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Herbitzheim hat einen ganz besonderen Osterschmuck

Eine Seniorin legt sich im Dorf ins Zeug : In Herbitzheim fühlt sich der Osterhase heimisch

Die 77-jährige Gisela Kempf schmückt alljährlich ihr Heimatdorf mit Fleiß und Hingabe. So entsteht ein farbenfrohes Ensemble.

Kurz hinter der Bliesbrücke fällt der Blick der Wanderer, Radfahrer und Spaziergänger auf das dekorative Oster-Ensemble. Die „Dreispitz“, wie die Herbitzheimer das Kleinod innerhalb des knapp 700-Seelen-Dorfes nennen, erblüht momentan im Osterglanz. Vorn ein zum Osterei geschmücktes Gebinde, danach grüßt an der Rückseite des Insektenhotels ein „hölzerner Osterhase“, der aus der Werkstatt des Bliesdalheimers Stefan Weisenstein stammt. Auch ein Schubkarren, der dort das ganze Jahr über seinen Platz hat, weist durch seine Deko auf das höchste Christenfest im Kirchenjahr hin.

Herzstück der diesjährigen „Kreation“ auf der „grünen Lunge“ zwischen Ortsstraße und der Rubenheimer Straße ist das Ensemble am und um das Partnerschaftsschild. Initiatorin hierzu ist Gisela Kempf. Viele Stunden hat sie damit verbracht, sich wieder etwas Besonderes einfallen zu lassen, über das sich alle freuen können. Es sind auf dem Schild zwischen den Alurahmen die Zahlen 740 und 1382 zu lesen. Dabei handelt es sich um die Jahreszahlen, in denen die beiden verschwisterten Dörfer an Saar und Blies erstmals urkundlich erwähnt wurden. Die erste gemeinsame Begegnung von Herbitzheimern aus dem „krummen“ Elsass und dem Bliesgau jährt sich in diesem Jahr zum 60. Mal, sie fand am 14. Mai 1961 im damaligen Gasthaus Gruber statt. Am Alurahmen springt ein mit viel Liebe zum Detail dekoriertes Herz, flankiert von zwei Wagenrädern, ins Auge.

„Das hölzerne Herz stand hinter meinem Haus. Jedes einzelne Ei, das ich benutze, habe ich geklebt,“ so die 77-Jährige. Helfer bei ihrer Arbeit sind Margret Fuchs und Dieter Hoff. Zu beiden Seiten wird das Schild von zwei dreistöckigen Blumensäulen, bei denen die Mooskugeln voller bunter Eier sind, in Szene gesetzt. „Die Stunden zähle ich nicht. Ich mache das fürs Dorf,“ so Kempf. Sie ist gelernte Gärtnerin und über 50 Jahre im Bliestaldorf zu Hause. Daneben führt sie als Stellvertreterin des Vorsitzenden Siegfried Schmidt den örtlichen Gesangverein. Seit zwei Jahrzehnten ist sie schon in Sachen Blumenschmuck unterwegs, bepflanzt und pflegt unter anderem gemeinsam mit Walter Sand die Blumenkästen auf der Bliesbrücke. In trockenen Sommermonaten seien die Pflanzen so durstig, dass sie täglich zweimal gegossen werden müssen. Mit viel Engagement und Liebe pflegt sie das Jahr über den „Dreispitz“, verändert den Jahreszeiten entsprechend.

Auf dieser zentral gelegenen Grünfläche nehmen viele Menschen innerhalb bunt blühender Pflanzen Platz, genießen ihre Freizeit, wie sie auch die Emsigkeit der vielen Vorbeikommenden und den niemals rastenden Verkehr auf der Rubenheimer Straße beobachten. Sehr geschmackvoll auch ein Schubkarren, der durch Gisela Kempf das Jahr über mehrmals sein Aussehen verändert. Gerade hier sticht ihr Faible zum Gestalten ins Auge.

Besonders schön ist es für sie, wenn sie bei der Arbeit angesprochen wird von nicht ortsansässigen Leuten, die hier, an ihrem Betätigungsfeld vorbeikommen und das Gespräch suchen. „Ich kann gut mit Fremden“, sagt die Seniorin, die so schön werbewirksam von ihrem Heimatdorf schwärmt, wie man das eben tut, wenn man sein Umfeld ins Herz geschlossen hat.

Ein Umfeld mit Gute-Laune-Blümchen und vor allem mit Menschen, die man mag. Bedauerlich sei, dass der auch von ihr initiierte und aus ihrer Heimat der Fränkischen Schweiz mitgebrachte Osterbrunnen-Brauch, über ein Jahrzehnt gepflegt vom Gesangverein, nicht mehr gepflegt werden kann. „Dazu waren viele Helfer notwendig. Wir werden alle älter und auch Corona hat vieles verhindert,“ so Kempf. Ihr Osterhasen-Paar, Elsa und Emil, das die letzten drei Jahre von seiner Bank noch die Herbitzheimer und Gäste grüßte und jetzt vermisst wird, befänden sich in Quarantäne, bemerkte sie mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht.