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Gersheim: Mit Meisen gegen Larven des Eichenprozessionsspinners

Mal gespannt, ob dieser Trick von Erfolg gekrönt ist : Neue Wege zur Bekämpfung einer giftigen Raupe

Meisen sollen die Larven des gefährlichen Eichenprozessionsspinners fressen. Dafür werden Nistkästen aufgehängt.

Die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners sorgt seit einiger Zeit auch in der Gemeinde Gersheim für viel Unmut. Kleine Raupe, großes Problem: Der Schmetterling aus der Familie der Zahnspinner breitet sich zumeist im Frühjahr rasant aus und wird schnell zur Gefahr für Mensch und Tier. Mit Hilfe der Gemeinschaftsschule will die Kommune die Gefahr jetzt zumindest verkleinern. Es werden Nistkästen aufgehängt, darin Meisenarten angesiedelt, die dann die Larven des Eichenprozessionsspinners fressen sollen.

Die Idee dazu kam von Elternsprecherin Manuela Fries, die auch Mitglied im Obst- und Gartenbauverein Rubenheim ist. Die Haare der Raupe enthalten ein Gift, das schwere allergische Reaktionen hervorrufen kann. Seit einigen Jahren vermehren sich die Raupen, die am Waldrand, in Parks und Gärten leben, immer schneller. Der Klimawandel hilft dem Eichenprozessionsspinner: Weil es wärmer wird, können sich die Tiere auch immer mehr ausbreiten. Besonders problematisch: Die leichten Haare können auch durch die Luft fliegen. Dann setzen sie sich wie kleine Haken auf der Haut, in den Augen und im Hals fest. So kann es passieren, dass man Ausschlag bekommt, ohne die Raupen selbst berührt zu haben.

Auch wenn die Tiere nicht mehr an Ort und Stelle sind, bleiben kaum sichtbare, giftige Haare zurück. Nachdem die Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofes Bausätze zusammengeschnitten hatten, konnten sich Schüler einer 6er-Klasse statt Mathe- und Deutschunterricht handwerklich betätigen.

Eifrig zimmerten sie, angeleitet von Sport- und Arbeitslehre-Lehrer Gabor Szebeny, die Kästen zusammen. Bürgermeister Michael Clivot freute sich, dass er mit seiner Bitte bei der Schulleitung „offene Türen eingerannt hatte“, dem Wunsch sofort entsprochen und er konnte jetzt die ersten 30 „Fertigprodukte“ in Empfang nehmen. Weitere Kästen sollen folgen, wie auch noch die vom Nabu Walsheim zur Verfügung gestellten Bausätze von Insektenhotels zusammengebaut und auch verteilt werden. Darin sollen sich dann Vögel ansiedeln, um „mit der Natur die Natur zu bekämpfen“, so die Idee.

„Die Meisen als natürliche Fressfeinde verzehren die Raupen in einem Stadium, in dem sie noch keine Brennhaare gebildet haben“, so Clivot. Er ergänzt hierzu, dass es für die kleinen Meisen eigentlich ganz gut sei, dass es die Raupen des Eichenprozessionsspinners inzwischen in großer Zahl in der Region gibt. Denn die Meisen-Eltern machen unermüdlich Jagd auf sie und verfüttern sie an ihre Jungen.

„Wenn man sie mit einer chemischen Keule bearbeitet, oder auch die Bäume fällt, wird nicht nur der Eichenprozessionsspinner abgetötet, sondern auch jedes andere Lebewesen an dem Baum“, so Clivot.

An verschiedenen Stellen werden Nistkästen aufgehängt. Dazu zählt unter anderem der Rubenheimer Rohrental-Weiher, das Gersheimer Tretbecken, das Freibad in Walsheim oder auch das Gelände rund um den Niedergailbacher Sportplatz. Auch auf dem Gersheimer Schulgelände sollen drei Eichen in den Blick der Meisen genommen werden und damit bisherige Bekämpfungsmethoden ersetzt werden. Damit will man aber noch etwas anderes bewirken. „Wir stellen in den letzten Jahren bundesweit ein regelrechtes Meisensterben fest. Mit den Nistkästen können wir helfen, deren Population zu stärken“, so Clivot. „Mal sehen, ob es funktioniert, wie wir uns das vorstellen. Schaden kann es aber keinesfalls“, so das Gemeindeoberhaupt.