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Buchvorstellung des Gersheimers Hans Bollinger in Homburg

Hans Bollinger : Über Wandervögel „Auf vielen Straßen dieser Welt“

Der Gersheimer Hans Bollinger hat im Christian-von-Mannlich-Gymnasium in Homburg sein neues Buch vorgestellt.

„Ich will etwas zurückgeben“, sagte Hans Bollinger in der Aula des Homburger Christian-von-Mannlich-Gymnasium. Wenn der Gersheimer das von sich gibt, wirkt es mehr als glaubhaft. Bollinger hat es wieder getan: Ein neues Buch geschrieben. „Auf vielen Straßen dieser Welt – Mit Liedern unterwegs zu Abenteuern“, lautet der Titel. Zusammen mit der „Homburger Lesezeit“, der Reihe der Kreisstadt, stellte er es vor. Das Werk ist seit Mai auf dem Markt. Dreimal musste die Veranstaltung wegen Corona verschoben werden.

Dieses Mal ist es kein Werk über Polen, wofür der frühere Lehrer mehr als bekannt ist. Jetzt geht es um einen Großteil seiner Vergangenheit, die er mit vielen anderen gemeinsam hat: den Nerother Wandervogel, einen Jugendbund. Eine Verbindung, die in Neroth, einem Ort in der Vulkaneifel nahe Gerolstein, gegründet wurde und weltweit existiert. Es ging darum, Fahrten für Jugendliche zu unternehmen, die größtenteils zu Fuß erfolgten. Das Besondere: Nur das Ziel und die Teilnehmer waren klar. Nicht aber der Hinweg und alle weiteren Details. Das sei von Tag zu Tag neu geplant und organisiert worden, versicherte Hans Bollinger in seiner Begrüßungsrede den Gästen. Unter ihnen auch der Homburger Peter Theiss, zu dem Bollinger zufällig vor einigen Jahren in Kontakt kam und durch ein Jahrbuch verspätet erfuhr, dass der Unternehmer ebenfalls dem Neurother Bund angehört. Mit ihm hatte er sich nach dem Erstkontakt auf die Burg Waldeck in den Hunsrück begeben. Dem Ort, wo in den 60er Jahren alles begann. „Die Details der Fahrten versinken in den Hintergrund. Ich wollte alles festhalten“, erklärte der Autor die Hintergründe des Buches, das im Spurbuch-Verlag erschienen ist.

Was manchen neu war: Der 71-Jährige wurde damals „Bolle“ genannt. Über ein Jahr lang hat er recherchiert. Geschrieben hat er in aller Stille in Masuren. Das Ergebnis ist ein Buch mit rund 300 Seiten und die dazugehörige CD mit 25 Liedern. Einen Bezug zum Bliesgau hat das Buch/die CD auch: Die Fotos für das Cover entstanden auf der Landstraße von Peppenkum nach Utweiler. Es seien nicht nur die Erinnerungen an die weltweiten Erlebnisse und die Strecken, die bewusst wurden, erklärte Bollinger. Nein, es seien auch das Kennenlernen der fremden Kulturen und die Freundschaften, die daraus entstanden sind. Die meisten dauerten heute noch an, so der Mann, der auch als Musiker bekannt ist.

Damit sich die Gäste der Lesung auch in die Atmosphäre der damaligen Zeit hineinversetzen konnten, steuerte er ab und an, zusammen mit seinem Freund Eckhard Fischer, Lieder des Nerother Wandervogels bei. Der Kumpel, den man überwiegend als „Eckes“ kennt, ist selbst ein Wandervogel. Hans Bollinger sorgte aber auch für das ein oder andere „Ahhh“, welches im Publikum zu vernehmen war. Etwa, als man erfuhr, dass das populäre Lied „Wenn die bunten Fahnen wehen“, das Alfred Zschiesche schrieb, 1933 durch den Nerother Wandervogel veröffentlicht wurde. Oder, dass die Gründung des Bundes um 1900 als Protest gegen das Kaiserreich erfolgte und die alten Lieder eine indirekte Kritik daran darstellten. Die Wiedergründung nach dem Dritten Reich stellte ebenfalls ein Auflehnen dar: gegen den damals aufkommenden Massentourismus. Im Saarland fanden die Treffen meist in Wörschweiler, dem Heimatort Bollingers, statt. Improvisieren sei bei den Fahrten angesagt gewesen, betont Bollinger. Die Ausrüstung: Rucksack und Schlafsack. Aber kein Zelt. So wusste man oft morgens noch nicht, wo man abends schläft und etwa auf dem Festland nicht, wie man mit einer großen Gruppe Jugendlicher auf die Insel Madeira kommen sollte. Diese Problemlösungskompetenz helfe dem früheren Lehrer noch heute, erklärte er. Somit wirke der Neurother-Geist noch heute nach. „Die Zeit von 1968 bis 1974 war die schönste“, sagte Bollinger. „Ich will die Unterstützung an Hans zurückgeben, die ich erfahren durfte“, bedankte sich Christine Streichert-Clivot (SPD). Die Bildungsministerin ist eine ehemalige Schülerin des Pädagogen.