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Windkraft in Blieskastel: Biosphärenzweckverband äußert sich dazu

Zweckverband äußert sich zu Windkraft in Blieskastel : „Die Biosphäre ist kein Nationalpark“

Windkraft in Blieskastel: Nun steigt auch der Biosphärenzweckverband in die kontrovers geführte Diskussion ein.

Aufgrund der Berichterstattung der vergangenen Wochen zum Thema „Windenergienutzung“ sieht sich nun auch der Biosphärenzweckverband Bliesgau zu einer Stellungnahme veranlasst.

„Biosphärenreservate erfüllen generell drei Funktionen: Zum einen den Schutz von Natur- und Kulturlandschaften. Zum zweiten umweltgerechtes Wirtschaften und die nachhaltige Entwicklung. Zum dritten den lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Austausch über Pilotprojekte, Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie Forschung und Monitoring. Das Alleinstellungsmerkmal des Biosphärenreservates Bliesgau für die Unesco-Anerkennung ist die besondere Stadt-Land-Beziehung“, schreibt Verbandsvorsteher Theophil Gallo. Im Gegensatz etwa zu den Nationalparken, bei denen eindeutig der Schutz der Natur im Vordergrund stehe, sei das Aufgabengebiet von Biosphärenreservaten sehr viel weiter gehend.

Dieser breite Ansatz finde sich auch in der Satzung des Zweckverbands wieder. Zu den dort genannten Aufgaben gehörten demnach die Regionalentwicklung in den Bereichen Infrastruktur, Tourismus, Stadt-Land-Beziehung und Auswirkungen des demografischen Wandels, Bildung und auch das Projektmanagement zur Inwertsetzung der landschaftlichen Potenziale. „Wir verstehen das Biosphärenreservat Bliesgau vor allem als Modellregion für nachhaltige Entwicklung“, so der Verbandsvorsteher, Landrat Theophil Gallo. „Dazu gehört selbstverständlich auch nachhaltiges Arbeiten und Wirtschaften und damit auch eine nachhaltige Energie-Erzeugung.“

Um ihrer komplexen Aufgabenstellung gerecht zu werden, würden die Biosphärenreservate eine Zonierung ihres Gebiets vorsehen. Während in den Kern- und Pflegezonen die Schutzziele im Vordergrund stünden und wirtschaftliche Tätigkeiten komplett ausgeschlossen oder weitgehend eingeschränkt seien, stehe in den Entwicklungszonen die nachhaltige Entwicklung im Mittelpunkt. Diese machten im Biosphärenreservat Bliesgau etwa 78 Prozent der Gesamtfläche aus. „Die Entwicklungszone“, so Gerhard Mörsch, Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbands, „bildet die räumliche Grundlage zur Unterstützung einer sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltigen Betätigung.“ Und eben diese wirtschaftlichen Aktivitäten zur nachhaltigen Entwicklung seien nicht nur möglich, sondern von der Unesco und dem MAB-Nationalkomitee ausdrücklich gefordert. Einzig und allein in der Entwicklungszone seien auch Anlagen zur Gewinnung von Energie aus erneuerbaren Energien möglich, während sie in den Kern- und Pflegezonen komplett ausgeschlossen seien.

Klimaschutz habe im Biosphärenreservat Bliesgau einen besonderen Stellenwert: Nicht nur deshalb hätten der Zweckverband und die beteiligten Kommunen bereits im Jahr 2014 weitreichende Klimaschutzziele festgelegt: Unter anderem sollten bis 2050 die CO2-Emissionen um 95 Prozent zurückgehen. Dies bedeute, die Energieversorgung bis 2050 komplett auf Erneuerbare Energien umzustellen und die Verbrennung fossiler Energieträger zu beenden. „Hierzu kann die Windenergie auch im Biosphärenreservat Bliesgau einen nicht zu unterschätzenden Beitrag leisten“, so der Klimaschutzmanager des Biosphärenreservats, Hans-Henning Krämer. „Alleine mit Photovoltaikanlagen auf Wohnhäusern werden wir den Energiebedarf, insbesondere auch der Industrie- und Gewerbebetriebe in der Region, nicht decken können.“

Darüber hinaus habe die Verbandsversammlung am 10. September letzten Jahres einstimmig beschlossen, „Klimawandel und Klimaschutz“ als eigenes Aufgabengebiet in die Satzung des Zweckverbands aufzunehmen.

Vor diesem Hintergrund begrüße der Biosphärenzweckverband die Initiative der Stadt Blieskastel, in einem „ergebnisoffenen Verfahren“ unter Einhaltung der geltenden Abstandsregeln zu den Ortschaften und hoher Schutzstandards für Natur- und Artenschutz eine Überarbeitung ihres Flächennutzungsplans zur Windenergie-Nutzung auf den Weg zu bringen. Die Einbindung der Bevölkerung und der Ortsräte in das Verfahren sei selbstverständlich, heißt es in der Stellungnahme abschließend.