Die Hitze bedeutet für den Rasen Stress

Die Hitze bedeutet für den Rasen Stress

Würde das Personal der Golfanlage in Rubenheim bei den aktuellen Wetterbedingungen den Rasen sich selbst überlassen, käme das einer Katastrophe für die Golfer gleich. Das Grün muss nach festen Regel benetzt werden. Auch der Zeitpunkt ist entscheidend.

"Wegen der großen Hitze wird von 15 bis 16 Uhr die Greenberegnungsanlage laufen", ist auf einem Schild vor dem Eingang zum Golfhaus in Rubenheim zu lesen. Auf dem Platz tummeln sich einige Golfer, flachsen miteinander, genießen das Ambiente auf dem Hügel zwischen Rubenheim und Erfweiler-Ehlingen, schieben ihre Golftasche weiter zum abgeschlagenen Golfball. Sie merken wenig davon, was sich hinter den Kulissen abspielt. Denn die hohen Temperaturen fordern den 44-jährigen Head-Greenkeeper Steffen Götzmann bei der Platzpflege. Ist er übers Jahr unter anderem damit beschäftigt zu vertikutieren, zu sanden, nachzusähen, die richtige Düngung der 18 Spielbahnen und der Greens, inklusive der Vorgreens zu finden, ist nun auch noch die richtige Wassermenge zu koordinieren, damit aus dem 60 Hektar großen Platz des Golfclubs Katharinenhof nicht ein braunes Savannenareal wird. "Die Hitze bedeutet richtigen Stress für das Gras. Deshalb muss der Rasen rechtzeitig vor der großen Hitze mit einem Benetzungsmittel behandelt werden, um die Oberflächenspannung weg zu bekommen, " so der gebürtige Heidelberger, der vor drei Jahren beim rund 720 Mitglieder zählenden Club die Nachfolge des langjährigen Greenkeepers Oswald Morguet angetreten hat. Angesprochen auf den Zeitpunkt der Beregnung, meint der gelernte Forstwirt, dass sie einsetzen soll, wenn die heißeste Phase des Tages angebrochen ist, um die Grüns abzukühlen. Doch versprühen die vier Regner mit verschieden wählbaren Düsen pro Green nur ganze fünf Minuten die für die Pflanzen so lebenswichtige Flüssigkeit. Zu viel Wasser würde schaden, da es auch die notwendige Luft im Boden verdränge und Krankheiten fördere. Außerdem werde in jeder Nacht "gesprengt". Bei den attraktiven und für den Golfer so wichtigen Grünflächen werden je nach Bodenbeschaffenheit, ob Sand oder Lehm, zwischen acht Minuten und einer Viertelstunde gewählt. Des Weiteren wird je nach Witterung entschieden, ob täglich oder bei derzeitiger Hitze überhaupt beregnet wird. Das Wasser spendet eine Quelle, nur wenige Meter entfernt. Sollte eine Beregnung auf dem Golfplatz nicht möglich sein, droht nach zwei Tagen Hydrophob (Hydrophobie = Wasserabweisung des Bodens), könne der Boden keine Feuchtigkeit mehr durchlassen. Um den Fluss wieder herzustellen, wird dann eine Spike-Maschine eingesetzt. Mit ihr werden kleine Löcher in den Boden gebohrt, damit er wieder Wasser aufnehmen kann, so Götzmann. Lediglich einen Hektar machen die intensiv genutzten Grüns aus. Viel mehr Fläche beanspruchen die Spielbahnen. Die Fairways, wie sie in der Fachsprache genannt werden, beanspruchen eine Fläche von zwölf Hektar und werden zwei Mal wöchentlich auf 17 Millimeter gemäht, während in der Putting-Zone kurz vor dem Einlochen die Halmhöhen zwischen 3,8 und 4,1 Millimeter üblich sind. Sollte die Hitze anhalten, werde diese Woche überhaupt nicht gemäht, da auch die Halme nicht weiter wachsen würden. Jedem Rasenbesitzer rät der "Golf-Mann", in der Hitzeperiode nicht so oft zu mähen und das Gras höher wachsen zu lassen.

Zum Thema:

HintergrundGreenkeeper (Fachagrarwirt für Golfplatzpflege) ist in Deutschland kein Ausbildungsberuf. Der Titel kann durch eine Meisterausbildung erlangt werden. Das Personal stammt aus typischen grünen Berufszweigen, wie Gärtner, aus der Landwirtschaft oder aus dem Forst. Jedoch können auch Personen aus artfremden Bereichen die Bezeichnung führen, nachdem sie zum Greenkeeper weiter geschult werden, um die Maschinenpflege auf einem Golfplatz zu garantieren. Diese weitergehende, zumeist drei Jahre dauernde Schulung, wird durch den Greenkeeperverband entweder in der Deula Rheinland oder Freising, beides von ihm beauftragte Schulen, ermöglicht. Zum erfolgreichen Abschluss muss eine Prüfung bestanden werden, die mit dem Handwerks-Meisterabschluss vergleichbar ist. In den USA kann man auch in drei Jahren Greenkeeping studieren. ott

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