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Die Grenzen zu Frankreich sind nahezu dicht

Unsere Zeitung hat einmal mehr nachgeschaut und nachgeforscht, ob alle Lücken geschlossen sind : Die Schleichwege haben ausgedient

Grenzübergänge in ganz ungewohnten Zeiten: Kein Motorengeräusch an sonst recht belebten Örtlichkeiten.

Sonnenüberfluteter Bliesgau: Wo sonst viele Autos auf den Straßen verkehren, sich viele Menschen auf dem Bliestal-Freizeitweg begegnen, herrschte am Sonntagnachmittag gähnende, fast schon gespenstische Leere. Dazu gehörten auch die Übergänge abseits der von der Bundespolizei ständig kontrollierten Grenzübergänge. Seit vielen Jahren sind sie für die Menschen wichtige, oft genutzte Brücken, um zwischen den beiden Nachbarländern hin und her zu fahren.

Es zeigte sich eindrucksvoll, dass der überwiegende Teil der Menschen im früheren „Zollgrenzbezirk“ die Verfügungen, wie sie die saarländische Landesregierung, aber auch der französische Staatspräsident ausgesprochen hatte, annehmen und befolgen.

Niedergailbachs Ortsvorsteher Martin Vogelgesang sagte, dass – außer den punktuell auftauchenden deutschen oder französischen Polizeistreifenwagen – fast niemand mehr die Straße zwischen Ober- und Niedergailbach befährt. Auch Hans-Bernhard Faas, Ortsvorsteher von Bliesmengen-Bolchen, konnte ein solches Verhalten feststellen. Außergewöhnlich sei lediglich die gute Frequentierung des Parkplatzes gegenüber der Pizzeria Il Ritrovo. Dort führt eine Fußgängerbrücke ins französische Blies-Schweyen. Vermutet wird, dass Leute ihr Auto hier parken, um dann zu Fuß über die Grenze zu wechseln. Vereinzelt wurde auch beobachtet, dass sowohl von deutscher als auch von französischer Seite nach dem Übergang ein anderes Fahrzeug bestiegen wurde.

Ortsvorsteher Axel Spies aus Peppenkum freut sich, dass wohl die Anordnungen bei den Menschen angekommen seien. Wo die gesamte Woche über viele französische Fahrzeuge den Weg von Peppenkum nach Guiderkirch in oft stark überhöhter Geschwindigkeit benutzen, hat sich die Situation total verändert. Nur vereinzelt waren Fahrzeuge zu sehen. Franz-Josef Fries, Leiter des Zollmuseums in Habkirchen und früher Zöllner, verglich die jetzige Situation der Beamten mit der, die er in den 1970er-Jahren in der Hochzeit des RAF-Terrorismus und beispielsweise bei der Fahndung des damals gekidnappten Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer erlebt hat. In dieser Zeit wurde die Grenze, insbesondere die „grüne Grenze“ wie die „Schleichwege“ genannt wurden, auch stärker kontrolliert. Dazu gehörte auch die Fußgängerbrücke zwischen Habkirchen nach Frauenberg. Er wohnt selbst in der Straße, konnte auch keine außergewöhnlichen Personenbewegungen feststellen. Außer einigen Spaziergängern oder Radfahrern hätte niemand die ansonsten gut frequentierte „Freundschaftsbrücke“ passiert.

Menschen- und fahrzeugleer präsentierte sich auch die Straße zwischen Riesweiler und Brenschelbach in Richtung Ormersviller. Auf der Grenze findet dort alljährlich im Sommer das „Bankfest“ statt, bei dem sich Deutsche und Franzosen treffen, wo 2001 ein Gedenkstein mit der Aufschrift: „Grenze trennte einst die Völker, vereint heute die Menschen“ errichtet wurde.

Der Weg in Richtung Ormersviller an der symbolträchtigen Bank, dem Gedenkstein mit der weißen Tafel (Bildmitte) und dem Grenzstein ganz rechts war am Montag menschenleer. Foto: Wolfgang Degott

Weitere Übergangsmöglichkeiten existieren zwischen der Bliesgersweiler Mühle und Blies-Guersviller, der Fußgängerbrücke am Schwimmbad von Sarreguemines in Richtung Sitterswald, von Hanweiler nach Sarreguemines, wie auch innerhalb des Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim. Doch alle Geschehnisse hielten sich mehr als im Rahmen.