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Europäischer Kulturpark: Die tolle Stimme des Michael Marx in der Taverne

Europäischer Kulturpark : Die tolle Stimme des Michael Marx in der Taverne

„Es gibt keine Pause. Das heißt ich spiele bis 15 Uhr durch!“, kündigte Michael Marx sein Konzert am Sonntagvormittag an. Es war schnell klar, dass der Musiker und Sänger damit in der gut besuchten Taverne des Europäischen Kulturparks einen Scherz gemacht hatte. Doch auch so ging die Zeit bei der Veranstaltung des Vereins Begegnungen auf der Grenze, der Stiftung Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim und der Gemeinde Gersheim schnell vorüber.

Marx, vielen bekannt aus der A-capella-Formation „Marx, Rootschilt, Tillermann“, präsentierte in Reinheim sein viertes Solo-Album „Freudentänzer“. Ein Titel, der auch bei diesem Auftritt wörtlich zu nehmen war. Oft tänzelte nämlich der Mann aus Neunkirchen-Hangard leicht auf der Bühne, was aber nie lächerlich wirkte. Aus Freude, wie Michael Marx betonte. Beim Titelsong der CD steuerte er eine Geschichte bei, die seinen Bewegungsdrang zum Thema hatte.

Mit „Herbstjahre“ war der Musiker gestartet. Dabei setzt er sich instrumental mit sich selbst und dem Älterwerden - er ist 1955 geboren - auseinander, ohne dabei in Melancholie zu verfallen. Nein, das war eher optimistisch und positiv-nachdenklich, was man da zu hören bekam. Man erfährt viel über den Menschen Michael Marx. Immer dann, wenn er etwa eine achtseitige Gitarre so quasi nebenbei - ohne dies allzu sehr in den Vordergrund zu stellen - stimmt beispielsweise. Er ist gerne mit Schwager Helmut Eisel und den beiden Partnerinnen am Atlantik zum Camping-Urlaub. Dann liebt es Marx in der Hängemappe zu relaxen, dabei in den Himmel zu schauen und nur noch die Farben blau und grün wahrzunehmen. Bei „Le Ciel dans les Arpres“ (Der Himmel liegt in den Bäumen) war die marxsche Erholungsstimmung auch in Reinheim spürbar und kam sehr gut an.

Richtig gut ist der Vater zweier Söhne und frischer Opa einer Tochter aber auch, wenn er die Großen covert. Etwa bei Altmeister Stings „Shape of my heart“, bei dem die Gitarrenriffs von dessen „rechter und linker Hand“ Dominic Miller eine immense Rolle spielen, nimmt er einen so mit, dass man schnell die Umgebung vergessen kann. Dann hat Michael Marx eine Stimme aufgelegt, die im positiven Sinne an eine Art „Rappeisen“ erinnert. Es passt einfach. Oder der Künstler macht Anleihen bei Elton John und „It’s a little bit funny“. „E scheen Lied, gell? Das hätt‘ ich gär komponiert, awwa isch war se spät“, scherzte er dann hinterher.

Michael Marx spielte bei der Matinee in der Taverne des Europäischen Kulturparks. Foto: Jörg Martin. Foto: Jörg Martin

Eigentlich könnte der Mann da vorne, der Gitarre und Gesang studierte, alles singen. Hauptsache, er behält seine träumerisch-romantische Ader bei und geht nicht in die kitschige Richtung. Tut er auch nicht. Wie etwa bei „For you“ des Blues-Sängers Eric Bipp. Da wird das Publikum, das nicht nur bei diesem Titel mitwippte und leise mitsang, einfach mitgenommen. „Ich find’s klasse“, freute sich Marx selbst hinterher. Die Besucher auch. Bei „I feel fire“ (Ed Sheeran) ging er sowas von richtig aus sich heraus, dass einem die drei Zugaben am Ende nicht überraschten. Bis 15 Uhr hätte es gerne dauern können.