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Blühflächen dehnen sich im Bliesgau aus, und Landwirte machen mit

Ein Projekt im Sinne der Natur : Ganz laut soll es summen und brummen

Wie ist es aktuell bestellt um die Blühflächen im Biosphärenreservat Bliesgau? Ortstermin unter sengender Sonne.

Sie müssten nicht, aber sie tun es: Monika und Joseph Uth aus Reinheim, Landwirte im Nebenerwerb mit Getreideanbau. Das Ehepaar ist von Anfang an bei einem ganz bestimmten Projekt dabei. Es stellt Blühflächen zur Verfügung und hilft, wie einige andere Landwirte auch, dem Biosphärenreservat Bliesgau damit ein gutes Stück weiter. Ortstermin am frühen Dienstagnachmittag bei 33 Grad (ohne Chance auf Schatten) auf einem Blühstreifen vis à vis zur L105, zwischen Gersheim und Reinheim. Hier haben sich einige Akteure versammelt: Gerhard Mörsch, Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes mit Kollegin Anita Naumann, Richard Schreiner, der Kreisvorsitzende des Bauernverbandes sowie dessen Mitstreiter Alexander Welsch, der Schmetterlingsexperte Rainer Ulrich und Heike Sicurella, Ehrenamtsbeauftragte beim BUND.

Sie alle treibt ein bedeutsames Thema um: die Förderung biologischer Vielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen. Seit drei Jahren schon, so Gerhard Mörsch, läuft im Biosphärenreservat Bliesgau nun schon ein entsprechendes Projekt. Dieses Jahr kamen wieder neue Landwirte, aber auch Privatpersonen hinzu, sodass sich der Flächenumfang im Projekt mittlerweile sehen lassen kann. So sind in 2020 Flächen um Bliesmengen-Bolchen, Wittersheim und Kleinblittersdorf neu hinzugekommen. Aktuell wurde der Schmetterlingsexperte Rainer Ulrich beauftragt, einige der Blühflächen auf Insekten und Falter zu untersuchen.

Die gute Nachricht: in einem Gebiet in Webenheim hat der Fachmann die Malveneule gefunden, ein tagaktiver Nachtfalter (auch das gibt es), der vorher im Saarland noch nie beobachtet wurde. Das ist schon mal ein beachtlicher Erfolg des Programms „Landwirtschaf(f)t Vielfalt“. Gefunden hat er auch den Großen Feuerfalter, der europaweit gefährdet ist. Allerdings nur vier Prozent Wildinsekten, während die Honigbiene zu 95 Prozent vertreten war. Fazit: Die Blühmischung auf den Ackerflächen muss dünner ausgesät werden, damit offene Bodenstellen bleiben und die noch vorhandenen Ackerwildkräuter auch aufkeimen können. Und es müssen noch mehr Wildbienen Nahrung finden können, nicht nur die Honigbienen. 2021 soll das Projekt fortgesetzt und durch die Förderung des Saarpfalz-Kreises weiter unterstützt werden.

Auch der Bauernverband steht bei dem Thema Blühflächen, das sich in der ganzen Republik mehr und mehr in den Vordergrund drängt, alles andere als im Abseits. Denn auch er hat ein Programm aufgelegt, das Richard Schreiner und Alexander Welsch in seinen Grundzügen erläuterten. Es nennt sich hintersinnig „Saartenvielfalt“ (,,Das Saarland blüht auf“) und bietet Menschen, die etwas für die Natur tun möchten an, ihre ganz persönliche Grünfläche zu erwerben. Man legt zunächst einmal die gewünschte Blühfläche fest. Die Berechnung erfolgt pro Quadratmeter, Mindestbestellmenge sind 40 Quadratmeter (43 Cent/m2). Die Blühflächen werden mittlerweile an vielen Standorten im Saarland für die Dauer von zwei bis vier Jahren eingesät. Für diesen Zeitraum kann man das Areal auch buchen.

Landwirte und alle anderen Leute, die auch gerne mitmachen möchten beim Thema Blühflächen, können hier noch einiges andere mehr erfahren. Kontakt: Biosphärenzweckverband in Blieskastel: Tel. (06842) 96009-0; E-Mail: info@biosphaere-bliesgau.eu; www.biosphaere-bliesgau.eu; Bauernverband Saar: Tel. (0681) 90 62 30, E-Mail: info@bauernverband-saar.de; www.saartenvielfalt.de