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Altphilologe und Heimathistoriker aus Reinheim gestorben

Nachruf auf Wolfgang Mußzeyko : Kenner der antiken und der Reinheimer Geschichte

Der Alt-Historiker, Pädagoge und Buchautor Wolfgang Mußzeyko ist im Alter von 94 Jahren gestorben.

Wie jetzt bekannt wurde, starb Ende Juni der Reinheimer Wolfgang Mußzeyko in seiner Wahlheimat Petit-Réderching. Er wurde 94 Jahre alt. Nach seinem Studium der Altphilologie und Archäologie in Mainz, lehrte er bis 1983 am Ludwigsgymnasium Saarbrücken und der Universität des Saarlandes. Als anerkannter Pädagoge beschäftigte sich der Studiendirektor intensiv mit der antiken Geschichte. Er setzte sich als klassischer Philologe aber auch mit der regionalen Geschichte auseinander. So war es folgerichtig, dass sich der Studiendirektor mit großem Engagement auch beim Aufbau des Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim beteiligte. Mit seinem französischen Freund, Jean Schaub, der Anfang der 1970er-Jahre mit den Grabungen in Bliesbruck begonnen hatte, rückte danach auch das 1954 in Reinheim freigelegte Grab einer keltischen Fürstin wieder ins Bewusstsein der Menschen, und Mußzeyko trug dazu maßgeblich bei. Unvergessen ist die erste große Ausstellung Mitte der 1980er Jahre im Kulturhaus Gersheim, während der der jetzt Verstorbene mit seinen Zuhörern eine Zeitreise unternahm. Gersheims Ex-Bürgermeister Lothar Kruft stellte damals fest, dass während Mußzeykos bemerkenswerten Vortrags auch bei ihm Erinnerungen auftauchten: „Reale Geschichte der Lebensumstände der Menschen unserer Region verbunden und durchdrungen mit dem Hintergrundwissen römischer Kultur. Gottheiten, die uns im Linnenkugel begegneten, standen nun zum ersten Male in lebendiger Verbindung mit der Geschichte unserer Heimat.“ Neben zwei kleineren Werken „Das Wissen und Wollen zum Guten und Schönen“ und „Homerische Dichtung“, betätigte sich Mußzeyko auch als „Chronist.“ Gemeinsam mit seiner Mitstreiterin Gerda Müller stellte er das zweibändige Werk „Reinheim an der Blies – aus der Geschichte eines Grenzortes“ (1990) zusammen. Damit dokumentierten die beiden sowohl die weltliche als auch die kirchliche Historie des Grenzdorfes. Mußzeyko ergänzte sein „literarisch-geschichtliches“ Schaffen mit dem Bürgerbuch Reinheims „Einwohner von Reinheim – 1267 bis 1992“ (1993), das vornehmlich die sogenannten Ureinwohner interessiert. Gefragt war Mußzeyko, der schon früh dem archäologischen Verein des Saarpfalz-Kreises mit dem früheren Leiter der saarländischen Bodendenkmalpflege Walter Reinhard, angehörte, auch als profunder Kenner der Reinheimer St. Markuskirche. Während seiner vielen Führungen brachte er hunderten von Interessierten auch die Geschichte des Rundturmes und der aus dem Kloster Gräfinthal stammenden Inneneinrichtung nahe. Mußzeyko setzte mit Helfern aus dem Arbeitskreis Heimatpflege in Reinheim auch den Judenfriedhof an der Bebelsheimer Straße wieder instand.

Bürgermeister Michael Clivot würdigte das Lebenswerk von Wolfgang Mußzeyko als „unschätzbaren Beitrag zur Sicherung des geschichtlichen Erbes der Gemeinde Gersheim“. Seine letzte Ruhestätte findet Mußzeyko auf eigenen Wunsch in Kreta. Er hinterlässt seine Frau Christine.