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Förderverein Kükenkoje am UKS in Homburg kümmert sich um Frühgeborene

Förderverein Kükenkoje : Damit der Frühstart ins Leben gelingt

Hilfe für „Frühchen“, frühgeborene Kinder, und ihre Eltern bietet der Förderverein Kükenkoje. An diesem Freitag lädt der Verein zu einem Kennenlern-Fest ein.

So haben sich die frischgebackenen Eltern den Start ins Leben mit ihrem Baby bestimmt nicht vorgestellt: in der Kinderklinik, das kleine Wesen auf der Intensivstation, womöglich umgeben von Schläuchen und Versorgungsmaschinen, Beatmungs-, Überwachungs- und Infusionsgeräten. Auch wenn die Eltern wissen, dass ihr Kind medizinisch bestens versorgt ist, so wünschen sie sich doch, es in der Nähe zu haben und mit ihm zu kuscheln. Und es sind oft bange und intensive Wochen für die Eltern, die mit vielen Fragen und Unsicherheiten verbunden sind.

„Wir wollen Eltern von Frühgeborenen in dieser Zeit mit ihrem Kind unterstützen“, erklärt Lisa Eder, Mitarbeiterin der Kinderklinik und zweite Vorsitzende der Kükenkoje, Förderverein für Frühgeborene in Homburg. In dem Verein unter dem Vorsitz von Kathrin Müller haben sich betroffene Eltern, Ärzte und Pfleger zusammengeschlossen – um Eltern und Kindern zu helfen, aber auch, um in der Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Frühchen oder frühgeborene Kinder zu lenken, das vielen kaum im Bewusstsein sei. „Erst wenn es einen selbst betrifft, oder jemandem im Freundeskreis zum Beispiel, beschäftigt man sich damit.“

Normalerweise dauert eine Schwangerschaft 40 Wochen. Als Frühgeburt gelten Babys, die vor der 37. Woche auf die Welt kommen. In Deutschland gilt das Erreichen der 23. Schwangerschaftswoche als Grenze der Lebensfähigkeit von Frühgeborenen mit medizinischer Hilfe. Grund für eine vorzeitige Geburt können zum Beispiel Störungen an der Gebärmutter oder Plazenta sein, Infektionen während der Schwangerschaft, aber auch chronische Erkrankungen.

Im Jahr 2018 machte Baby Saybie Schlagzeilen: Mit nur 245 Gramm Gewicht gilt das im Dezember in San Diego im Sharp-Mary-Birch-Hospital geborene Mädchen als bis dato kleinstes Frühchen. Dank großer Fortschritte in der Frühgeborenenmedizin sind die Überlebenschancen von Frühchen deutlich gestiegen.

Das Perinatal-Zentrum der Universitäts-Kinderklinik in Homburg ist auf Level 1 eingestuft, was maximale Qualität und Standards für die kleinen Patienten bedeutet. Die Klinik kümmert sich bestmöglich um die medizinische Versorgung – auf der Intensivstation KK-01 mit 16 Betten werden die Früh- und Neugeborenen in Intensivinkubatoren und Wärmebetten betreut. Sobald keine Beatmung mehr nötig ist, werden die Kinder auf die Nachbarstation KK-02 verlegt, hier gibt es 25 Betten.

„Die Eltern werden soweit wie möglich eng in die Behandlung und Pflege ihres Kindes miteinbezogen“, sagt Lisa Eder – da die Kinder meist länger, Wochen oder gar Monate, im Krankenhaus bleiben, gibt es für Eltern die Möglichkeit, im nahe gelegenen Ronald-McDonald-Haus auf dem Gelände des Uniklinikums zu wohnen, um möglichst nahe bei ihrem Kind sein zu können. „So können Eltern früh, auch bei sehr kleinen Frühchen eine enge Bindung zu ihrem Kind aufbauen“, erklärt Lisa Eder. Und auch der möglichst enge Körperkontakt ist wichtig. Dafür wird das Frühgeborene der Mutter beziehungsweise dem Vater auf die Brust gelegt. Durch diese so genannte „Känguru-Methode“ erlebt das Frühchen Wärme und Nähe der Eltern, so oft es immer möglich ist.

Die Kükenkoje hilft bei verschiedenen Dingen, die den Aufenthalt für Kinder und Eltern erleichtern und verbessern. Dazu gehören unter anderem auch Schulungen für das Personal, zum Beispiel im Umgang mit dem Tragetuch oder in der Stillberatung. Denn so früh wie möglich erhalten die Kleinen Muttermilch. Auch den Aufbau einer Frauenmilchbank am UKS (wir berichteten) will der Förderverein unterstützen. Was in früheren Zeiten eine Amme leistete, soll die Frauenmilchbank sein. Mütter, die selbst keine oder nur wenig Muttermilch haben, können so auf Muttermilchspenden anderer Mütter zurückgreifen.

Auch Stillkissen wurden vom Förderverein angeschafft und bequeme Stühle für die Mütter, die nach einem Kaiserschnitt oft Schmerzen beim Sitzen haben.

Für die Frühchen wurde spezielle Kleidung besorgt, die zum Beispiel auch bei der Versorgung mit Infusionsschläuchen nicht hindert, ebenso Lagermaterialien – die Kleinen müssen regelmäßig umgelagert werden.

Auch beim Übergang in den Familienalltag begleitet und unterstützt der Verein. So gibt es zum Beispiel einen Geschwisternachmittag. Denn die älteren Kinder wollen natürlich wissen, warum Mama denn nicht mit dem Baby nach Hause kommt, und warum die Eltern so oft weg sind. „Und nach Wochen oder Monaten mit dem Kind auf der Intensivstation fällt der Wechsel in einen normalen Alltag vielen Eltern nicht leicht“, erklärt Lisa Eder. Nach der langen Zeit mit spezialisierten Pflegekräften sind sie nun auf einmal allein für ihr Kind verantwortlich, und müssen erst Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten gewinnen. Hier gibt es Angebote zur Nachsorge.

Auch Forschungsprojekte unterstützt der Verein, aus deren Erkenntnissen sich dann neue Strategien für weitere Verbesserungen in der Versorgung der kleinen Patienten ableiten lassen.

Der Verein finanziert sich über Spenden, weitere Unterstützer sind stets willkommen. Weitere Infos und Kontakt zum Förderverein Kükenkoje gibt es per E-Mail info@kuekenkoje.de oder auch im Internet

Logo des Fördervereins. Foto: Kükenkoje

www.kuekenkoje.de