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25 Jahre Begegnungen auf der Grenze in Gersheim

Begegnungen auf der Grenze : Seit 25 Jahren „Begegnungen auf der Grenze“

Der Verein bietet ein großes Programm zum Silberjubiläum. Zwischen dem 3. November und 10. Dezember gibt es als Jubiläumsangebot im Rahmen von deutsch-polnisch-französischen Kulturtagen zahlreiche Veranstaltungen.

Aus der Idee des damaligen Landrates Clemens Lindemann, in den Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim auch andere als an der Archäologie interessierte Menschen zu „locken“, entstand eine Erfolgsgeschichte: „Begegnungen auf der Grenze“. Wie schon beim Park war das „Projekt“ international angelegt. Das war 1995. Ein Jahr später gründete sich der gleichnamige Verein, der den Zusatz „Begegnungen auf der Grenze/Rencontres à la frontière/Spotkania na granicy“ bekam. Damals wie heute wird er vom ehemaligen Rektor der Gersheimer Gesamtschule, Geschäftsführer des Ökologischen Schullandheimes und Mitbegründers Hans Bollinger geführt. „Die Idee und Motivation von Beginn an trinational auszurichten, hatten wir im Sommer 1996 auf einer Reise nach Polen, als wir mit den Mitgliedern des Jazz Band Ball Orchestra in einem Krakauer Club zusammentrafen.“ Seither ist Gersheim, aber auch andere Orte im Bliesgau und darüber hinaus, zu einer Begegnungsstätte internationalen Austauschs und kultureller Ereignisse geworden. Neben zahlreichen lokal bedeutenden Künstlern hat es Konzerte beispielsweise mit Hannes Wader, Georges Moustaki, Klaus Hoffmann oder Konstantin Wecker gegeben.

Bollinger hob im Gespräch mit unserer Zeitung auch hervor, dass einer der wichtigsten Gründer-Bausteine das über Jahre hinweg stattgefundene Märchenfestival „Hinter den sieben Bergen – Märchenland Europa grenzenlos“, gewesen sei. Dort sei auch die polnische Gruppe Koralik aufgetreten und habe nicht nur bei den Gersheimer Schülern mit ihren „Märchentänzen“ Begeisterungsstürme ausgelöst.

Auch das „Literatur-Symposion“ mit seinem außergewöhnlichen musikalisch-literarischen Programm hat den Verein mit seinen Aktivitäten weit über die Grenzen des Bliesgaus hinaus bekannt gemacht. Es fanden zahlreiche Lesungen statt, die nicht nur im Kulturpark, sondern auch in vielen Orten der Region, diesseits und jenseits des nicht mehr existierenden Schlagbaumes durchgeführt worden waren. Eine der bekanntesten Gäste war vor 16 Jahren die polnische Nobelpreisträgerin Olga Tokarzuk. Nicht vergessen werden dürfen die auch heute noch angebotenen Matineen. Dazu haben sich in bescheidenem Rahmen aber auch konsequent in den letzten Jahren immer wieder viele Gäste zu den Konzerten in der Taverne im Kulturpark in Reinheim eingefunden.

Bollinger ist stolz darauf, dass durch die Arbeit, die vor einem Vierteljahrhundert begonnen worden sei, auch die deutsch-polnische Zusammenarbeit im Saarland ins Rollen gekommen und 2009 in einer Partnerschaft mit der Woiwodschaft Podkarpackie gemündet sei. Zudem sei die Partnerschaft des Saarpfalz-Kreises mit dem polnischen Landkreis Przemyśl ein Kind von „Begegnungen auf der Grenze“. Mit Fug und Recht könne behauptet werden, dass sich der damalige saarländische Umweltminister Stefan Mörsdorf das „Gerüst“ zur Gründung und internationalen Ausrichtung von Spohns Haus, wie sich das ökologische Schullandheim in Gersheim nennt, bei Begegnungen auf der Grenze geholt habe.

Die „Trinationalität“ des Bildungshauses in der Biosphäre Bliesgau ist eine wichtige Komponente bei der Bildungsarbeit, aber auch den Begegnungen der Kinder und Jugendlichen. Dort seien, so Bollinger, auch viele heute bestehende und gut funktionierende Schulpartnerschaften initiiert worden. „Uns ist es gelungen, viele Jugendliche und Erwachsene für die Kultur unserer beiden Nachbarstaaten zu sensibilisieren, Vorurteile abzubauen und neugierig auf die gemeinsame Geschichte zu machen, die nicht immer einfach war“, so Bollinger.

Weitere Vorstandsmitglieder sind der stellvertretende Vorsitzende Gerd Schwiersch, Schriftführerin Gaby Schwartz, Kassierer Jerzy Wegrzynowski und die Beisitzer Manfred Schwartz und Silvia Dappers.

Obwohl die letzten anderthalb Jahre wegen der Pandemie kaum internationalen Austausch zugelassen habe, wird unter der Schirmherrschaft des saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans zwischen dem 3. November und 10. Dezember als Jubiläumsangebot bei deutsch-polnisch-französischen Kulturtagen ein abwechslungsreiches Programm präsentiert. Beginn ist im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Es folgen musikalische, künstlerisch und literarische Einblicke und Austauschmöglichkeiten. Zu den Höhepunkten zählen während der fünf Wochen sowohl die Podiumsdiskussion „30 Jahre Weimarer Dreieck“ im Gut Königsbruch am Donnerstag, 25. November, wie auch die Lesung von und das Gespräch mit der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokurazuck am Donnerstag, 9. Dezember, im Großen Sendesaal des Saarländischen Rundfunks auf dem Saarbrücker Halberg. Hervorzuheben seien noch zwei Konzerte in Blieskastel: am 27. November. in der Schlosskirche mit Christian Schmitt (Orgel), Tatjana Ruhland (Flöte) und Daniel Bollinger (Klarinette) und am 4. Dezember in der Christuskirche in Mimbach mit dem Chor der Universität Rzeszów (Polen) mit Weihnachtsliedern zusammen mit dem Landesjugendchor Saar.

 Der Landesjugendchor der Universität Rzeszów ist einer der Attraktionen im Festprogramm des Vereins.
Der Landesjugendchor der Universität Rzeszów ist einer der Attraktionen im Festprogramm des Vereins. Foto: Landesjugendchor

Der Vorverkauf hat zu allen Veranstaltungen begonnen. Karten gibt es bei Ticket Regional www.ticket-regional.de/bollinger, Hotline (0651) 9 79 07 77. Weitere Informationen: www.begegnungen-auf-der-grenze.eu und info@begegnungen-auf der-grenze.eu.