in den frühen Morgenstunden verstorben. So beschreibt es Medelsheims früherer Ortsvorsteher Rainer Lagall in seinem Bericht in der Zeitschrift Saarpfalz (Ausgabe 2012/1).

Schulz, der nur 26 Jahre alt wurde, aus Mechau im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt, etwa 630 Kilometer von der Parr entfernt, stammte, ist in der Parr nicht vergessen worden. Lagall berichtete weiter, dass auf Initiative des Ortsrates Medelsheim-Seyweiler 1984 die Grabstelle des Gefallenen im Schatten der alten Kreuzkapelle auf dem Medelsheimer Friedhof durch die Niederwürzbacher Firma Gerd Abel neu gestaltet worden sei.

Der Text auf der Schrifttafel des Kreuzes wurde dabei von der noch auf dem Grab aufliegenden Platte übernommen. Sie hatte die Gemeinde Medelsheim unter Bürgermeister Eduard Vogelgesang in den 1950er Jahren auflegen lassen. Erfreulich sei, dass sich immer wieder Frauen bereitfänden, das Grab ehrenamtlich zu pflegen.

Neben den zahlreichen Kriegsgräbern auf den älteren Friedhöfen der Stadt Saarbrücken ist das Medelsheimer Soldatengrab wohl noch das einzige erhaltene Grab im östlichen Saarland aus dem damaligen Krieg. Wie erlebten die Bewohner des Bliesgaus in unmittelbarer Grenznähe den vor 150 Jahren begonnen deutsch-französischen Krieg? Dazu hat Joachim Motsch im Heimatbuch „Meltis oder Medelsheim. Die Parr, Wege und Stationen in der Geschichte: Von 1815 bis zur Gegenwart“ einige Ausführungen gemacht. So schreibt er, dass in den bayerischen Grenzdörfern (unsere Region gehörte damals zum Königreich Bayern) jedermann besorgt gewesen sei. So seien Keller sicher und wohnlich eingerichtet worden. „Es entstanden geheime unterirdische Verstecke, in die die wenigen kostbaren Habseligkeiten sowie ein angemessener Lebensmittelvorrat eingelagert wurden“, da man Beschuss, Zerstörung und den Zusammenbruch der Lebensmittelversorgung befürchtete.

In Böckweiler, so sei berichtet worden, erwartete man damals täglich das Auftauchen der der rotbehosten Franzosen und die Besetzung des strategisch wichtigen Kahlenbergs. Tatsächlich waren unter anderem die Orte Reinheim und Gersheim am 2. August 1870 kurze Zeit von den französischen Truppen besetzt, als es bei Saarbrücken zu einem Scharmützel gekommen war. Schon Tage zuvor lagerten preußische Soldaten im Neualtheimer Hochwald. Am 25. Juli 1870 kam es dann zu einem historischen Aufeinandertreffen. In einem Scharmützel bei Reinheim standen erstmals in diesem Krieg Bayern und Preußen gegen die Franzosen zusammen. Wie Motsch schreibt, erhielt hier „die neue Waffenbrüderschaft deutscher Einigkeit ihre erste Bluttaufe“. Dass auch Soldaten aus der Bliesgau- und Parr-Region an den kriegerischen Handlungen beteiligt waren ist unter anderem auch daraus zu erkennen, dass nach dem Ende Unterstützungsgelder der „norddeutschen Städte“ an die Angehörigen Eingezogener ausgezahlt wurden. So erhielten im Amt Medelsheim 32 Familien jeweils drei Gulden und weitere vier Familien den doppelten Betrag, so dass davon ausgegangen werden kann, dass der Berechnung 40 Soldaten zugrunde lagen. Über Kriegstote wird nichts berichtet.

Als unmittelbare Folge des Krieges ist festzustellen, dass für das Gebiet des heutigen Saarlandes die Grenzlage zu Frankreich durch die Annexion Elsass-Lothringens beseitigt wurde.