Die Jungfernrede schon bewältigt

Blieskastel. Schon ein halbes Jahr vergangen? In der Tat, die Vorsitzende der Blieskasteler Partei Die Linke, Yvonne Ploetz aus Bliesdalheim, sitzt bereits seit dem 1. Februar im Deutschen Bundestag

Blieskastel. Schon ein halbes Jahr vergangen? In der Tat, die Vorsitzende der Blieskasteler Partei Die Linke, Yvonne Ploetz aus Bliesdalheim, sitzt bereits seit dem 1. Februar im Deutschen Bundestag. Was hat sie bisher erlebt, seit sie den Platz von Oskar Lafontaine eingenommen hat? "Ich wohne immer noch im Hotel", gesteht die 25-Jährige, als sie zu Gast in der Redaktion Blieskastel ist. Das ständige Pendeln zwischen Berlin und Trier, wo sie nach wie vor Politikwissenschaft studiert, und dem heimischen Gersheimer Ort haben sie in der Bundeshauptstadt noch nicht sesshaft werden lassen. Außerdem sei sie in Berlin von früh bis spät in Sachen Politik auf Achse. "Ich wurde im Februar im Bundestag von meiner Fraktion herzlich aufgenommen", erzählt Yvonne Ploetz, die damals ur-ploetz-lich die Nachfolge von Oskar Lafontaine in der 76-köpfigen Linken-Fraktion antrat, als sich Lafontaine aus der Bundespolitik verabschiedete. Von Fraktionschef Gregor Gysi habe es gar Blumen gegeben. Insbesondere der Jugend-, Bildungs- und Hochschulpolitik hat sich die 25-Jährige angenommen. Mitte Juni war es dann soweit: Sie hielt ihre Jungfernrede im Bundestag. "Ich war mächtig aufgeregt, musste ein paar Beruhigungstropfen vor dem vierminütigen Auftritt am Rednerpult des Bundestages einnehmen", gesteht Yvonne Ploetz. Doch dann ging es prima; sie hielt ihr Plädoyer für Bafög-Erhöhung, trug ihre Ansichten zu Stipendien vor - und schon war die Zeit um. Und am Ende ihrer Rede sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert: "Liebe Frau Ploetz, zu Ihrer ersten Rede im Deutschen Bundestag gratuliere ich Ihnen herzlich im Namen des ganzen Hauses, verbunden mit allen guten Wünschen für die weitere parlamentarische Arbeit." Und dann war da natürlich die Wahl des Bundespräsidenten in der Bundesversammlung am 30. Juni, als Christian Wulff schließlich im dritten Wahlgang gewählt wurde. Das sei für sie ein "spannendes Erlebnis" gewesen. Was macht das Studium? "Mein Politik-Studium ist mir nach wie vor sehr wichtig, und ich will es im kommenden Frühjahr mit dem Magisterexamen beenden", sieht die Bliesdalheimerin den kommenden Monaten entgegen. Für die Politik der Linken will sie sich auch künftig im Bundestag tatkräftig einsetzen. Dabei hatte sie ihre politische Karriere mit 14 Jahren in der Jungen Union in Medelsheim begonnen. Aufgewachsen ist sie in Bliesmengen-Bolchen, dann wohnte sie in Medelsheim, ehe sie schließlich nach Bliesdalheim umzog. Im Laufe der Zeit habe sich bei ihr ein "schleichender politischer Sinneswandel" vollzogen, und im Jahr 2005 sei sie schließlich in die PDS eingetreten. Ehe es ans Studieren ging, machte sie ihren Realschulabschluss in Gersheim, anschließend Abitur am Helmholtz-Gymnasium in Zweibrücken. In die Heimat kommt sie immer wieder gerne. Erst vergangenes Wochenende hat sie gemeinsam mit Oskar Lafontaine das Linke-Bürgerbüro in Blieskastel eingeweiht.

 Zwischen Berlin, ihrem Heimatort Bliesdalheim (unten) und dem Studienort Trier pendelt die Bundestagsabgeordnete der Linken, Yvonne Ploetz (oben), seit einem halben Jahr. Fotos: SZ/Linke/ott
Zwischen Berlin, ihrem Heimatort Bliesdalheim (unten) und dem Studienort Trier pendelt die Bundestagsabgeordnete der Linken, Yvonne Ploetz (oben), seit einem halben Jahr. Fotos: SZ/Linke/ott

Zur PersonYvonne Ploetz wurde am 28. September 1984 in Saarbrücken geboren. Sie ist ledig. 2004 Abitur. Seit 2005 Studium der Politikwissenschaft, Kunstgeschichte und Soziologie. Seit Oktober 2005 PDS-Mitglied. Im November 2005 Gründungsmitglied und Vorsitzende des Ortsverbandes Blieskastel. Seit 2008 im Vorstand der Linke Saarpfalz. Mitglied des Bundestages seit dem 1. Februar 2010 für Oskar Lafontaine. ert