Partnerschule gesucht: Ein Stück Kap Verde im Saarland

Partnerschule gesucht : Ein Stück Kap Verde im Saarland

Rolf-Dieter Müller aus Homburg-Sanddorf vertritt als Honorarkonsul die westafrikanische Republik Kap Verde.

Kap Verde, auf portugiesisch Cabo Verde – da tut sich bei den meisten erst mal ein großes Fragezeichen auf. Segler und Taucher kennen die Inselgruppe im Atlantik vor der westafrikanischen Küste als gutes Wassersportrevier …aber sonst? Bleibt das „Grüne Kap“ doch eher ein Geheimtipp. Insel-Fans ganz besonderer Art sind Rolf-Dieter Müller und seine Frau Gudrun. Denn sie beherbergen in ihrem Haus das Honorarkonsulat der Republik Kap Verde im Saarland.

Ein nicht ganz alltägliches Ehrenamt, zu dem Rolf-Dieter Müller vor rund 25 Jahren eigentlich eher „per Zufall“ gekommen ist. Damals arbeitete er als Volkswirt beim Ingenieurbüro Pabst und Partner in Saarbrücken und kümmerte sich um Projekte in der Entwicklungshilfe. Im gleichen Gebäude war auch das Honorarkonsulat des Senegal untergebracht – und dort meldete sich eines Tages Antonio Pires, ein junger Mann von den Kapverden, der im Saarland studieren wollte. Er suchte vergebens ein Konsulat seiner Heimat und wendete sich daher ans Konsulat des Senegal. Müller lernte ihn durch Zufall kennen, half ihm, bürokratische Hürden zu überwinden und im Saarland Fuß zu fassen. Nach dem Studium kehrte Pires in seine Heimat zurück, beide verloren sich aus den Augen. Als Antonio Pires dann Jahre später bei Rolf-Dieter Müller anrief, fiel der aus allen Wolken. Pires war zwischenzeitlich Botschafter der Republik Kap Verde geworden und trug nun seinem Freund von damals ein Honorarkonsulat an. Das war 1993. Das Honorarkonsulat war lange in Saarbrücken, vor vier Jahren verlegte Rolf-Dieter Müller es in die obere Etage seines Hauses in Sanddorf. Dort wird dann zum Beispiel auch die kapverdische Flagge gehisst und ein offizielles Wahlbüro eingerichtet für die in Deutschland lebenden Kapverder, wenn auf den Inseln Wahlen sind.

Für Müller, der als selbständiger Volkswirt Infrastrukturprojekte zum Beispiel im Straßenbau oder in der Wasserversorgung unter wirtschaftlichen Aspekten begleitet und prüft,  und seine Frau läuft das Ehrenamt keineswegs nur „nebenbei“. Denn verbunden mit dem Konsulat war auch – auf Wunsch des Botschafters – die Einrichtung eines Reisebüros. Das führt Gudrun Müller, die  Touren für Reisende aus ganz Deutschland auf die Inseln im Atlantik organisiert. „Im Gegensatz zu den Kanaren sind die Kapverden bei uns noch relativ unbekannt“, erklärt Gudrun Müller. Die 15 Inseln, von denen neun bewohnt sind, teilen sich auf in die nördlichen „Inseln über dem Wind“ und die südlichen Inseln „unter dem Wind“ – was ja geradezu poetisch klingt. Bis 1975 waren die Kapverden portugiesische Kolonie, die Amtssprache ist noch heute Portugiesisch, daneben wird das Kreol der Kapverdischen Inseln Crioulu gesprochen.

 In früheren Zeiten lockten die Inseln – reich geworden durch den Sklavenhandel – immer wieder Händler, aber auch Abenteurer, Piraten und Korsaren an. Heute schwärmen Besucher von den Stränden, der landschaftlichen Schönheit und Vielseitigkeit, und der spannenden Mischung aus europäischen und afrikanischen Einflüssen:  Am stärksten afrikanisch geprägt ist die Insel Santiago mit der Hauptstadt Praia, die im 15. Jahrhundert von portugiesischen Seefahrern entdeckt wurde. Sie gaben den Inseln auch den Namen Cabo Verde, zu deutsch „grünes Kap“, was jedoch nicht von der üppigen Vegetation herrührt, sondern von der grünen Westküste Afrikas. Schon Christoph Kolumbus, der 1498 auf seiner dritten Reise nach Amerika die Kapverden streifte, merkte an, dass die Bezeichnung „grünes Kap“ nicht passend sei. Die Inseln haben viele Gesichter: Fogo, die „Feuer-Insel“, ist benannt nach dem (noch immer aktiven)  Vulkan, dessen schwarze Spitze meist in den Wolken verborgen ist. Sal und Boavista sind mit Traumstränden ein Paradies für Badeurlauber.  Santo Antao ist landschaftlich sehr abwechslungsreich: hohe Felsen, tiefe Schluchten, verträumte Dörfer – Idylle fernab der Zivilisation, keine Spur von Hektik und Massentourismus.

Während zum Beispiel in und rund um die  Hauptstadt Praia verhältnismäßig großer Wohlstand herrscht, gibt es auch bitterarme Landstriche im Hinterland – mit ein Grund, warum ein großer Teil der kapverdischen Bevölkerung die Inseln verlässt, um anderswo Arbeit zu suchen – auch in Europa. „Es leben mehr Kapverder im Ausland, als auf den Inseln“, erklärt Müller, viele davon in Boston in den USA, und in Paris.

Aber auch in Luxemburg hätten sich zahlreiche Kapverder angesiedelt; sie arbeiteten in der Hauptsache in der Baubranche – vom Bauarbeiter bis zum Ingenieur. Oder in der Seefahrt, im Schiffsbau oder der Fischerei – was mit ein Grund dafür ist, dass auch in Hamburg eine große Gruppe Kapverder lebt. Dort angesiedelt ist auch der Europäisch-Kapverdische Freundeskreis, zu dem Rolf-Dieter Müller gute Kontakte pflegt. Der Freundeskreis setzt sich für zahlreiche Projekte ein, von der Meerwasserentsalzungsanlage bis zum Kindergarten-Neubau.

Da im Saarland selbst keine Kapverder leben, ist das Hauptanliegen des Konsuls ehrenhalber, die Kontakte auf anderer Ebene zu intensivieren: einerseits im wirtschaftlichen Bereich, wo zum Beispiel in der Fischerei (Thunfisch ist eine bedeutende Einnahmequelle), aber auch im Tourismus Chancen liegen. Andererseits vermittelt Müller Kontakte für Schul- oder auch Städtepartnerschaften (siehe neben stehenden Text).

Die Kinder der Escola Primera in Nhagar freuen sich über die Musikanlage, die mit Unterstützung der Partnerschule in Furpach angeschafft wurde. Foto: Rolf-Dieter Müller
Rolf-Dieter Müller und Gudrun Müller mit der kapverdischen Flagge. Im Hintergrund: ein Bild von Presidente Jorge Carlos Fonseca. Foto: Jennifer Klein

Auch wenn das oft bedeutet, Geduld zu haben und dicke Bretter zu bohren   – „viele haben bereits Mühe, bestehende Städtepartnerschaften zu pflegen. Und so etwas steht und fällt immer mit Menschen, die sich persönlich engagieren, und das mittragen wollen“ – wirbt er bei Schulen und Bürgermeistern für die Kapverden. Denn für Rolf-Dieter Müller ist das Ehrenamt längst weniger eine Verpflichtung als vielmehr eine Herzensangelegenheit.

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