Wo die Geschichte lebendig wird

Blieskastel. "Das ist der schönste Renaissancebau des Saarlandes", schwärmt Stadtführerin Luitgard Glaser über die Orangerie im barocken Garten der alten Schlossanlage. Der Name Orangerie sei jedoch irreführend. Der lange Bau mit seinen Arkaden und toskanischen Halbsäulen habe nach seiner Erbauung 1669 ursprünglich als Lust- und Wandelhalle gedient

Blieskastel. "Das ist der schönste Renaissancebau des Saarlandes", schwärmt Stadtführerin Luitgard Glaser über die Orangerie im barocken Garten der alten Schlossanlage. Der Name Orangerie sei jedoch irreführend. Der lange Bau mit seinen Arkaden und toskanischen Halbsäulen habe nach seiner Erbauung 1669 ursprünglich als Lust- und Wandelhalle gedient. Auch heute werde er wegen seiner herrlichen Lage in dem originalgetreu wiederhergestellten Barockgarten gerne für kulturelle Veranstaltungen und Privatfeiern genutzt. Rund 20 interessierte Gäste sind mit Glaser unterwegs durch die Blieskasteler Altstadt. Die meisten sind zu Gast in der nahen Rehaklink, aber auch Saarbrücker und Einwohner der umliegenden Dörfer lauschen aufmerksam, als Glaser die Geschichte nach dem Dreißigjährigen Krieg lebendig werden lässt. 1660 hätten die Grafen von der Leyen die Reste des zerstörten Orts für wenig Geld erworben und an Stelle der alten Burg das barocke Schloss errichten lassen. Reste der mittelalterlichen Burgmauer säumen den Schlossgarten im Norden. "Dahinter schloss sich früher der Tiergarten an. Daher hat die Tiergartenstraße ihren Namen", erklärt Glaser. Und die "Schlossgass", die heutige Schlossbergstraße, sei im 17. Jahrhundert noch viel steiler und die einzige Zufahrt für Kutschen zum Schloss gewesen. Mit Franz Carl und Marianne von der Leyen habe Blieskastel ab 1773 einen spürbaren Aufschwung erlebt. In der "Schlossgass" seien damals die bis heute gut erhaltenen Hofratshäuser für die Hofbeamten der Residenz erbaut worden. "Durch das Tor mit den drei Putten ist Marianne mit ihren Kindern in die dahinter liegenden 'Gärten auf dem Han' ausgefahren", weiß die Stadtführerin zu berichten. Die Hausnummern 26, 28 und 30 hätten als Schule gedient. "Denn auch soziale und gesellschaftliche Neuerungen, wie die allgemeine Schulpflicht, haben mit der von der Leyenschen Herrschaft in Blieskastel Einzug gehalten", erzählt Glaser. Marianne habe sich besonders für eine bessere Hebammenausbildung engagiert, zudem eine Apotheke und einen Perückenmacher in den Ort gebracht. Der "Postillion" an der Ecke Poststraße/Kardinal-Wendel-Straße zeuge von der ersten Poststation. Noch gemeinsam hätten Franz Carl und Marianne das heutige Rathaus erbauen lassen, das zeitweise auch als Waisenhaus, Kaserne und Lazarett diente. "Die Schlosskirche ließ die früh verwitwete Marianne dann ganz im Sinne ihres verstorbenen Ehemannes als Saalkirche mit barocken und klassizistischen Elementen errichten", erklärt die Führerin. Die Ähnlichkeit der Fenster mit denen in der Saarbrücker Ludwigskirche fällt auf. Die resultiere daraus, dass der Architekt, Peter Reheis, ein Schüler Friedrich Joachim Stengels gewesen sei, weiß Glaser. Die Kirche habe die Französische Revolution überstanden und erfahre derzeit eine umfassende Restaurierung, die noch bis 2012/2013 dauern soll. Das Schloss jedoch sei durch die Revolutionäre zerstört worden. An seiner Stelle erhebt sich das 1953 eingeweihte Lehrerinnenheim. Heute befinde sich darin unter anderem das Von der Leyen-Gymnasium. "Von hier oben konnte Marianne von der Leyen im wahrsten Sinne auf ihre Untertanen herunter schauen, bis hinein in ihre Dachgauben", sagt Luitgard Glaser von dem herrlichen Ausblick. Viel Applaus und lobende Worte erntet die Stadtführerin zum Abschluss von den Gästen. "Sie hat uns mit fundiertem Wissen für den Charme des barocken Blieskastel begeistert", finden die Teilnehmer. Die nächste Führung mit Luitgard Glaser findet am morgigen Samstag, 31. Juli, um zehn Uhr statt. Treffpunkt ist am Paradeplatz vor dem Rathaus in Blieskastel. "Luitgard Glaser hat uns mit fundiertem Wissen für den Charme Blieskastels begeistert."Teilnehmer der Führung