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Die Geschichte der Juden und des Jazz

Die Geschichte der Juden und des Jazz

Bexbach. Der historische Bahnhof Bexbach öffnet am Sonntag, 12. September, anlässlich des Tag des offenen Denkmals seine Pforten. Und in der Schalterhalle, sonst Proberaum vom Chor Gleis 1, wird um 18 Uhr hoffentlich wieder Kultur-Kneipen-Atmosphäre zu spüren sein

Bexbach. Der historische Bahnhof Bexbach öffnet am Sonntag, 12. September, anlässlich des Tag des offenen Denkmals seine Pforten. Und in der Schalterhalle, sonst Proberaum vom Chor Gleis 1, wird um 18 Uhr hoffentlich wieder Kultur-Kneipen-Atmosphäre zu spüren sein. Zusammen mit der Klezmer-Jam aus Saarbrücken lädt der Chor erneut zu einem Abend ein, in dem Klezmer-Musik im Mittelpunkt steht, bei dem es aber auch etwas für den kleinen Hunger gibt. Und es wäre schön, wenn die Besucher etwas mehr Zeit mitbringen als die gute Stunde für das musikalische Programm, schreiben die Veranstalter. Aber was ist Klezmer-Musik eigentlich?Da hilft etwa das Musical "Anatevka" oder der Disneyfilm "Feivel, der Mauswanderer" weiter. Beide Geschichten erzählen von einer großen Wanderungsbewegung von Juden aus Osteuropa nach Amerika. Sie hatte ihren Höhepunkt 1881 nach einem Attentat auf den russischen Zaren, also ein halbes Jahrhundert vor 1933, erläutern die Veranstalter weiter. Welche bedeutende Rolle die jüdischen Einwanderer bald im Musikleben der Vereinigten Staaten spielten, belegen Namen wie George Gershwin oder Leonard Bernstein. In Manhattan wurden jiddische Operetten produziert und der erste Tonfilm "The Jazz Singer", der 1927 erschien, erzählt die Geschichte eines jüdischen Kantorensohns, der mit schwarz geschminktem Gesicht als Star einer Minstrel-Show, bei der Weiße in Form von Stereotypen Schwarze darstellen, auftritt. Die traditionelle Festmusik der osteuropäischen Juden nahm Einfluss auf die Entwicklung des Jazz und umgekehrt. Berührungspunkte gab es viele. Harry Thacker Burleigh, der als erster schwarzer Student am New Yorker Konservatorium eingeschrieben war und den harmonischen Stil des Spirituals prägte, war beispielsweise als Sänger am jüdischen Tempel Emanu-El angestellt. Während sich in Amerika Klezmer zu einer Unterhaltungsmusik weiterentwickelte, die jüdisch und amerikanisch klang und auch einem Publikum gefallen wollte, das die alten Tonleitern der Synagoge nicht mehr identifizieren konnte, habe die Tradition in Osteuropa ihr Ende gefunden. Mitte der 70er Jahre entdeckten Studenten und junge Musiker, die Kinder und Enkel der Einwanderer, die alten Schellack-Platten und begeisterten sich für die Musik der Eltern. Erst jetzt wurde der Name Klezmer, der eigentlich einen Musiker bezeichnete, auf die Musik übertragen. Heute wird Klezmer sowohl von ultra-orthodoxen Chassidim in Israel gespielt als auch von nichtjüdischen Jazzbands in Finnland und Südamerika. Dass es dabei sehr unterschiedliche Stilrichtungen und unterschiedliche Definitionen des Begriffs gibt, versteht sich von selbst. Das Programm in Bexbach besteht zum weitaus überwiegenden Teil aus Liedern und Stücken, die in Amerika entstanden sind, aber nicht ausschließlich. Das Lied "Shtil, di nakht is ojsgesternt" erzählt die Geschichte eines Mädchens im polnischen Widerstand. redKarten für zwölf Euro (inklusive "Small-Buffet") gibt es im Vorverkauf bei den Sängerinnen und Sängern vom Chor Gleis 1 und im Creativ-Shop in Bexbach, Rathausstraße 35.