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Feldarbeit war wichtiger als Schule Ein Drittel der Kinder kommt aus Altstadt

Feldarbeit war wichtiger als Schule Ein Drittel der Kinder kommt aus Altstadt

Altstadt. Eiserne Ziffern über dem Eingangsportal markieren augenfällig das Jahr, in dem die Altstadter Schule eröffnet wurde: 1930. Es war wirtschaftlich keine gute Zeit, Reichskanzler Brüning verordnete dem Land einen eisernen Sparkurs, der die Anzahl der Arbeitslosen auf fast fünf Millionen trieb

Altstadt. Eiserne Ziffern über dem Eingangsportal markieren augenfällig das Jahr, in dem die Altstadter Schule eröffnet wurde: 1930. Es war wirtschaftlich keine gute Zeit, Reichskanzler Brüning verordnete dem Land einen eisernen Sparkurs, der die Anzahl der Arbeitslosen auf fast fünf Millionen trieb. In Altstadt lebte man damals hauptsächlich von der Landwirtschaft und trotz der relativen Armut mangelte es wenigstens nicht an Nachwuchs. Daher auch die Notwendigkeit einer Schule. Inzwischen hat sich das Bild geändert, es herrscht einerseits keine Armut mehr, es gibt andererseits aber nicht mehr genügend Kinder, um die Altstadter Schule zu füllen. Wie es weitergeht mit dem stattlichen Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, ist nach wie vor ungeklärt. An eine eigenständige Grundschule im kleinsten Kirkeler Ortsteil ist jedenfalls nicht mehr zu denken. Und auch die Zeiten, in denen sie als Filiale von Limbach noch einige Klassen beherbergt hat, sind inzwischen passé. Dass die protestantische Kindertagesstätte "Pusteblume" darin untergebracht ist, bis ihr Neubau auf dem Limbacher Theobald-Hock-Platz bezugsfertig ist, gibt aber immerhin zeitlichen Spielraum, um über Nutzungsmöglichkeiten nachzudenken. Ein neues Domizil für die Bücherei, Aufbewahrungsort für die regionale Gesteinssammlung des vor zweieinhalb Jahren verstorbenen Altstadter Geologen Arno Hübler, Treffpunkt und feste Bleibe für örtliche Vereine, gehören zu den Vorschlägen. Nahezu drei Jahrhunderte reichen die Ursprünge der Altstadter Schulhistorie zurück. Der 1986 verstorbene Lehrer Wilhelm Ulrich hatte in seinen Recherchen die Geburtsstunde der örtlichen Schule im Jahr 1717 ausgemacht. Den Stein ins Rollen brachte der damals amtierende lutherische Pfarrer Johannes Hildebrandt, der "mit einer geharnischten Eingabe an die Herrschaften in Ottweiler und Saarbrücken herantrat und verlangte, dass man dem Schulmeister ein Einkommen geben müsse, mit dem er einigermaßen subsistieren und beständig allda verbleiben könne". Der Geistliche sah sich deswegen zu seinem Plädoyer genötigt, weil man sich in "Altenstatt" nicht damit abfinden wollte, die Kinder regelmäßig zur Schule zu schicken: "Ja, man wollte sogar den Dorflehrer gerne los sein, um die finanzielle Belastung zu vermindern und die Kinder als billige Arbeitskräfte bei der Feldarbeit einsetzen zu können." Sieben Jahre brauchten die Behörden, um über des Pfarrers Eingabe zu befinden, 1724 stand das erste Altstadter Schulhaus - dort, wo die Lappentascher Straße in die Ortsstraße mündet. Das heutige Gebäude war ein dringend benötigter Neubau, der schon vor dem Ersten Weltkrieg geplant, wegen Geldmangels aber immer wieder verschoben worden war, bis es 1930 soweit war. bam/maaAltstadt.Am 1. August 2006 war es soweit: Die Altstadter Kinder gingen allesamt zur Schule nach Limbach. Diesem Entschluss waren harte Kämpfe um den Erhalt des Schulstandortes Altstadt vorangegangen. Wir befragten dazu den Leiter der Grundschule Limbach, Reinhard Werner.Vor vier Jahren haben Sie das hin- und herpendeln der Kinder von Altstadt nach Limbach und umgekehrt beendet. Wie ist die Stimmung seitdem?Werner: Über den Entschluss herrscht seit vier Jahren absolute Ruhe, mir persönlich wurde keinerlei Beschwerde überbracht. Es mag sein, dass es nach wie vor Eltern in Altstadt gibt, die sich ärgern, aber das dringt nicht zu mir und stört mich deshalb auch nicht weiter. Sind die Kinder zufrieden mit der Limbacher Grundschule?Werner: Ich denke schon, wir haben die schöne Schule, den neuen Pavillon, die Kinder können hier spielen, essen, lernen, für alles ist bestens gesorgt. Wie viele Kinder kommen aus Altstadt hierher?Werner: Ungefähr ein Drittel der Kinder. Die kommen mit dem Bus oder werden von elterlichen Fahrgemeinschaften gebracht. Wer weiter weg wohnt, bekommt die Busfahrkarte von der Gemeinde bezahlt. Wie sieht die demographische Entwicklung in Limbach aus? Spüren Sie einen Rückgang?Werner: Wir hatten mal 245 Kinder, jetzt sind's 177. Aber wir werden auch weiterhin zweizügig bleiben, das ist gesichert. Aber es gibt für uns einen weiteren Pluspunkt- es kommen Kinder von auswärts zu uns; die Eltern suchen bewusst unsere Schule aus. Übrigens nutzen 80 Kinder die Nachmittagsbetreuung, weil sie gerne auf dem schönen Gelände mit ihren Freunden zusammen sind.maa