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Feuerwehr Gersheim im Einsatz im Hochwassergebiet in der Eifel

Feuerwehr Gersheim : Feuerwehrleute im Fluthilfe-Einsatz

Neun Retter aus Reinheim halfen zusammen mit Kameraden aus Homburg und Kirrberg in Altenahr. Die Verwüstungen dort hinterließen bleibende Eindrücke.

Knapp 60 Stunden dauerte der Einsatz von neun Reinheimer Feuerwehrangehörigen, die gemeinsam mit weiteren Feuerwehren ins Katastrophengebiet im Ahrtal geschickt worden waren. In Homburg wurden die Einheiten aus Kirrberg, Gersheim und Homburg zu einem Zug zusammengefasst.

Nach einer Einweisung durch Kreisbrandinspekteur Uwe Wagner morgens um sechs Uhr ging es dann mit fünf Feuerwehrfahrzeugen zum Sammelpunkt nach Otzenhausen, wo zwei weitere Züge des Saarlandes warteten. Der Versorgungszug des DRK Merchweiler war bereits eine halbe Stunde zuvor aufgebrochen. Durch deren Anwesenheit war der Verband, der durch das Saarland entstand wurde, komplett autark.

Direkt nach Ankunft erfolgte eine erste Dienstbesprechung: „Keine Bilder und Videos vor Ort, lediglich Fotografieren für den Eigengebrauch“, hieß es dort. Danach wurde es langsam ernst, was sich bei der Dienstbesprechung durch den Verbandsführer Dirk Schäfer, auch Wehrführer von St. Wendel, verdeutlichte. „Es werden noch mehr als 170 Personen vermisst, darüber hinaus ist die Lage vor Ort deutlich dramatischer als sie auf den Fernsehbildern zu sehen ist.“

Doch bevor es zum Einsatz ging, fuhr der Verband geschlossen mit allen drei technische Hilfeleistungs-Zügen (TH-Zügen) zur nächsten Zwischenstation. Um neun Uhr war die Sammelstelle am Nürburgring erreicht. Eine halbe Stunde später die nächste Einsatzbesprechung: „Vor Ort existiert kein Funk mehr. Kommunikation ist nur eingeschränkt mit Mobilfunk möglich“. Gemeinsam mit dem Versorgungszug, der mit Zelten, Feldbetten, Schlafsäcken, Decken, Handtüchern ausgestattet war, wurde das Lager aufgebaut. Früher Nachmittag, weitere Lagebesprechung: „Weg zum Ort ist versperrt, Ortschaft nur über Umwege zu erreichen – gemeint war Altenahr. Der war um 17 Uhr erreicht. Dann ging es los. Die Lageerkundung ergab ein dramatisches Bild. Alles voller Schlamm, der zum Teil schon ausgetrocknet war. In den Kellern überall Unmengen Heizöl im Wasser, das nicht abgepumpt werden durfte. Das Gebälk eines fremden Hauses hing vor einer Halle und drohte einzustürzen. Kettensägen wurde eingesetzt, um auch Bäume auf Balkonen im zweiten Obergeschoss zu beseitigten. Schier aussichtslos gestaltete sich die Räumung eines Weinkellers, bei dem ungefähr 6500 Flaschen Wein geborgen wurden. Da die Pumpen es auch nicht nach Verdünnen des bis auf zweieinhalb Meter hohen Schlamms schafften, das Wasser abzupumpen, wurde der Keller mit Schippen und Schubkarre geräumt. Anwohner berichteten, dass das Wasser innerhalb von vier Stunden gestiegen war, die Ahr bis auf den Pegelstand von knapp über elf Meter zu einem reißenden Strom werden ließ. 1903 war der bisher höchste Pegelstand mit 3,70 Meter gemessen worden. Nachdem der Einsatz im Weinkeller beendet worden war, wechselte die Reinheimer Einheit zum Sammelpunkt an den Ortsausgang. Dann ging es in die Ortsmitte, um sich für den nächsten Tag ein Bild zu verschaffen. „Hier wurde die totale Zerstörung sichtbar. Das Wasser stand bis über das zweite Geschoss, auf dem Friedhof lagen Leichen, nur mit Planen bedeckt,“ berichtete Benjamin Uth. Er erfuhr von Anwohnern, dass sie die erste Feuerwehreinheit seien, die seit dem Katastrophenbeginn eingerückt sei. Der zweite Einsatztag spielte sich hauptsächlich an der Brücke Altenahr ab, die es zu räumen galt. Minibagger und Radlader wurden organisiert und eingesetzt. Ein weiterer Bagger half, eine Baustraße herzurichten.

Danach wurde die Mannschaft wieder ins Ortsinnere verlegt, es wurde ein Gasgeruch gemeldet und beseitigt. Die Mannschaft des gesamten dritten Zuges half der Bevölkerung von Altenahr so weit wie möglich mit allen Mitteln. Unter Schwerstarbeit räumten sie Keller nach Keller leer. Bei den Räumungsarbeiten im Ortskern verletzte sich ein Feuerwehrmann der Kirrberger Einheit. Er wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Bundeswehrkrankenhaus Koblenz geflogen. Für den Gersheimer Zug folgte der letzte Einsatz. Gemeinsam mit weiteren Kräften wurde eine Eisenbahnbrücke geräumt. Dabei hatten sie vier fast vollständig gefüllte Gastanks, zwei unbesetzte Personenwagen unter Schuttmassen und zwölf ebenfalls leere Wohnwagen mit Unterstützung eines Großbaggers zu bergen. Um 20 Uhr wurde die Einsatzstelle an die Feuerwehr Bayreuth übergeben, selbst ging es zurück zur Sammelstelle am Nürburgring, und nach der Übernachtung wurde geschlossen im dritten Zug zurückgefahren.

In Reinheim wurde die Truppe durch Bürgermeister Michael Clivot mit einem Kasten Bier begrüßt. Er bedankte sich bei den Feuerwehrkameraden für den Einsatz und stieß mit ihnen darauf an, dass alle wieder heil nach Hause gekommen sind. „Ich danke allen, die sich für den Einsatz freiwillig gemeldet haben. Wir sind froh, dass wir einen Beitrag bei den Aufräumarbeiten leisten konnten“, erklärte der Bürgermeister.