Streuobstwiesen pflegen : Streuobst braucht auch im Winter Pflege

Wer hilft, wenn einem die Arbeit auf der Streuobstwiese über den Kopf wächst? Der Gartenbauverband hat eine Lösung parat.

Die Besitzer einer oder mehrerer Streuobstwiesen teilen nicht alle dieselbe Sicht. Die einen bewirtschaften die Obstbäume mit Leidenschaft, die anderen haben das Gelände geerbt und interessieren sich nur bedingt dafür, oder sie sind schlicht zu alt oder beruflich zu eingespannt, um sich darum zu kümmern. Hierfür hat der Verband der Gartenbauvereine Rheinland-Pfalz-Saarland Lösungen ausgearbeitet, die der Natur und der Umwelt zugutekommen. Wer seine Wiese hingegen selbst bewirtschaftet, für den gibt es vom Verband Tipps, was man im Winter auf der Streuobstwiese beachten muss.

Im Winter haben Obstbäume keine Blätter, deshalb ist eine gute Übersicht gegeben und die Bäume können besser geschnitten werden. Zudem befindet sich der Obstbaum in einer winterlichen Ruhephase. In dieser Saftruhe sind alle physiologischen Prozesse im Baum heruntergefahren und der Baum reagiert nicht auf Schnittverletzungen. Ein Schnitt im Winter erhöht den Wachstumseffekt im Frühjahr. Die Energie, die in den Wurzeln gespeichert wird und für die im Herbst noch vorhandenen Äste gedacht war, wird nun in die Neubildung und das Wachstum von jungen Trieben gesteckt.

Grundsätzlich kann gesagt werden: Je stärker ein Baum geschnitten wird, desto stärker wird er austreiben; je steiler ein Ast steht, umso stärker wächst er. Möchte man den Wuchs eines Obstbaumes bremsen, so empfiehlt sich laut dem Experten eher ein Sommerschnitt oder ein Schnitt im Frühjahr.

Hier kann man auch besser einschätzen, wie stark geschnitten werden muss. Der Baum soll genug durchlüftet werden und trotzdem genug Blätter haben, die Schatten werfen und Sonnenbrand auf den Früchten verhindern.

Generell soll durch den Schnitt eine Balance zwischen Fruchtbildung und Triebwachstum geschaffen werden.

Der Obstgehölzschnitt sollte an trockenen, frostfreien Tagen durchgeführt werden. Bei starkem Frost kann der Baum die frischen Schnittflächen nur schwer schließen. Ist es feucht, bieten sich die Schnittwunden als Eintrittspforte für Krankheitserreger an. Die Schnittwerkzeuge sollten scharf und in einwandfreiem Zustand sein, um Verletzungen vorzubeugen und eine glatte, gut verschließbare Wunde am Ast zu hinterlassen.

Flechten im Obstbaum stellen dabei übrigens keine Gefahr für den Baum dar. Die epiphytischen Zusammenschlüsse aus Pilzen und Algen sind eher ein Zeichen für gute Luft und können bedenkenlos am Baum verbleiben. Ein starker Bewuchs aus Moosen dagegen ist ein Indikator dafür, dass die Baumkrone zu schlecht belichtet wird. Durch einen Pflegeschnitt und die Entnahme von innen liegenden Ästen werden die Belichtung und die Durchlüftung verbessert und die feuchtigkeitsspeichernden Moose in Schach gehalten.

Werden größere Äste entnommen, sollten diese auf Astring geschnitten werden. Befinden sich kleinere tote Äste im Baum, die nicht bruchgefährdet sind, können diese im Baum belassen werden. Sie bieten verschiedensten Vögeln Sing- und Jagdwarten und dienen vielen Insekten als Unterschlupf.

Misteln sind für Obstwiesenbesitzer keine fröhlichen Weihnachtspflanzen, sondern Schmarotzer, die den Streuobstwiesen mächtig zusetzen und unbedingt entfernt werden müssen. Foto: Ruppenthal

Da der Januar oft kalt und auch feucht ist, sind frostfreie Februartage eine ideale Zeit, den nötigen Strauch- und Obstbaumschnitt vorzunehmen.