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Der Hunacker Hof steht neuerdings auf einer breiten Basis

Toll, was es alles gibt in unserer Region : Der Run auf dieses Fleisch ist riesig

Japanische Gourmet-Rinder und spanische Schweine: All das und noch mehr hat der Hunacker Hof in Ormesheim zu bieten.

Selten genug kommt es vor, dass ein Nicht-Landwirt einen Bauernhof kauft und mit dem neuen Metier eine Erfolgsgeschichte schreibt. Doch Rüdiger König, der vor vier Jahren den Hunacker Hof in Ormesheim kaufte, ist auf dem besten Weg dorthin.

Eigentlich kommt er vom Bau. Bei einem großen Bauunternehmen saß er zuletzt in leitender Funktion im Betriebsrat. Doch ein wenig Landluft spielte für Rüdiger König immer eine große Rolle. In Bliesbruck steht sein Haus, eine Menge Land gehört dazu. Eine Reithalle kam im Lauf der Jahre dazu. Und Tiere, die nicht jeder züchtet, hatten es ihm schon damals angetan. „Wir züchteten nicht nur Schafe, sondern auch Zwerg-Zebu-Rinder. Dieses afrikanische Buckelrind hat zwar ein ausgezeichnetes Fleisch, wirtschaftlich ist die Zucht allerdings totaler Wahnsinn.“ König sah sich immer wieder um nach mehr Land, um seine Vorstellungen besser realisieren zu können. Als dann 2011 das Erzental bei Gersheim zum Verkauf stand, schlug er zu. Er begann, Wasserbüffel dort zu züchten. Aus den Häusern im Erzental machte er Ferienhäuser, die sich auch heute noch sehr gut vermieten. Der nächste Schritt kam 2014, als er mit dem früheren Eigentümer des Hunacker Hofs ins Gespräch kam. Mit dem Ergebnis, dass er im Januar 2015 als neuer Eigentümer dort heimisch wurde.

Damals hatte er noch die Vorstellung, auf dem neu erworbenen Hof ausschließlich Rinder zu züchten. Doch seit vielen Jahren haben dort Westernreiter ihre Hochburg, sie belegen viele Einstellplätze, und sie sorgen für eine überregionale Bekanntheit des Hunacker Hofs. König, mittlerweile mit Verstärkung durch seinen Sohn Dennis, entschloss sich, den Pferden weiterhin Platz zu lassen. Eine Bauleitplanung wurde auf den Weg gebracht, sogar eine zweite Reithalle errichtet und Platz vorgesehen für viele Einstellerboxen und einen großzügigen Hofladen. Der Betriebsrat seines damaligen Arbeitgebers musste auf König verzichten, zu viel Arbeit wartete auf dem Heidenkopf bei Ormesheim. Auch Dennis König arbeitet mittlerweile nur noch auf dem Hof, ebenso wie der Jüngste der Königs, der 19-jährige Sascha.

„Wir haben im Jahr fünf überregionale Western-Reitveranstaltungen. Da kommen Reiter aus der ganzen Republik. Für die haben wir jede Menge Gastboxen geschaffen. Leider in diesem Jahr coronabedingt ohne Nutzung“, erzählt Rüdiger König. Rinder bekamen ihren Platz auf den Weiden der Familie, allerdings außerordentlich edle japanische Wagyu-Rinder. „Wir stehen in Kontakt zu den renommiertesten deutschen Züchtern. Für jedes Rind gibt es umfassende Papiere, einen nachverfolgbaren Stammbaum, und lückenlose Herkunftsnachweise“, berichtet Dennis König, der mit großer Leidenschaft die Rinderzucht begleitet. Marmoriertes Fleisch der Spitzenklasse – das ist das Merkmal der Wagyu-Rinder. Und schmunzelnd erzählt Dennis von einem saarländischen Sternekoch, der sich die Rinder ansah, um dann fünfzehn Filets zu bestellen. Geht natürlich nicht, denn die Rinder werden komplett vermarktet. An vorgemerkte Kunden und über den derzeit eher provisorischen Hofladen, den mehrere Automaten bestimmen, an denen man küchenfertig eingeschweißtes Fleisch kaufen kann.Ein weiteres Standbein kam dazu. „Wir waren immer schon begeistert von der Fleischqualität der Iberico-Schweine. Schließlich haben wir deutsche Züchter gefunden, die uns Zuchttiere verkauften. Mittlerweile haben wir 26 Iberico-Schweine, unsere Zielvorstellung liegt bei 50“, so Dennis König. Mehr sollen es nicht werden, denn Massentierhaltung ist kein Thema. Die Tiere sollen einen möglichst natürlichen Lebensraum haben.

Lebensraum für Tiere – das sind in erster Linie Weiden. Und da beginnen die Probleme des Neu-Landwirts. „Wenn man ein solches Projekt anfängt, merkt man, dass man nicht nur Freunde hat“, berichtet Rüdiger König. „Wir haben versucht, so viele Weiden wie möglich zu pachten, aber es reichte nicht. Gut, dass der Eigentümer des Hartungshofs uns hier in der Nachbarschaft Weidefläche überlassen hat und damit unserem Hof Zukunft gibt“, freut sich der Landwirt, der derzeit rund 94 Hektar Grünland bewirtschaftet.

Vater und Sohn mit Herz für die Landwirtschaft – Dennis und Rüdiger König (von links) auf dem Hunacker Hof. Foto: Peter Gaschott

Ehefrau Anette Jarolimeck-König steuerte schließlich die Kontakte bei, die für die Weiterverarbeitung des Fleischs stehen. Ihr Bruder betreibt in Hanweiler eine kleine Lebensmittelmanufaktur. Dort werden Rinder wie Schweine küchen- oder gastronomiefertig zerlegt, dort entstehen Würste, Burgerpaddies und Konserven. Wer dann in den Automaten-Hofladen auf dem Hunacker Hof kommt, kann sich in Bestelllisten eintragen, denn der Run auf Wagyu-Rind und auf Iberico-Schwein ist riesig.