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Großveranstaltungen im Bliesgau mit vielen Fragezeichen

Wie geht es bloß mit den Freiluft-Festen weiter? : Diese Feten sind noch in der Schwebe

Bei geplanten Großveranstaltungen in der Region hängen viele Veranstalter noch völlig in der Luft.

Wegen der Corona-Bedingungen sind auch viele Volksfeste der Region in Gefahr, beziehungsweise schon abgesagt. Wie es im Bliesgau aussieht, zeigt eine kleine Abfrage bei Verantwortlichen. So sollte am Pfingstmontag, 1. Juni, der traditionsreiche Bruder-Konrad-Ritt von Medelsheim nach Utweiler stattfinden. Jetzt teilte die Pfarrei Heilig Kreuz mit, dass gemeinsam mit dem Feuerwehr-Förderverein Peppenkum-Utweiler entschieden wurde, ihn abzusagen. Im pastoralen Konzept ist nachzulesen, dass die Pfarrei auf der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich und in der Biosphäre liegt. „Als Beispiel für die herausragende Nutzung dieser Gegebenheit kann der traditionelle Bruder Konrad Ritt in Utweiler aufgeführt werden. In diesem Ort versammeln sich an jedem Pfingstmontag zahlreiche Menschen aller Konfessionen und nicht konfessionell gebundene Teilnehmer. Aus einer früher rein landwirtschaftlich geprägten Prozession hat sich schon vor Jahren eine Prozession entwickelt, an der zwar noch landwirtschaftlich genutzte Fuhrwerke teilnehmen, aber weit mehr Menschen teilnehmen, die Traktoren und Pferde in ihrer Freizeit beziehungsweise als Hobby nutzen. Viele stehen vielleicht der Kirche fern, erleben aber an diesem Tag, durch die Segnung und die anschließende Eucharistiefeier unter freiem Himmel, Kirche in besonderer Form. Die Pfarrei präsentiert sich als volksnah und allen Menschen zugewandt.“

In der Zeit der anhaltenden Pandemie sei das Zusammenkommen so vieler Menschen aber nicht zu verantworten. Obwohl der Gottesdienst unter freiem Himmel stattfinde, seien unmöglich die gebotenen Abstandsregeln einzuhalten, sodass ein erhebliches Ansteckungsrisiko bestehe. Hinzu komme auch, dass die Vorbereitungen der Prozession und des Festes von Ehrenamtlichen geleistet werden, die durch das gemeinsame Arbeiten unweigerlich miteinander in nicht erlaubten Kontakt kommen würden. So bleibe die Hoffnung, dass 2021 liebgewordene Traditionen wieder aufleben können, damit auch pfarrliches Leben durch gemeinsames Feiern neu belebt werden könne.

Ebenfalls in der Parr, und zwar in Medelsheim, steht am Sonntag, 19. Juli, der 22. Jakobsmarkt im Terminkalender. Peter Krämer, Vorsitzender des durchführenden Fördervereins der Feuerwehr, sprach davon, dass, bevor endgültig entschieden werde, man noch warte, bis eine Landes-Verfügung zu Großveranstaltungen vorliegt. Dann werden neben ihm die weiteren Vorstandsmitglieder, der Festausschuss sowie Löschbezirksführer Michael Hahn die weiteren Entscheidungen treffen. Er selbst gehe davon aus, dass die Traditionsveranstaltung, die bis ins Jahr 1535 zurückreicht, diesmal nicht durchgeführt werden kann oder darf, was sicherlich ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des Jakobsmarktes bedeute. „Die weltweite, beispiellose Krise zwingt alle zum umsichtigen Handeln und zu Antworten, die noch vor wenigen Wochen für unmöglich gehalten wurden“, so Krämer.

Zwei Wochen nach dem Jakobsmarkt ist von Freitag, 31. Juli bis Sonntag, 2. August, das 41. Brückenbogenfest in Reinheim vorgesehen. Es sei zwar noch nicht abgesagt, doch die Planungen gestoppt, sagt Peter Nagel, der Vorsitzende der Sportfreunde Reinheim. „Das Fest lebt von den vielfältigen Essensangeboten, gutem Wein und der grenzüberschreitenden Freundschaft. All dies ist im Moment nicht vorstellbar, zumal Experten sagen, dass Einschränkungen bis Herbst noch anhalten werden“, so Nagel. In der nächstmöglichen Vorstandssitzung werde er für eine Absage plädieren. Eine Verschiebung in den Herbst mache als Alternative keinen Sinn, da das Fest sehr wetterabhängig sei.

Das Brückenbogenfest wurde bis 2015 vom Carneval Club Reinheim veranstaltet. 2016 fand es nicht statt, ersatzweise damals ein grenzüberschreitendes Freundschaftsfest am Sportplatz. Seit 2017 veranstalten es die Sportfreunde Reinheim. Auch ob das Walsheimer Dorffest von 7. bis 9. August über die Bühne geht, kann derzeit noch nicht endgültig beantwortet werden, da noch nichts entschieden sei, wie Ortsvorsteher Michael Thomann mitteilte. „Wir warten derzeit einfach die weitere Entwicklung ab und hoffen, dass es in irgendeiner Form stattfinden kann. Aber da derzeit wenig sicher und vieles im Fluss ist, wollen wir die Entscheidung möglichst lange offen lassen“.

Die Zukunft der 53. Gälbacher Zeltkirb von 21. bis 24. August ist auch noch offen. Ortsvorsteher Martin Vogelgesang, der auch gleichzeitig Vorsitzender der ausrichtenden Arbeitsgemeinschaft ist, wartet noch auf landesweite Regelungen, in der es um die Großveranstaltungen geht. Dies sei wichtig, um auch ohne Regressansprüche aus Verträgen aussteigen zu können. Er selbst sieht jedoch keinen Sinn in einer Durchführung „Die Kosten bleiben gleich. Wir können jedoch davon ausgehen, dass wir beispielsweise weniger Gäste und Helfer haben. Auch sind die Abstandsregeln im Festzelt nicht umzusetzen. Wenn wir keine negative Entscheidung vom Land bekommen, entscheidet die Arbeitsgemeinschaft über das weitere Procedere.“

Die letzte Veranstaltung im Reigen der kleinen Abfrage unserer Zeitung findet von 28. bis 30. August statt. Dann feiert Erfweiler-Ehlingen seine Kirmes und auch sein 39. Dorffest. Ortsvorsteher Michael Abel teilte mit, dass eine Entscheidung noch nicht getroffen sei. Wie es weitergehen soll, werde im Mai gemeinsam mit allen teilnehmenden Vereinen entschieden. Es stehe ja auch noch die Gründung eines Dorfvereins auf der Agenda.