Foodsharing Homburg rettet Lebensmittel vor der Mülltonne

Kostenpflichtiger Inhalt: Gegen Verschwendung von Lebensmitteln : Zu schade für die Mülltonne

Die Mitglieder des Foodsharing-Netzwerks Homburg retten Lebensmittel vor der Tonne. Weitere Mitstreiter sind willkommen.

Die Problematik ist eigentlich unstrittig: Es werden viel zu viele Lebensmittel unnötig weggeworfen. Kiloweise entsorgen Supermärkte Obst, Gemüse und Milchprodukte mit nur kleinen Schönheitsfehlern, die nicht verkauft wurden, oder weil das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) abläuft. Deshalb will der Verein Foodsharing e.V. „Lebensmittel vor der Tonne retten, die ansonsten weggeworfen würden, obwohl sie eigentlich noch gut sind“, so beschreibt Jana Gülker vom Foodsharing-Netzwerk Homburg die Grundidee. Gülker, die aus der Nähe von Münster stammt und in Homburg Medizin studiert, hat sich schon früh für das Thema Nachhaltigkeit interessiert. Das Homburger Netzwerk wurde vor eineinhalb Jahren gegründet und  ist ein „Ableger“ des Saarbrücker Foodsharing-Vereins.   Ungefähr 120 Menschen sind derzeit in der Homburger Gruppe angemeldet, der „harte Kern“, so Jana Gülke, seien rund 15, die sich als „Foodsaver“ zu  deutsch Lebensmittel-Retter“,   engagieren, vorwiegend aus dem studentischen Umfeld.

Die Foodsaver holen bei den Betrieben fünfmal pro Woche übrig gebliebene Waren, in der Hauptsache Brot, Obst, Gemüse, Salat und Milchprodukte, ab.  Meist sind das Lebensmittel mit kleinen Schönheitsfehlern, die zu schade zum Wegwerfen sind, von den Kunden aber nicht mehr gekauft werden. Oder Produkte, die aus den Regalen geräumt werden, „weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft –„ die Betriebe dürfen die Lebensmittel dann von Rechts wegen nicht mehr verkaufen“, erklärt Gülker. Wichtig sei das Verbrauchsdatum, zum Beispiel bei frischem Fisch, Hackfleisch oder Eiern. Lebensmittel, die das Verbrauchsdatum überschritten haben, dürfen auch bei Foodsharing auf keinen Fall mehr geteilt werden. Wenn  möglich, sind die Abholer auch mit dem Fahrrad unterwegs – im Sinne eines nachhaltigen Umwelt- und Konsumgedankens.

Wer bei Foodsharing mitmacht, will primär verhindern, dass Lebensmittel unnötig weggeworfen werden, und verbraucht diese in der Regel auch selbst beziehungsweise verteilt sie an Freunde, Verwandte, Nachbarn – Abnehmer finden sich immer. Die anderen geretteten Lebensmittel kommen in den gemeinsamen „Fairteiler“, ein Kühlschrank, der für alle Mitglieder zugänglich ist.

„Bei gekühlten Produkten beispielsweise muss die Kühlkette aufrecht erhalten werden. Und der Kühlschrank wird selbstverständlich mehrmals in der Woche kontrolliert und  gereinigt“, weist Gülker auf die Einhaltung von Hygienestandards hin.  Jedes Mitglied  ist selbst in der Verantwortung für das, was geteilt und verzehrt wird.  „Man merkt ja, wenn man einfach seine Sinne benutzt, ob etwas noch genießbar ist oder nicht.“ Entnommen werden dürfen haushaltsübliche Mengen.  Und:  „Es ist verboten, die Lebensmittel in irgendeiner Form zu veräußern. Alles Gerettete darf nur verschenkt werden.“

Jana Gülker vom Foodsharing-Netzwerk Homburg. Foto: Jennifer Klein

Foodsharing kooperiert in Homburg zurzeit mit zwei Betrieben. Die Mengen, die anfallen, sind ganz unterschiedlich,  im Schnitt seien es rund 15 Kilo Lebensmittel pro Woche, schätzt sie. „Manchmal auch mehr – einmal hatte ein Laden aufgrund einer Fehlbestellung zwölf Wassermelonen übrig, oder 70 Liter Saft“.

Wertschätzung für Lebensmittel

Privatleute, die Lebensmittel übrig haben und abgeben beziehungsweise retten wollen, können das über ein eigenes Forum bei Foodsharing  mit sogenannten „Essenskörben“ tun. Hier vereinbaren sie dann privat einen Termin zur Abholung der Speisen.  In allen Fällen gilt „Teile nur das, was du auch selbst konsumieren würdest“. Mit Bedürftigkeit hat das Foodsharing-Prinzip  übrigens weniger zu tun. Auch wenn es Gemeinsamkeiten mit der Arbeit der Tafeln gibt, und die Foodsaver sich teilweise von kostenlosen Lebensmitteln ernähren, spielt  der Aspekt der Bedürftigkeit eine untergeordnete Rolle.  „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu den Tafeln. Natürlich sind wir froh, wenn wir in Einzelfällen auch Bedürftigkeit lindern können“, sagt Jana Gülker, „aber in der Hauptsache geht es darum, den Leuten ins Bewusstsein zu rufen, Nahrung und Lebensmittel wertzuschätzen“. Und wenn dann 10 Kilo Obst übrig sind, beschäftigt man sich schon damit, wie man das verarbeiten kann – ohne  Lebensmittelverschwendung müsste es Initiativen wie Foodsharing nicht geben. „Bis es soweit ist, sind wir um jeden froh, der sich engagiert.“

Bisher wird das Homburger Foodsharing-Netzwerk hauptsächlich von Studenten getragen, „aber wir möchten gerne einen größeren Kreis erschließen“, sagt Jana Gülker.  Denn bei Foodsharing mitmachen kann jeder.“

Die Volkshochschule bietet am Montag, 21. Oktober, 18 Uhr, Saal 3 der Hohenburgschule, eine kostenlose Infoveranstaltung zum Thema Foodsharing mit Jana Gülker und weiteren Mitgliedern des Netzwerks an. Ziel ist es, die Unterstützung möglichst vieler Homburger zu gewinnen. Anmeldung:  E-Mail vhs@homburg.de, Tel. (0 68 41) 101-106.

https://foodsharing.de/

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