Freibad in Walsheim ist ein Geheimtipp

Geheimtipp : Badespaß mit internationalem Flair

Das Freibad in Walsheim, das sich die Gemeinde trotz anhaltendem Defizit als Daseinsvorsorge leistet, belohnt seine Besucher mit reizvoller Landschaft und Historie.

Das Freibad in Walsheim kennt weder Überfüllung noch Streitereien. Hier braucht man kein Sicherheitspersonal und schon gar keine Polizei. Das Schwimmbad der Gemeinde Gersheim ist ein Kleinod, eingebettet in die Bliesgau-Wiesen. Landschaftlich reizvoll gelegen und mit Historie, denn hier lagen einst die Eisweiher der Walsheimer Brauerei und das Brau-Quellwasser speist die Becken heute noch. „Wo sonst im Saarland kann man in Wasser schwimmen, aus dem früher Bier gebraut wurde?“, fragt Gersheims Pressesprecher Wolfgang Degott und zieht eine zufriedene Bilanz bei einem Ortstermin mit unserer Zeitung.

Das Bad habe 2018 rund 40 000 Badegäste gehabt, die Zahl werde man 2019 etwas verfehlen, was aber am späten Saisonstart und nicht an sinkender Beliebtheit des Bades liege. Am Hochsommertag diesen Mittwoch waren über 1300 Badegäste da, zu Überfüllung führte das nicht. Im Schwimmerbecken war ausreichend Platz und im Nichtschwimmerbereich stören sich die spielenden Kinder wenig aneinander. Die zahlenden Gäste können die Kosten trotzdem nicht decken.

„Das Bad ist ein ständig defizitärer Betrieb“, räumt Wolfgang Degott ein. Die Gemeinde leiste sich die Unterhaltung mit einem jährlichen Zuschuss von 120 000 Euro. Man verzichte auf Heizung, habe mit Thomas Müller nur einen festen Bademeister und eine Kooperation mit den Bäderbetrieben in Blieskastel.

Die Kommunalaufsicht billige dieses Engagement, das zu den „freiwilligen Leistungen“ der Gemeinde zähle, aber unumstritten sei. „Wir sehen hier keinen Luxus, sondern ein Stück Daseinsvorsorge“, so Degott. Zumal das Bad eine Symbiose mit dem benachbarten privaten Campingplatz eingehe.

Das Bad und der niederländische Platzbetreiber würden voneinander profitieren: „Holländisch ist die dritte Sprache im Bad neben Französisch“, sagt Thomas Müller und spielt auf die vielen Kurzzeitcamper aus den Niederlanden an. Viele Gäste kämen außerdem von jenseits der Grenze. Die Hälfte der Gäste komme aus Frankreich.

Gut besucht ist in diesen Tagen das in die schöne Landschaft eingebettete Freibad in Walsheim. Foto: BeckerBredel

Die Zukunft des Bades könnte trotzdem in Frage gestellt sein: „Wir haben eine Technik, die aus den 60er Jahren stammt. Wenn die mal ausfällt und die Reparatur sehr teuer wird, müssen wir rechnen“, weiß Degott und drückt die Daumen, dass ein solcher Fall so schnell nicht eintritt. Der Beckenrand brauche eine Sanierung, für Reparaturen habe man jährlich gerade einmal 20 000 Euro zur Verfügung. Wünschen würde man sich etwas mehr Bekanntheit für das Bad: „Wir haben schon auf der Campingmesse in Bexbach Werbung gemacht. Aber das hatte wenig Erfolg“, sagt Degott. Aber ein Geheimtipp zu sein, habe auch seine guten Seiten.

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