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Wie in der Zeit der Schellack-Schallplatten

Wie in der Zeit der Schellack-Schallplatten

Blieskastel. Schon der Name klingt wie Musik: Francesco Formicola, Sänger aus dem süditalienischen Castellabate, gastierte mit seinem Programm in der Orangerie der deutschen Partnerstadt Blieskastel. Gut 50 Gäste wollten sich diesen Ohrengenuss nicht entgehen lassen und waren trotz der vorhergesagten "Schneekatastrophe" auf den Schlossberg gekommen

Blieskastel. Schon der Name klingt wie Musik: Francesco Formicola, Sänger aus dem süditalienischen Castellabate, gastierte mit seinem Programm in der Orangerie der deutschen Partnerstadt Blieskastel. Gut 50 Gäste wollten sich diesen Ohrengenuss nicht entgehen lassen und waren trotz der vorhergesagten "Schneekatastrophe" auf den Schlossberg gekommen. Und sie erwartete ein ungewöhnlicher Gegensatz: Draußen Winterwetter mit frostiger Kälte und Schneeverwehungen, drinnen warmherzige, melodiöse Lieder, die von Zärtlichkeit und Liebe erzählten. Der Sänger arbeitet als Musiklehrer in der italienischen Partnerstadt von Blieskastel, genau in San Marco di Castellabate. Er hat große Konzerterfahrung, spielte und sang in vielen Städten Italiens, aber auch in Deutschland hat Formicola schon etliche Konzerte gegeben. Und diese Konzerterfahrung merkte man ihm sofort an: Er überstürzte nichts, ließ die Gäste sozusagen "warm" werden. Aber dann, nachdem man sich auf den Sänger eingestellt hatte, konnte er sozusagen mit dem Publikum "spielen". Natürlich hat er es dabei einfach, schließlich sind etliche der neapolitanischen Canzonen auch bei uns sehr bekannt, "Gassenhauer", wie man dazu früher sagte. Formicola überlässt den Refrain den Gästen, indem er einfach schweigt oder mit einer leichten Kopfbewegung quasi den Einsatz gibt. Und wenn dann das "O sole mio" noch etwas verhalten aus dem Auditorium kommt, dann zeigt der italienische Barde seine Qualitäten, sein Können: Der begeisternde Sänger verfügt über ein unglaubliches Stimmvolumen, das reicht vom tiefen Bass bis zu Sopran-Kopfstimme. Und dies alles in einer unglaublichen Lautstärke (die aber nicht nervt) und einer wahnsinnigen Intensität. Da werden Töne so lange gehalten, dass man glaubt, der Sänger käme schlicht außer Puste. Aber dem ist nicht so. Formicola lächelt, nimmt einen Schluck Mineralwasser - und schon gibt es das nächste stimmgewaltige Lied. Das Programm ist bunt gemischt, neben den Canzonen gibt es noch weitere Lieder aus italienischen Regionen und Schlager und Evergreens. Der Sänger ist dabei sehr sympathisch, nie arrogant oder abgehoben. Er weiß, wie sehr seine Stimme beeindruckt, und nutzt das auch aus. Dabei hören die Gäste gebannt zu, singen manchmal auch mit und sparen zudem nicht an kräftigem Applaus. Mitunter hatte man Erinnerungen an alte Schellack-Schallplatten mit dem unvergessenen Enrico Caruso. Natürlich singt Formicola eine Liga tiefer, aber die Gänsehaut ist ebenso da. Fazit: Ein sehr beeindruckendes Konzert, das man vorher so in Blieskastel noch nicht erlebt hat und das wohl so schnell auch nicht mehr zu toppen sein dürfte. Der Abend wurde eloquent und charmant moderiert von Walter Verbrug.